Zuversichtlich ins neue Jahr: So machen Medienprofis 2022 das Beste aus den Umständen

 

Auch das zweite Corona-Jahr war anspruchsvoll für alle. Mancher will die Situation immer noch nicht wahrhaben, andere machen das Beste daraus. Mediencoach Attila Albert über die fünf Phasen, etwas zu verarbeiten, das sich nicht ändern lässt - und so wieder zuversichtlicher zu werden.

Welche Bilanz ziehen Sie für das ausgehende Jahr - empfanden Sie es persönlich als besser oder schlechter als 2020? Die Antworten, die ich von Medienprofis auf diese Frage erhalten habe, fielen sehr unterschiedlich aus. Die fortgesetzte Coronakrise bewältigen musste erneut jeder, mit Einschränkungen, Herausforderungen und Verlusten umgehen lernen. Für manche waren das eher Unannehmlichkeiten (z. B. mehrfach verschobene Urlaube), für andere sehr schmerzhafte Einschnitte (z. B. Tod eines Angehörigen, Scheitern einer Selbstständigkeit oder eines wichtigen Projektes).

Wie umgehen mit etwas, das sich nicht ändern lässt? Das klassische Modell dafür stammt von der Schweizer Psychiaterin Elisabeth Kübler-Ross (1926 bis 2004): Sie hat fünf Phasen definiert, die es typischerweise für die Bewältigung lebensverändernder Ereignisse braucht. Von anfänglicher Leugnung bis zur Akzeptanz als Bedingung, das Beste aus den Gegebenheiten zu machen. In meiner letzten Kolumne in diesem Jahr möchte ich Sie zu einer Reflexion dazu anregen. Entscheiden Sie anhand der Beschreibungen der Phasen, wo Sie gerade stehen und was Ihnen bzw. Betroffenen in Ihrem Umfeld jetzt helfen könnte.

1. Leugen: Selbstschutz vor dem Unbegreiflichen

Die erste Reaktion ist häufig ungläubiger Schock und anschließende Verleugnung: Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Es handelt sich dabei nicht um absichtliches Wegsehen, sondern um eine Schutzreaktion der Psyche. Die Betroffenen fühlen sich überwältigt von einer drohenden Gefahr, die sie nicht abwehren können. Die Gefühle scheinen in dieser Phase taub, unklare körperliche Beschwerden sind möglich (z. B. Übelkeit, Schwitzen).

Wenn Sie in dieser Phase sind: Nehmen Sie sich die Zeit, die Sie brauchen, um über alles nachzudenken. Bitten Sie andere um Verständnis, wenn Sie häufiger einmal allein sein wollen. Verbringen Sie nicht zu viel Zeit im Internet. Gehen Sie lieber gelegentlich spazieren, entspannen Sie sich bei Musik oder einem Buch, ruhen Sie sich aus. Wenn es andere betrifft: Keine Gespräche aufdrängen. Warten Sie ab, bis der andere sich bereit fühlt.

2. Zorn: Schuldzuweisungen an alle anderen

Nach dem ersten Schock brechen die unterdrückten Gefühle heraus, typischerweise Wut, Zorn und Schuldzuweisungen. Manchmal offen, gelegentlich unterschwellig durch Nörgeln und Sticheleien. In dieser Phase kann man Betroffenen häufig nichts recht machen, was wohlmeinende Angehörige, Freunde und Kollegen meist sehr belastet. Nicht selten schwankt die Stimmung stark, wechseln sich Ärger, Angst und Euphorie ab.

 

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Wenn Sie in dieser Phase sind: Sprechen Sie Ihre Gedanken aus, versuchen Sie aber, andere nicht unnötig zu verletzen. Belasten Sie sich auch selbst nicht ewig damit, was Sie hätten besser machen können. Seien Sie zurückhaltend auf Social Media, schreiben Sie Ihre Gefühle lieber für sich nieder, um sie zu ordnen. Wenn es andere betrifft: Gelassen bleiben. Diese Ausbrüche richten sich nicht gegen Sie, sondern sind Teil der Bewältigung.

3. Verhandeln: Suche nach einem Ausweg

In dieser Phase beginnt der Betroffene damit, einen Ausweg zu suchen. Er diskutiert und verhandelt mit anderen, eventuell auch mit dem Schicksal oder sogar Gott. Oft bietet er einen Handel oder eine Selbstverpflichtung für den Fall an, dass sich die Umstände für ihn günstig verändern. Dabei kann er Wünsche äußern, die anderen völlig unrealistisch erscheinen. Immerhin zeigt sich darin Hoffnung, wenn auch nur begrenzt begründet.

