Warum Redaktionen auf Leserbeiräte setzen

 

Was will das Publikum? Um diese Frage zu beantworten, hören Redaktionen zunehmend auf Leserbeiräte. Kress pro stellt drei Beispiele vor.

Auszug aus einem Case im aktuellen kress pro, dem Magazin für Führungskräfte in Medien:

Ein Leserbeirat ist kein Instrument, um mehr Abos zu verkaufen, jedenfalls nicht unmittelbar. Es geht den Häusern oftmals um Rückmeldung für die eigene Arbeit, um Transparenz und damit Vertrauen, was am Ende freilich auf die Marke einzahlen soll. "Wenn man das offen gestaltet, interessiert man die Leserinnen und Leser für das redaktionelle Tun und nicht nur für die Inhalte einer Zeitung", sagt Klaus Meier, Professor für Journalistik an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Umgekehrt würden sich auch die Redaktionen öffnen, aus dem Input neue Themen generieren und wichtige Diskurse führen. Ein intensiver Prozess, von dem beide Seiten nur profitieren könnten, so Meier.

Er denkt sogar über klassische Leserbeiräte hinaus: "Was wäre, wenn Medien in Zukunft Mitgliedschaften statt Abos verkaufen würden? Digitale Start-ups haben es erfolgreich vorgemacht. Leserinnen und Leser würden so zu einem Teil des Produkts, zu Mitgliedern der Redaktion, was die Bindung durchaus erhöhen könnte."

"Kress pro" zeigt drei Beispiele für unterschiedliche Ansätze von Leserbeiräten. Das gemeinsame Ziel: eine bessere Leser-Blatt-Bindung.

1. Martin Schwarzkopf, "Main-Echo":

"Der Anlass, einen Leserbeirat einzurichten, war unser 75-jähriges Jubiläum Anfang des vergangenen Jahres. Natürlich setzen wir uns schon länger mit dialogorientierten Formen des Journalismus auseinander: Leserstammtische und andere Vor-Ort-Formate, der persönliche wie auch der digitale Austausch prägen meine Amtszeit seit acht Jahren. Doch wir wollten noch mehr über die Lebenswirklichkeiten unserer Leserinnen und Leser erfahren.

Wir haben 25 von ihnen ausgewählt und zwei Jahre lang mit ihnen gearbeitet. Im kommenden Jahr wird es eine neue Ausschreibung geben. War es bislang ein Erfolg? Ja, es ist immer ein Erfolg, das Publikum zu hören, weil es befruchtend ist. Jeder Leserstammtisch, jede Beiratssitzung füllt das Themenreservoir auf. Außerdem erfahren wir besonders im Leserbeirat unheimlich viel positive Resonanz, viel Wertschätzung für unsere Arbeit. Deshalb sind die Treffen immer ziemlich flauschig, anders als im Redaktionsalltag, wo eher die Beschwerden auflaufen.

Die Themen der Sitzungen sind querbeet: Usability-Probleme, Hürden für ältere Menschen in der digitalen Welt, neue Verlagsprodukte oder berechtigte Kritik an orthografischer Korrektheit. Für mich ist der Leserbeirat ein Teil von Qualitätssicherung, weil man sehr offen in einem geschützten Raum miteinander spricht - auch über das, was nicht so gut ist -, und zwar auf eine sehr sachliche Art und Weise. Und man kann prüfen, ob man bei neuen Produkten auf dem richtigen Weg ist. Das hat uns zum Beispiel beim Relaunch unserer Wochenendausgabe sehr geholfen.

Das Schöne an sämtlichen Feedback-Formaten ist, dass sie grundsätzlich niederschwellig und preisgünstig sind. Wichtig ist, dass eine Redaktion mit der größtmöglichen Offenheit an die Sache herangeht und für eine möglichst große Diversität bei der Auswahl der Menschen sorgt. Es ist sinnvoll, sich bewusst auch kritische Geister in den Leserbeirat zu holen - vielleicht solche, die mit unbequemen Leserbriefen aufgefallen sind - und diese offene Haltung als Medium auch zu signalisieren. Wer nur versucht, Ergebnisse zu bekommen, die einem in den Kram passen, kann es gleich lassen mit der Leserbeteiligung."

[...] 2. Jan-Philipp Schlecht, "Kreiszeitung Böblinger Bote" (SWMH): "Raus aus dem Elfenbeinturm der Redaktion"

3. Dirk Birgel, "Dresdner Neueste Nachrichten" (Madsack): "Regelmäßige Blattkritik über Microsoft Teams"  

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