Julia Becker erhöht den Druck auf Mathias Döpfner: Rücktritt als BDZV-Präsident gefordert

 

"Die Werte, die wohl jedes dem Journalismus verpflichtete Verlagshaus auszeichnen, sehen wir aktuell nicht mehr ausreichend repräsentiert", heißt es in einem Statement der Funke Mediengruppe, die von Verlegerin Julia Becker geführt wird. Sie fordert den Rücktritt von Springer-Boss Mathias Döpfner als Verlegerpräsident.

In einem Statement der Mediengruppe mit Sitz in Essen, das unter anderem der "dpa" vorlag und über das zuerst die "Süddeutsche Zeitung" berichtete, heißt es, man erwarte eine personelle Neuaufstellung an der Spitze des Bundesverbands Digitalpublisher und Zeitungsverleger.

"Zudem haben wir Sorge, dass die Glaubwürdigkeit der gesamten Branche gefährdet ist", zitiert die "SZ" weiter aus dem Schreiben, das auf Julia Becker zurückgeht.

Hintergrund ist das Verhalten von Mathias Döpfner bei der Aufarbeitung der Vorwürfe gegen den früheren "Bild"-Chefredakteur Julian Reichelt. Zuletzt hatte die "Financial Times" schwere Anschuldigung ins Spiel gebracht. Döpfner könnte hinter einem Versuch gesteckt haben, die einstigen Ermittlungen gegen Reichelt auszubremsen (kress.de berichtete).

Zudem droht Funke nun auch öffentlich mit einem Austritt aus dem Verband. Zuvor waren bereits entsprechende Drohungen bekannt geworden (kress.de berichtete). Ein Funke-Rückzug könnte den BDZV - unabhängig vom enormen Image-Problem, das die Querelen um Mathias Döpfner derzeit verursachen - auch finanziell hart treffen. Der BDVZ-Mitgliedbeitrag misst sich an der Auflagenstärke. Funke zählt zu den größten Beitragszahlen.

Außerdem wäre der Funke-Abzug vom Verlegerverband ein harter Einschnitt. "Nach meiner Erinnerung ist bisher kein Verlag, der im Präsidium vertreten war, aus dem Verband ausgetreten", zitiert die "SZ" eine BDZV-Sprecherin. Laut Funke wolle man "ein deutliches Zeichen setzen, dass sich etwas ändern muss".

Zuletzt hatte sich Thomas Düffert, Geschäftsführer von Madsach, von seinem Stellvertreterposten beim BDZV zurückgezogen (kress.de berichtete). Noch ist unklar, wer Düffert auf dem Döpfner-Stellvertreteramt nachfolgt und wann ein möglicher Kandidat dafür gewählt werden soll.

Julian Reichelt genießt derweil die Aufmerksamkeit für mögliche neue Medienprojekte, die er anstrebt. In eimem Podcast-Gespräch mit dem "Cicero"-Chefredakteur Alexander Marguier deutete er den geplanten Aufbau eines TV-Senders an.

Außerdem bemühte Reichelt einen sehr befremdlichen Vergleich mit dem einst heftig Boulevard-kritischen Bestseller von Heinrich Böll. "Das ist quasi ironischerweise 'Die verlorene Ehre der Katharina Blum' am Beispiel des "Bild"-Chefredakteurs", sagte Reichelt über sein Stellung in den Medien.

Zum scharfen Angriff auf Mathias Döpfner als umstrittener BDZV-Präsident schreibt die preisgekrönte Journalistin und Palais-F*luxx-Gründerin Silke Burmester: "Es bedarf einer Frau, um den Rücktritt von Mathias #doepfner vom @BdzvPresse zu fordern. Die Männerriege ist geeint in stiller Bewunderung und der Angst vor@axelspringer. Respekt und Dank an Julia Becker."

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