Schon 94 Beschwerden: Presserat leitet Verfahren gegen Bild zum Artikel "Die Lockdown-Macher" ein

15.12.2021
 

Der Deutsche Presserat hat ein Beschwerdeverfahren gegen Bild und Bild.de zum Artikel "Die Lockdown-Macher" eingeleitet. Grundlage sind mittlerweile 94 Beschwerden von mehreren Wissenschaftlern und der Berliner Humboldt-Universität.

"Im Mittelpunkt unseres Verfahrens steht die Frage, ob die Redaktion das Wahrhaftigkeitsgebot nach Ziffer 1 und ihre Sorgfaltspflicht nach Ziffer 2 des Pressekodex verletzt hat", erklärt der Sprecher des Presserats Sascha Borowski.

Über den Bild-Fall wird der Presserat auf seiner nächsten Sitzung am 24. März 2022 entscheiden. Die Beschwerdeführer kritisieren, der Artikel erwecke den Eindruck, dass Wissenschaftler Corona-Maßnahmen beschließen, für die tatsächlich aber die Politik verantwortlich sei. Dies schüre Verschwörungstheorien und Hetze auf Wissenschaftler.

"Einige Beschwerdeführer stützen sich in diesem Zusammenhang auf die Ziffer 3 des Pressekodex, nach der Behauptungen, die sich nachträglich als falsch erweisen, von der Redaktion korrigiert werden müssen", so Borowski weiter.

Die Redaktion der Bild-Zeitung hatte am 4. Dezember drei namentlich genannte und im Bild gezeigte Wissenschaftler als "Lockdown-Macher" bezeichnet. Gegen den Beitrag und besonders gegen dessen Überschrift hatte die Humboldt-Universität Beschwerde beim Deutschen Presserat eingereicht (kress.de berichtete). Um den Bild-Artikel ist eine Medien-Debatte entbrannt.

Hintergrund: Der Deutsche Presserat ist die Freiwillige Selbstkontrolle der Printmedien und deren Online-Auftritte in Deutschland. Anhand von Beschwerden überprüft er die Einhaltung ethischer Regeln im Journalismus, die im Pressekodex festgehalten sind.

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