NZZ: Döpfner schreibt den dritten Weltkrieg herbei

07.03.2022
 

In einem drastischen Kommentar hat die sonst eher für ihre Nüchternheit bekannte Neue Zürcher Zeitung auf eine Forderung von Springer-Chef Mathias Döpfner reagiert, die Nato müsse militärisch sofort in der Ukraine eingreifen.

Mathias Döpfner hat in einem in der Bild erschienenen Kommentar geschrieben:

"Wenn man ein Dilemma vereinfacht, wird es dadurch nicht falsch, sondern nur kürzer: Wenn Putin Kiew erobert, weil der Westen, also vor allem die Mitglieder der Nato, keinen militärischen Widerstand geleistet haben, ist der Westen geschwächt.

Wenn der Westen geschwächt ist, werden die Chinesen Taiwan annektieren. Wenn Taiwan ohne Widerstand übernommen ist, ist der Westen politisch am Ende.

Deshalb müssen die Nato-Mitglieder JETZT handeln. Sie müssen JETZT ihre Truppen und Waffen dahin bewegen, wo unsere Werte und unsere Zukunft NOCH verteidigt werden. Zur Not ohne Nato."

Frankreich, England, Deutschland und Amerika müssten demnach als Allianz der Freiheit Putins mörderisches Treiben mit ihren Truppen und Waffen in Kiew und mit dem modernsten Cyber-War in Moskau beenden. Döpfner sieht ein furchtbares Dilemma:  "Wenn das geschieht und nicht schnell gelingt, droht eine Eskalation bis zum 3. Weltkrieg. Wenn es nicht versucht wird, bedeutet das Kapitulation." Die Freiheit sei dann eine Phrase, das transatlantische Bündnis eine Fußnote, die Demokratie ein Auslaufmodell, schließt der Springer-Vorstandsvorsitzende seinen am Wochenende viel beachteten und viel diskutierten Kommentar.

Mit besonders drastischen Worten hat sich in die Debatte die Neue Zürcher Zeitung eingeschaltet, die sonst eher für ihre Nüchternheit bekannt ist. Oliver Maksan, Redakteur im Berliner Büro der Schweizer Zeitung, titelt: Von allen guten Geistern verlassen: Europas mächtigster Verleger schreibt den dritten Weltkrieg herbei. Maksan findet Döpfners Forderung, die Nato müsse sofort militärisch in der Ukraine eingfreifen, "Wahnsinn".

Es sei ein publizistisches Spiel nicht nur mit dem Feuer, sondern mit dem Weltenbrand. Europas mächtigster Verleger Mathias Döpfner habe den Westen vom Schreibtisch aus aufgefordert, direkt in der Ukraine einzugreifen, ist in der NZZ zu lesen. Mit dem Satz "Die Nato muss jetzt handeln" nehme Springer-Chef Döpfner sehenden Auges in letzter Konsequenz den dritten Weltkrieg in Kauf. "Im deutschsprachigen Journalismus dürfte er damit einen neuen Massstab für gutgemeinte Verantwortungslosigkeit gesetzt haben", meint Oliver Maksan.

Nach Ansicht des NZZ-Redakteur betreibt Döpfner mit seiner "hanebüchenen Forderung" letztlich das Geschäft Russlands: "Würde die Nato tatsächlich Truppen in die Ukraine entsenden, dann wäre es das größte Propaganda-Geschenk an Putin: Schaut, der Westen ist genauso aggressiv, wie ich es immer gesagt habe. Würden einzelne Mitgliedsstaaten aus dem Bündnis ausscheren, dann wäre die Nato selbst - die seit Putins Aggression nach Jahren der Selbstzweifel endlich wieder weiss, wer sie ist - erledigt. Das wäre das ultimative Geschenk an den russischen Staatschef."

Für die NZZ ist schlicht kein Szenario denkbar, in dem Russland eine solche Intervention hinnehmen würde: "Jede direkte militärische Aktion der Nato oder einzelner Mitglieder würde eine russische Reaktion auslösen. Die Welt wäre im Krieg, und dieser Krieg hätte das Potenzial, alle bisherigen Kriege in den Schatten zu stellen." In Washington und bei der Nato wisse man das - und agiere zu Recht strikt defensiv.

Fast 500 Kommentare gibt es auf den Kommentar von Oliver Maksan.

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