Fatale Wirkung: Funke Mediengruppe stellt sich öffentlich gegen Mathias Döpfner

11.02.2022
 

Die jüngsten FT-Recherchen über die Reichelt-Affäre bei Axel Springer sorgen für ein erneutes Beben in der Verlagsbranche. Dort flammt die Debatte wieder auf, ob Springer-Chef Mathias Döpfner als Verlegerpräsident noch tragbar ist. Die Funke Mediengruppe gibt darauf eine klare Antwort.

Vor der BDZV-Delegiertenversammlung am kommenden Montag, an dem die Neuausrichtung des Verbands auf der Tagesordnung steht, gibt es großen Wirbel.

Als erster Verlag stellt sich die Funke Mediengruppe ("WAZ", "Hamburger Abendblatt", "Hörzu") öffentlich gegen den BDZV-Präsidenten Mathis Döpfner. "Bereits im vergangenen Oktober haben wir festgestellt, dass wir die Äußerungen und das Verhalten von Herrn Döpfner dem Amt eines BDZV-Präsidenten für nicht angemessen halten. Die Wirkung auf Journalistinnen und Journalisten und Öffentlichkeit ist fatal", heißt es in einem Statement des Essener Unternehmens gegenüber dem Spiegel.

"Die neuesten Berichte über die Vorgänge bei Axel Springer haben uns in unserer Auffassung leider bestärkt. Eine Einordnung von Herrn Döpfner liegt uns auch vier Tage nach der Veröffentlichung des Financial Times-Artikels nicht vor. Um den Verband und die Branche, die er vertritt, zu schützen, halten wir nach wie vor eine Neuaufstellung der ehrenamtlichen Strukturen für unerlässlich", wird Funke vom Spiegel zitiert.

Im November hatte das BDZV-Präsidium schon einmal über die Personalie Döpfner diskutiert. Damals ging es um eine umstrittene Textnachricht des Axel Springer-Chefs. Letztendlich sprach sich das BDZV-Präsidium sich dafür aus, an Döpfner festzuhalten (kress.de berichtete).

Hintergrund: Wie die FT wissen will, soll Döpfner ideologische Feinde hinter dem Fall vermutet haben. Er soll von einer "Hass-Agenda" gesprochen haben. "Das hat nichts mit Sexismus zu tun. Das hat nichts mit MeToo zu tun", wird Döpfner von der britischen Zeitung zitiert. Er soll für eine Art Gegenuntersuchung auch einen Anwalt engagiert haben, den er mit Ermittlungen gegen Betroffene und angebliche Strippenzieher beauftragt haben soll, so die FT.

Axel Springer teilte mit, dass der Artikel der Financial Times "ein irreführendes Bild der Compliance-Untersuchung, der daraus gezogenen Konsequenzen, des gesamten Unternehmens und seiner Führung" zeichne.

Gegenüber der FT äußerte sich Springer, die von der FT gesendeten Fragen enthielten "falsche Tatsachen, Annahmen, Unterstellungen und Schlussfolgerungen" und fügte hinzu: "Da wir verschiedenen Geheimhaltungsverpflichtungen unterliegen, können wir nicht alle Fragen in der geforderten Ausführlichkeit beantworten." Springer sagte, es sei "falsch", zu sagen, dass das Management befürchte, die Ergebnisse der Untersuchung könnten den eigenen Jobs und dem eigenen Ruf schaden, fügte aber hinzu: "Natürlich müssen wir im Nachhinein zugeben, dass wir nicht alles richtig gemacht haben. Unser größter Fehler war, dass wir [Reichelt] zu lange vertraut haben. Wir bedauern dies zutiefst, insbesondere im Namen der Mitarbeiter, die darunter gelitten haben."

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