Wahrheit stirbt zuerst: Wie DJV-Chef Frank Überall den Pressekodex in Krisen- und Kriegszeiten ändern will

 

Der Deutsche Journalisten-Verband regt aktuell eine Erweiterung des Pressekodex um das Thema Kriegsberichterstattung an. Der DJV-Bundesvorsitzende Frank Überall warnt vor Einseitigkeit im Umgang mit Quellen und möglichen Beeinflussungen der Leserschaft.

Aus Sicht von Deutschlands größter Journalistenorganisation sollte der Pressekodex des Deutschen Presserats Journalistinnen und Journalisten dazu verpflichten, auf unzureichende Recherchemöglichkeiten im Konfliktfall hinzuweisen.

"Wenn nur eine von zwei Konfliktparteien die Quelle von Informationen ist, müssen die Leserinnen und Leser das erfahren", sagt Frank Überall. "Im Krieg gilt: Die Wahrheit stirbt zuerst." Gerade bei bewaffneten Auseinandersetzungen sei das Informationsbedürfnis der Öffentlichkeit besonders groß. "Dieser Verantwortung müssen wir Journalistinnen und Journalisten gerecht werden."

In einem aktuellen Pressestatement von Deutschlands größter Journalistenorganisation erinnert der DJV-Vorsitzende an den Irak-Krieg, als die US-Truppen mit dem damals neuen Instrument des "embedded journalism" versucht hätten, die Berichterstattung in ihrem Sinn zu beeinflussen.

"Ob im russisch-ukrainischen Grenzgebiet oder anderswo auf der Welt: Wir dürfen uns nicht zu Propagandagehilfen einer Konfliktpartei machen lassen", sagt Frank Überall. Eine klarstellende Ergänzung des Pressekodex sei da ein wichtiges Hilfsmittel für Journalistinnen und Journalisten.

Hintergrund: Im aktuellen "Morning Briefing"-Newsletter von Gabor Steingart und dort in einem Audio-Beitrag kritisiert der Ex-Vizekanzler und frühere Außenminister Sigmar Gabriel ebenfalls die Rolle der Medien in der aktuellen Ukraine-Russland-Krise. "Ich bin manchmal entsetzt über den Schlauberger Ton in den deutschen Medien, die immer gleich die Diplomatie verurteilen", sagt er dort. "Lieber verhandle ich 100 Stunden umsonst, als dass ich eine Minute schieße."

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