Informationskrieg: Wie Frankfurter Rundschau und Funke Mediengruppe jetzt mit Cyberattacken umgehen

28.02.2022
 

"Aufgrund der Berichterstattung über den Ukraine-Konflikt kommt es zu einer Cyberattacke auf die Frankfurter Rundschau", meldet Chefredakteur Thomas Kaspar. Auch die Funke Mediengruppe hat Internetangriffe auf ihre Webseiten registriert. Wie die Attacken aussehen und wie sich die Medienhäuser wehren.

"Mit dem gewaltsamen Eindringen der russischen Truppen über die Grenze der Ukraine wurde auch im digitalen Raum eine Grenze überschritten. Zeitgleich mit dem konventionellen Krieg wird der Informationskrieg geführt, wovon auch die FR direkt betroffen ist", schreibt Thomas Kaspar, Chefredakteur der Frankfurter Rundschau "in eigener Sache".

Seit der Verlagerung der Truppen an die Grenze der Ukraine wachse das Aufkommen an Kommentaren auf de FR-Webseite und den Auftritten in den sozialen Medien merklich. Thomas Kaspar gibt einen Einblick: "Unser Community-Team, das alle digitalen Angebote der Ippen-Gruppe, zu der auch die FR gehört, gemeinsam in einem Wartungsprogramm betreut, meldet seitdem das stets gleiche Muster. Wo immer 'Ukraine' erwähnt wird, wiederholen meist männliche Kommentatoren, dass die Ukraine 'eigenes Territorium' Russlands sei, die Nato bei der Osterweiterung 'gelogen' habe und es zu 'Folterungen' und 'Menschenrechtsverletzungen' in der Ostukraine komme." Die Texte wirkten dabei oft hölzern, manche wie schlechte Übersetzungen.

Diese Kommentare werden laut Kaspar zumeist von neu registrierten Accounts verfasst, die pro Tag 50 bis 100 Beiträge veröffentlichten. Diese Kampagnen-Konten sperre das Team schnellstmöglich und lösche die dazugehörigen Desinformations-Postings. "Etwa bei Facebook geht das mit dem von uns genutzten Programm derart, dass alle sechs Sekunden ein Kommentar gelöscht werden kann. Sollten mehr entfernt werden müssen, werden diese in einer Warteschleife im Sechssekundentakt abgearbeitet", so Kaspar.

Der Chefredakteur der FR gibt sich kämpferisch:

"Die Attacke hat nicht dazu geführt, dass wir die Kommentarfunktion einstellen. Wir werden uns nicht aus dem digitalen Raum zurückziehen. Im Gegenteil: Wir sind davon überzeugt, dass es umso wichtiger ist, journalistische Aufklärung zu betreiben und offen zu diskutieren, je stärker dies unterdrückt werden soll. Wir halten die Meinungsfreiheit für einen fundamentalen Wert der Demokratie und verteidigen das Recht, diese Meinung auch im digitalen Raum zu sagen."

Auch die Funke Mediengruppe hat Internetangriffe auf ihre Webseiten registriert. Im Live-Blog der zur Gruppe gehörenden Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ), in dem Nachrichten rund um den russischen Angriff auf die Ukraine stehen, hieß es am Freitagabend: "Die Webseiten der Tageszeitungen, Magazine und Reichweitenportale der Funke Mediengruppe werden seit dem Morgen in mehreren Wellen von sogenannten Bots angegriffen." Bei einem Bot handelt es sich um eine automatisierte Software, die Schaden anrichten soll.

Auch auf den Seiten der Marken in Sozialen Netzwerken gebe es eine erhöhte Bot-Aktivität. Leserinnen und Leser müssen sich hierauf einstellen: "Durch die Angriffe kann die Aktualisierung unserer Seiten teilweise verzögert werden." Weiter hieß es von der Funke Mediengruppe, dass man Maßnahmen zur Abwehr weiterer Angriffe eingeleitet habe.

Funke gibt regionale Tageszeitungen in mehreren Bundesländern heraus. Es sind "Berliner Morgenpost", "Bergedorfer Zeitung", "Hamburger Abendblatt", "Braunschweiger Zeitung", "HarzKurier", "Westdeutsche Allgemeine Zeitung", "Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung", "Westfalenpost", "Westfälische Rundschau", "Ostthüringer Zeitung", "Thüringer Allgemeine" und "Thüringische Landeszeitung".

Hintergrund: Es ist nicht das erste Mal, dass öffentlich bekannt wurde, dass es einen Cyberangriff auf die Funke Mediengruppe gab. Im Dezember 2020 hatte sich schon einmal eine solche Attacke ereignet - mit schweren Folgen. Zeitungen konnten zeitweise nur in Notausgaben erscheinen. Der Konzern hatte im Hause wochenlang die Folgen des Angriffs gespürt.

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Ihre Kommentare
Kopf
Ralf Ziegler

Ralf Ziegler

Apothekemed
Gesundheitsmanager

28.02.2022
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