Wenn Sie in dieser Phase sind: Bei Ihren Überlegungen, was Ihnen jetzt weiterhelfen könnte, erkennen Sie Ihre wahren Prioritäten. Selbst, wenn sich Ihre Wünsche nicht sofort erfüllen lassen, können Sie auf dieser Basis neue Schwerpunkte für Ihr Leben setzen. Wenn es andere betrifft: Viel zuhören. Nehmen Sie dabei niemandem die Hoffnung. Bestärken Sie unrealistische Erwartungen allerdings auch nicht zusätzlich, um damit zu trösten. 

4. Depression: Wenn alles hoffnungslos scheint

Realisiert der Betroffene erst einmal, dass er die Lage trotz allem nicht ändern kann, ist das meist ein schwerer Schlag für ihn. In dieser Phase sind Depressionen, Ängste und Trauer typisch. Was wird sich eventuell nicht mehr erleben lassen, welche Hoffnungen werden sich nicht mehr erfüllen? Diese Einsicht ist in unserer modernen Welt, die in allem eine Chance sehen will, für viele ungewohnt - aber normal, realistisch und wichtig.

Wenn Sie in dieser Phase sind: Erlauben Sie sich Ihre Gefühle. Sie müssen sich auch für Tränen nicht schämen. Wenn Sie allein leben sich besonders einsam fühlen (z. B. nachts): Eventuell kann Sie eine Vertrauensperson abends kurz besuchen oder kurz per Videochat melden. Auch Meditation oder Beten beruhigen. Wenn es andere betrifft: Sie müssen nicht übermäßig trösten oder Tipps geben. Lassen Sie den anderen reden, unterbrechen Sie wenig.

5. Akzeptanz: Das Gegebene gestalten

In dieser Phase nimmt der Betroffene sein Schicksal an, akzeptiert das Gegebene. Er wird ruhiger, hat weniger Bedarf an Gesprächen. Es ist alles gesagt, jedes Gefühl ausgedrückt. Der Blick ist nach innen gerichtet. Die Überlegungen werden pragmatisch: Wenn die Lage so ist, wie sie ist - was lässt sich jetzt noch gestalten? Einige wenige Entscheidungen sind nun oft bereits ausreichend, weil Prioritäten und Zeitrahmen plötzlich klar sind.

Wenn Sie in dieser Phase sind: Werden Sie mutig, erkunden Sie Ihre Möglichkeiten trotz der Umstände. Es müssen keine großen Pläne sein, schon kleine umgesetzte Wünsche können viel bedeuten. Wenn es andere betrifft: Verstehen Sie den geringeren Gesprächs- und Besuchsbedarf nicht als Ablehnung. Als stiller Begleiter mit gelegentlichen kleinen Gesten (z. B. einfach mal die Hand halten) tun Sie genug, lindern Ängste und ermutigen.

Jede dieser Phasen hat ihren Wert. Schrittweise führen sie dazu, sich nicht mehr ewig daran abzuarbeiten, was sich nicht ändern lässt (z. B. durch Schuldzuweisungen) oder es ganz zu verleugnen. Sondern die Möglichkeiten zu nutzen, die gleichwohl vorhanden sind, also das Beste aus den Umständen zu machen. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen erholsame Weihnachtsfeiertage und ein gutes kommendes Jahr 2022. Der kalendarische Neuanfang ändert für sich alleinselbstverständlich noch nichts, kann aber doch ein Anlass für einen persönlichen Neubeginn sein.

Zum Autor: Attila Albert (geb. 1972) begleitet Medienprofis bei beruflichen Veränderungen. Er hat mehr als 25 Jahre journalistisch gearbeitet, u.a. bei der Freien Presse, bei Axel Springer und Ringier. Begleitend studierte er BWL, Webentwicklung und absolvierte eine Coaching-Ausbildung in den USA. www.media-dynamics.org.

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Dank der richtigen Strategie führt Burda-Chef Paul-Bernhard Kallen ein kerngesundes Unternehmen mit hohen Digitalumsätzen. Wie er das geschafft hat und was er anderen jetzt empfiehlt.

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