Dicke Luft wegen Döpfner: Verlässt Funke jetzt den BDZV?

15.02.2022
 

Vor dem Treffen des Verlegerverbands BDZV am Montag hatte es deutliche Kritik am Verbandspräsidenten Mathias Döpfner gegeben - vor allem von Seiten der Funke Mediengruppe um Verlegerin Julia Becker. Nach der Versammlung scheinen die Fronten noch verhärteter als zuvor.

Der Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) hat am Montag zwar über die Zukunft des Verbands gesprochen, aber nicht, wie es vielleicht zu erwarten gewesen wäre, über diejenige des Präsidenten Mathias Döpfner, berichtet Michael Hanfeld in der FAZ.

Der BDZV teilte nach der Sitzung der Delegierten am frühen Montagabend mit, man habe sich "mit zentralen wirtschaftlichen und medienpolitischen Fragen für die Branche befasst". In den kommenden Monaten soll beim BDZV konkret an einer Modernisierung gearbeitet werden. Hierzu soll eine Projektgruppe gebildet werden, die sich aus den Reihen der Mitgliedschaft zusammensetzt.  Erste beschlussfähige Vorlagen erwartet der Verband für seine nächste reguläre Delegiertenversammlung im September.

Die Funke Mediengruppe hatte in einem Diskussionspapier eine Strukturreform des BDZV angeregt. Sie wünscht sich eine effizientere, professionelle Struktur, eine engere Zusammenarbeit zwischen Landesverbänden und dem Bundesverband des BDZV, mit den anderen Presseverbänden, den Zeitschriftenverlegern (VDZ), dem Verband Deutscher Lokalzeitungen VDL und dem Bundesverband der Deutschen Anzeigenblätter BVDA. Am Ende des Prozesses kann sich die Funke Mediengruppe sogar eine Verschmelzung der Verbände vorstellen.

"Dass damit auch eine Veränderung an der Spitze des BDZV gemeint sei, was das Amt des ehrenamtlich tätigen Präsidenten und denjenigen betrifft, der dieses gerade ausübt, hatte die Funke Mediengruppe vor dem Treffen am Montag unmissverständlich anklingen lassen", schreibt Michael Hanfeld in der FAZ. Funke hatte das Verhalten des Springer-Vorstandsvorsitzenden und BDZV-Präsidenten Döpfner im Umgang mit der Reichelt-Affäre deutlich kritisiert (kress.de berichtete).

Zu einer dezidierten Aussprache über diese Punkte sei es am Montag aber nicht gekommen, hört Hanfeld aus Teilnehmerkreisen. Bei der Funke Mediengruppe sei das denkbar schlecht angekommen. "Sie habe, heißt es aus der Versammlung, aufscheinen lassen, dass man über den Verbleib im BDZV durchaus nachdenke", so Hanfeld, verantwortlicher FAZ-Redakteur für Feuilleton Online und Medien.

Vor der BDZV-Sitzung am Montag hatte Hanfeld in der FAZ vom Samstag prognostiziert:

"Insofern ähnelt die Lage heute derjenigen vom vergangenen November. Im BDZV gibt es Vorbehalte gegen Döpfner als Verbandschef, manche machen sie öffentlich, so wie jetzt die Funke Mediengruppe, andere verhalten sich abwartend, und nicht wenige, vor allem kleinere Verlage, fühlen sich von jemandem, der den größten Presseverlag im Land führt, besser vertreten als von jemandem aus der Reihe der Zweitgrößten. Hinzu kommt, dass sich im weiten Verlegerrund noch niemand als Herausforderer in Stellung gebracht hat. Und so könnte es sein, dass sich am kommenden Montag der Aufzug des vergangenen Jahres wiederholt."

Hintergrund: Als erster Verlag hat sich in der vergangenen Woche die Funke Mediengruppe (WAZ, Hamburger Abendblatt, Hörzu) öffentlich gegen den BDZV-Präsidenten Mathis Döpfner gestellt. "Bereits im vergangenen Oktober haben wir festgestellt, dass wir die Äußerungen und das Verhalten von Herrn Döpfner dem Amt eines BDZV-Präsidenten für nicht angemessen halten. Die Wirkung auf Journalistinnen und Journalisten und Öffentlichkeit ist fatal", hieß es in einem Statement des Essener Unternehmens gegenüber dem Spiegel.

"Die neuesten Berichte über die Vorgänge bei Axel Springer haben uns in unserer Auffassung leider bestärkt. Eine Einordnung von Herrn Döpfner liegt uns auch vier Tage nach der Veröffentlichung des Financial Times-Artikels nicht vor. Um den Verband und die Branche, die er vertritt, zu schützen, halten wir nach wie vor eine Neuaufstellung der ehrenamtlichen Strukturen für unerlässlich", wird Funke vom Spiegel zitiert.

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