Zufall oder System? Berliner Zeitung teilt gegen Holtzbrinck aus

07.02.2022
 

Zwischen Berliner Zeitung und Holtzbrinck (u.a. Die Zeit) geht es weiter hoch her. "Zufall oder System? Wie Holtzbrinck-Medien ihre Unabhängigkeit aufs Spiel setzen", titelt die Berliner Zeitung am Wochenende. Das Blatt von Verleger Holger Friedrich will damit eine Debatte anstoßen.    

"Recherchen zeigen, wie wirtschaftliche und redaktionelle Interessen in Verlagen aufeinanderprallen. Wie autonom ist der Journalismus? Zeit für eine Debatte", teast die Berliner Zeitung am Wochenende ihre Titelgeschichte an.

Darin heißt es:

"Der Berliner Verlag erlebte eine Situation, aus der er gelernt hat: Im November 2019 berichtete die Berliner Zeitung über den Börsengang der ostdeutschen Firma Centogene. Die Redaktion hatte es in dem Bericht versäumt zu erwähnen, dass der Eigentümer des Verlags, Holger Friedrich, im Aufsichtsrat der Biotech-Firma saß und Anteile an der Rostocker Firma Centogene hielt. Der Presserat rügte die Redaktion der Berliner Zeitung. Viele konkurrierende Medien berichteten über den Vorfall. Seitdem sind sowohl der Verleger als auch die Redaktion der Berliner Zeitung und der Berliner Zeitung am Wochenende für mögliche Interessenkonflikte besonders sensibilisiert.

Umso überraschter waren wir über die Erkenntnis, dass eines der größten deutschen Medienhäuser mögliche Interessenkonflikte nicht transparent macht. Wir hatten den Hinweis bekommen, dass Dieter von Holtzbrinck über die Beteiligungsgesellschaft "Dieter von Holtzbrinck Ventures" in Start-ups investiert, über die zugleich Holtzbrinck-Titel wie Tagesspiegel, Handelsblatt und Die Zeit berichten, ohne die Holtzbrinck-Investments und mögliche Interessenkonflikte offenzulegen. 'Zufall oder System?' war die Frage, die wir beantworten wollten."

Wie geht es dem Berliner Verlag? Darüber streiten Holger Friedrich und die Zeit.

Weiter schreibt Tomasz Kurianowicz, Chefredakteur der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung: "Gerade mit Blick auf unser Konkurrenzblatt Der Tagesspiegel hat sich gezeigt, dass die Berichterstattung auffälligen Mustern folgt. Meine Kollegen Maximilian Both und Jesko zu Dohna fanden heraus, dass vor allem in den Medien Tagesspiegel, Handelsblatt und Die Zeit regelmäßig und meist positiv über Start-ups berichtet wird, in die der Holtzbrinck-Verlag investiert ist, ohne dass der Interessenkonflikt in einer Hinweisnote erwähnt wird." Noch pikanter sei: "Der neue Geschäftsführer des Tagesspiegels, Gabriel Grabner, ist über die Michael Grabner Media GmbH an der Holtzbrinck-Investmentfirma und an verschiedenen Start-ups beteiligt, in die auch Dieter von Holtzbrinck mittelbar investiert und über die der Tagesspiegel berichtet hat", so die Darstellung von Kurianowicz.

Die Rechercheergebnisse der Berliner Zeitung zeugten vor allem von einem systemischen Versagen, stellt Kurianowicz fest. Die Führungskraft von Verleger Holger Friedrich will nun eine Diskussion in Gang setzen, "wie in unserer Branche zukünftig mehr Transparenz geschaffen werden kann".    

Eine Vertreterin von DvH Medien teilte gegenüber der Berliner Zeitung als Reaktion zu deren "Rechercheergebnisse" mit: "Die Redaktionen der DvH Mediengruppe arbeiten unabhängig von allen Interessen Dritter, selbstverständlich auch von jenen der eigenen Verlage (d.h. u.a. der Geschäftsführer, Gremien und Gesellschafter, von denen es im Übrigen auch nie einen Versuch der Einflussnahme gegeben hat)."

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