Berliner Zeitung-Verleger Holger Friedrich äußert sich zur Holtzbrinck-Recherche

10.02.2022
 

Am vergangenen Wochenende brachte die Berliner Zeitung eine ungewöhnliche Recherche: Auf mehreren Seiten widmete sie sich prominent dem "House of Holtzbrinck". "Zufall oder System? Wie Holtzbrinck-Medien ihre Unabhängigkeit aufs Spiel setzen", heißt es darin. Verleger Holger Friedrich hat sich nun dazu geäußert.

War die große Holtzbrinck-Recherche nur eine Art Retourkutsche? Berliner Zeitung-Verleger Holger Friedrich verwehrt sich dagegen. "Was mir wichtig ist zu sagen, weil das natürlich sofort unterstellt wurde: Der Bericht der Kollegen hat nichts mit dem Zeit-Artikel aus dem November zu tun. Auch wenn der Gedanke naheliegend ist", sagte Friedrich der Süddeutschen Zeitung.

Wie geht es dem Berliner Verlag? Darüber streiten Holger Friedrich und die Zeit.

Tomasz Kurianowicz, Chefredakteur der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung, schrieb zu der Holtzbrinck-Recherche: "Gerade mit Blick auf unser Konkurrenzblatt Der Tagesspiegel hat sich gezeigt, dass die Berichterstattung auffälligen Mustern folgt. Meine Kollegen Maximilian Both und Jesko zu Dohna fanden heraus, dass vor allem in den Medien Tagesspiegel, Handelsblatt und Die Zeit regelmäßig und meist positiv über Start-ups berichtet wird, in die der Holtzbrinck-Verlag investiert ist, ohne dass der Interessenkonflikt in einer Hinweisnote erwähnt wird." Noch pikanter sei: "Der neue Geschäftsführer des Tagesspiegels, Gabriel Grabner, ist über die Michael Grabner Media GmbH an der Holtzbrinck-Investmentfirma und an verschiedenen Start-ups beteiligt, in die auch Dieter von Holtzbrinck mittelbar investiert und über die der Tagesspiegel berichtet hat", so die Darstellung von Kurianowicz.

Die Rechercheergebnisse der Berliner Zeitung zeugten vor allem von einem systemischen Versagen, stellte Kurianowicz fest. Die Führungskraft von Verleger Holger Friedrich will eine Diskussion in Gang setzen, "wie in unserer Branche zukünftig mehr Transparenz geschaffen werden kann".    

Die Recherche hat inzwischen Kreise gezogen: Laut Süddeutscher Zeitung erklärten "verschiedene Holtzbrinck-Medien", dass sie sich mit der Kritik auseinandergesetzt hätten. Vom Tagesspiegel weiß die SZ, dass die Chefredaktion den Bericht zum Anlass genommen habe, "die internen Abläufe und Transparenzrichtlinien zu überprüfen". Allerdings habe die Regionalzeitung auch erklärt: "Es ist uns kein Fall bekannt, in dem es einen mittelbaren oder unmittelbaren Einfluss der Gesellschafter, des Verlages oder der Geschäftsführung auf die Berichterstattung im Tagesspiegel gab." Das betreffe sowohl die Art und den Tenor der Berichte als auch die Themenauswahl. Wo Transparenzhinweise fehlten, wolle man "sie selbstverständlich ergänzen und zukünftig noch intensiver recherchieren und kenntlich machen".

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