Wehrt sich der Spiegel gegen Reichelts Anschuldigungen?

 

Im Interview mit der Zeit hat Julian Reichelt kräftig nach allen Seiten ausgeteilt - auch der Spiegel musste einiges einstecken. Wie man bei dem Nachrichtenmagazin (Foto: Spiegel-Ressortleiterin Isabell Hülsen) mit den Vorwürfen umgeht, berichtet kress pro.

Auszug aus der aktuellen Titelgeschichte in kress pro, dem Magazin für Führungskräfte in Medien:

Schon seit Jahren pflegen der "Spiegel" und "Bild" ein reichlich verspanntes Verhältnis zueinander. Im "Zeit"-Interview sagt Reichelt: "Der 'Spiegel' hat - wie bei Relotius - komplette Sachverhalte erfunden, damit es ins Weltbild passt." Das ist harter Tobak.

Der "Spiegel" wird gegen den Vorwurf allerdings nicht vorgehen, teilt das Nachrichtenmagazin auf kress pro-Anfrage mit. Vermutlich will man die Kritik durch juristische Streitigkeiten nicht weiter aufwerten. Für Unverständnis beim "Spiegel" sorgte eher, dass die "Zeit" gegen die Aussage Reichelts nicht entschiedener intervenierte.

Ärgerlich für das Magazin: In seiner ersten Berichterstattung über Reichelt Anfang März hat der "Spiegel" einen handwerklichen Fehler begangen. Die Reporter haben Reichelt nicht selbst mit den Vorwürfen konfrontiert. Deswegen hat das Landgericht Hamburg eine einstweilige Verfügung erlassen. Der "Spiegel" argumentiert, dass man wohl davon ausgehen durfte, dass die Springer-Kommunikation die Anfrage an Reichelt weiterleitet.

Das kann man so sehen. Presserechtlich ist man in so einem Fall allerdings nur dann auf der sicheren Seite, wenn man den Betroffenen direkt konfrontiert. Schließlich kann man nicht davon ausgehen, dass ein Unternehmen die Interessen eines Mitarbeiters vertritt, gegen den eine Kanzlei intern ermittelt. Festhalten kann man auch: Der Ehrgeiz des "Spiegel", Reichelt vor der Berichterstattung zu konfrontieren, war nicht sehr ausgeprägt. Spannend bleibt die Frage, ob die Verdachtsberichterstattung inhaltlich gerechtfertigt war. Das hat das Landgericht Hamburg bisher offengelassen und wird wohl noch juristisch geklärt, weil der "Spiegel" gegen die einstweilige Verfügung und das Verbot vorgeht.

Zwischen den Jahren erklärte Isabell Hülsen den Spiegel-Lesern, worum es im Rechtsstreit zwischen Reichelt und dem Nachrichtenmagazin geht. "Julian Reichelt sieht sich als Opfer einer Kampagne, an deren Spitze er den 'Spiegel' vermutet. Dabei lieferte er selbst die Gründe für seinen Rausschmiss als 'Bild'-Chefredakteur", schreibt Hülsen, die die Wirtschaftsredaktion des Spiegel leitet. Weiter heißt es in ihrem Bericht:

"Julian Reichelt, 41, ehemaliger Kriegs­reporter und bis vor Kurzem Chefredakteur der 'Bild', kennt nur Freund oder Feind. So gesehen ist es bloß konsequent, dass er seinen Rauswurf Mitte Oktober als Ergebnis eines politisch motivierten 'Vernichtungsfeldzuges' gegen ihn deutete, wie er der 'Zeit' verriet. An der Spitze dieses vermeintlichen Feldzugs: der 'Spiegel'. Wahr daran ist nur, dass der 'Spiegel' als erstes Medium Reichelts mutmaßliches Fehlverhalten im Job öffentlich machte, das schließlich zu seinem Karriereende beitragen sollte [...]."

Lesen Sie außerdem im aktuellen kress pro zum Fall Reichelt:

Sagt Julian Reichelt die Wahrheit oder Mathias Döpfner?

Wie steht Mathias Döpfner jetzt da?

Wie steht Julian Reichelt jetzt da? 

Warum ist das Ippen-Investigativ-Team jetzt gefordert?

Jetzt kress pro bestellen.

 

Weiteres Top-Thema in kress pro 10/2021:

kress-Awards 2021: Die 100 Köpfe des Jahres

Das Wichtigste aus den Medien - einmal am Tag: Jetzt den kressexpress bestellen

Ihre Kommentare
Kopf
Inhalt konnte nicht geladen werden.