Verleger-Beben: BDZV-Vizechef Düffert tritt mit sofortiger Wirkung zurück

17.02.2022
 

Thomas Düffert, stellvertretender Präsident des Bundesverbands Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV), legt sein Amt mit sofortiger Wirkung nieder. Was Düffert, Chef von Madsack, den Mitgliedern des Präsidiums jetzt schreibt - und wie er BDZV-Präsident Mathias Döpfner schon im vergangenen November angegangen ist.

"Klar ist, dass wir als Branche nur dann beste Chancen haben, uns Gehör zu verschaffen, wenn wir gemeinsam vertrauensvoll zum Nutzen aller kleinen und großen Zeitungsverlage in Deutschland zusammenarbeiten", wendet sich Thomas Düffert an die Mitglieder des BDZV-Präsidiums. Dafür stehe er selbstverständlich auch weiterhin als Mitglied des Präsidiums ein. Der Spiegel zitiert am Donnerstagabend aus dem Schreiben, in dem Düffert den folgenschweren Satz formuliert: "Mein Amt als stellvertretender Präsident des BDZV hingegen lege ich mit sofortiger Wirkung nieder."

Konkrete Gründe bennent der Vorstandsvorsitzende der Madsack Mediengruppe in seiner Ankündigung nicht, laut Spiegel dürfte der Schritt aber mit den jüngsten Enthüllungen rund um BDZV-Präsident und Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner zu tun haben. 

Die Funke Mediengruppe hatte sich im Vorfeld der BDZV-Delegiertenversammlung am vergangenen Montag öffentlich gegen den Springer-Verlagschef gestellt (kress.de berichtete). "Bereits im vergangenen Oktober haben wir festgestellt, dass wir die Äußerungen und das Verhalten von Herrn Döpfner dem Amt eines BDZV-Präsidenten für nicht angemessen halten. Die Wirkung auf Journalist*innen und Öffentlichkeit ist fatal", hieß es in einem Statement des Essener Unternehmens gegenüber dem Spiegel. "Die neuesten Berichte über die Vorgänge bei Axel Springer haben uns in unserer Auffassung leider bestärkt. Eine Einordnung von Herrn Döpfner liegt uns auch vier Tage nach der Veröffentlichung des Financial-Times-Artikels nicht vor. Um den Verband und die Branche, die er vertritt, zu schützen, halten wir nach wie vor eine Neuaufstellung der ehrenamtlichen Strukturen für unerlässlich."

Michael Hanfeld berichtete in der FAZ im Anschluss an die Delegiertenversammlung über die Funke Mediengruppe: "Sie habe, heißt es aus der Versammlung, aufscheinen lassen, dass man über den Verbleib im BDZV durchaus nachdenke".

Der nun zurückgetretene BDZV-Vize Düffert hatte bereits Döpfners umstrittene SMS im vergangenen November kritisiert: "Die aus einem privaten Umfeld heraus nun öffentlich gewordenen Aussagen von Herrn Döpfner sind für alle Journalistinnen und Journalisten der Madsack Mediengruppe und sicherlich auch darüber hinaus eine unangemessene und verfehlte Herabsetzung", sagte Düffert der Deutschen Presse-Agentur.

Update: Der BDZV hat den Rücktritt von Thomas Düffert als stellvertretender Präsident bestätigt. Er bleibe aber weiterhin Mitglied des Präsidiums.

Vom BDZV heißt es weiter zu Düffert: "Die Entscheidung, ob eine Nachfolge benannt wird, liegt gemeinsam in den Händen aller großen Verlagsgruppen, die direkt im Präsidium vertreten sind." Gemäß BDZV-Satzung können demnach bis zu vier Mitglieder als Vizepräsident oder Vizepräsidentin benannt werden.

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