Mut zum Widerspruch: Thomas Kaspar ist Chefredakteur des Jahres

22.12.2021
 

kress pro hat seine Awards für die besten Führungskräfte in den Medien vergeben: Thomas Kaspar von der FR ist Chefredakteur des Jahres (Zeitung). In der Debatte um die Veröffentlichung der Reichelt-Recherche scheute er sich nicht, Verleger Dirk Ippen offen zu widersprechen. Was Kaspar zu seiner Auszeichnung sagt.

In der Begründung zur Wahl von Thomas Kaspar heißt es in der aktuellen kress pro-Ausgabe mit den 100 Köpfen des Jahres: "Er ist schon seit Jahren ein Impulsgeber für die Digitalisierung. Als Chefredakteur der FR beweist er jetzt, dass er auch Inhalte kann: Mit einem kleinen Team macht Kaspar eine engagierte Zeitung. In der Debatte um die Veröffentlichung der Reichelt-Recherche scheute er sich nicht, Verleger Dirk Ippen offen zu widersprechen."

"Es gibt diese Entweder-Oder-Momente: Danach hast du entweder keinen Job mehr oder eine Auszeichnung. Nun ja, für unsere Redaktion war es eine Selbstverständlichkeit uns mit @i_investigativ zu solidarisieren - Haltung und so", kommentiert Thomas Kaspar in einem viel beachteten Post auf Twitter seine Auszeichnung zum Chefredakteur des Jahres.

Die Redaktion der Frankfurter Rundschau hatte sich einstimmig hinter das Team von Ippen Investigativ gestellt, das eine Recherche über den damaligen Bild-Chefredakteur Julian Reichelt erstellt hatte. Die Ergebnisse hätten im Internet und als einziger Print-Zeitung in der Frankfurter Rundschau veröffentlicht werden sollen. Durch die persönliche Intervention von Verleger Dirk Ippen durfte das Investigativ-Team die Recherchen nicht publizieren, wogegen die Redaktion der FR mit einem solidarischen Protestbrief am 19. Oktober 2021 auf der Titelseite Stellung bezogen hatte.

"Für unsere Redaktion war es eine Selbstverständlichkeit, dass wir diesen Eingriff in die journalistische Unabhängigkeit nicht akzeptieren werden", sagt Kaspar zu den damaligen Ereignissen. "Der Vorgang war so massiv, dass wir auch mit der maximal möglichen Aufmerksamkeitswucht darauf reagiert haben", erklärt der Chefredakteur, warum seine Redaktion auf der Titelseite den Verleger direkt kritisiert hatte.

In der Folge hatten sich nach Angaben der FR viele Leserinnen und Leser mit der Redaktion solidarisiert und über Wochen in Briefen ihre Unterstützung zugesichert. Verleger Dirk Ippen hat sich inzwischen bei der Redaktion und dem Kuratorium der Karl-Gerold-Stiftung, die Mitinhaberin der FR ist, für den Eingriff entschuldigt und zugesichert, dass es in Zukunft keinerlei Einflussnahme in die redaktionelle Unabhängigkeit geben werde.

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