Erfolg für Verleger Holger Friedrich: Die Zeit muss Gegendarstellung drucken

 

Der Eigner des Berliner Verlags (u.a. Berliner Zeitung) hat durchgesetzt, dass die Zeit eine Gegendarstellung bringen muss. Vor allem eine brisante Behauptung wollte Holger Friedrich korrigieren. kress berichtet exklusiv.

"Zeit"-Autorin Hannah Knuth hatte Mitte November die wirtschaftliche Situation des Berliner Verlags sehr düster beschrieben und von Spannungen zwischen Holger Friedrich und Teilen der Belegschaft berichtet.  Der Verleger ging gegen die Berichterstattung vor und hat dabei einen ersten Etappensieg errungen. Das Landgericht Hamburg verpflichtete die "Zeit" per einstweiliger Verfügung zu einer Gegendarstellung von zwei Passagen.

Im Beitrag der Wochenzeitung hieß es unter anderem: "Der 'Berliner Zeitung' geht es schlecht. Viele im Haus meinen: schlechter denn je". Und weiter: "Einige, die dort (bei der 'Berliner Zeitung') gegangen sind, meinen: Der Tag, an dem Friedrich aufhöre, das Haus mit seinem Privatvermögen zu finanzieren, sei der Tag, an dem die Zeitung insolvent gehen werde."

Hierzu lässt Friedrich laut Beschluss festhalten: "In Bezug auf den Verlag erfolgt durch mich keine laufende Finanzierung als natürliche Person aus meinem Privatvermögen." Außerdem wurde die Zeit verpflichtet, die Aussage Friedrichs festzuhalten, dass das Budget für die Wochenend-Ausgabe, anders als berichtet, nicht gekürzt wurde.

Die "Zeit" mochte die Entscheidung des Landgerichts Hamburg auf kress-Anfrage nicht kommentieren. Ein Verlagssprecherin hielt jedoch fest, ursprünglich habe die Gegendarstellung vier Punkte umfasst, nun gehe es nur noch um zwei: "Die erste einstweilige Verfügung, die Holger Friedrich beantragt hatte, wurde vom Gericht auf seine Kosten zurückgewiesen. In dem zweiten Verfahren musste er ebenfalls zwei Drittel der Kosten tragen", so eine Sprecherin. Medienanwalt Christian Schertz, der die Gegendarstellung von Holger Friedrich gegen die Zeit durchgesetzt hat, wies dagegen daraufhin, dass nicht das Gericht den Antrag zurückgewiesen habe, sondern er den ersten Antrag zurückgenommen habe, nachdem das Gericht lediglich darauf hingewiesen habe, dass es in einer Aussage eine Meinungsäußerung sehen würde.

Zudem hielt Medienanwalt Christian Schertz auf kress-Anfrage fest:

"Wir hatten Die Zeit im Vorfeld in Ansehung der beabsichtigten Berichterstattung auf die bestehende Konkurrenzsituation zum Tagesspiegel hingewiesen, der auch zur Holtzbrinck Gruppe gehört, und darum gebeten, dieses aus Transparenzgründen gegenüber dem Leser deutlich zu machen und insofern die Einhaltung journalistischer Sorgfaltspflichten eingefordert. Ebenso haben wir angeregt die aktuelle Pressemitteilung des Berliner Verlages zur geschäftlichen Entwicklung zu berücksichtigen. Umso bedauerlicher ist es, dass jetzt wegen der Falschberichterstattung Gerichtsverfahren notwendig wurden mit eindeutigem Ergebnis.“

Die Zeit teilt dazu auf kress-Anfrage mit: "Wir begegnen allen Unternehmen, über die wir berichten, mit gleicher gebotener Sorgfalt."

In einem zweiten Schritt will Schertz jetzt in einem Hauptsacheverfahren die Unterlassung der Aussagen in der Gegendarstellung sowie weitere Aussagen in dem Friedrich-Beitrag durchsetzen. Der gerichtliche Nachspiel geht also in eine weitere Runde.

Sie möchten exklusive Medienstorys, spannende Debatten und Top-Personalien lesen? Dann bestellen Sie bitte unseren kostenlosen kressexpress. Jetzt für den täglichen Newsletter anmelden.

Ihre Kommentare
Kopf
Kress Pro Magazin
2021/#10

Dank der richtigen Strategie führt Burda-Chef Paul-Bernhard Kallen ein kerngesundes Unternehmen mit hohen Digitalumsätzen. Wie er das geschafft hat und was er anderen jetzt empfiehlt.

Kressköpfe dieses Artikels
  • Noch kein kresskopf?

    Logo
    Dann registrieren Sie sich kostenlos auf kress.
    Registrieren
Kress Pro Magazin
2021/#10

Dank der richtigen Strategie führt Burda-Chef Paul-Bernhard Kallen ein kerngesundes Unternehmen mit hohen Digitalumsätzen. Wie er das geschafft hat und was er anderen jetzt empfiehlt.

Inhalt konnte nicht geladen werden.