Julian Reichelt ist bei Cicero als Gastautor im Einsatz - Analysen über Putin und Gerhard Schröder

08.03.2022
 

Julian Reichelt ist in diesen Tagen nicht nur auf seinem Twitter-Account höchst aktiv. Für das Magazin Cicero hat der ehemalige Bild-Chefredakteur zwei Gastbeiträge verfasst. Einmal analysiert Reichelt das "KGB-Hirn Putin", in einem anderen Stück geht es um Gerhard Schröder.

Seit Mitte Januar ist bekannt, dass Julian Reichelt eine eigene Plattform plant. Der Ex-Bild-Chefredakteur hat eine "Marktlücke" im Journalismus ausgemacht: "Das grundsätzliche Phänomen, das ich sehe, ist: Die Berichterstattung in großen Teilen unserer Medien, besonders über das, was Menschen in ihrem Alltag bewegt, lässt sich nicht mehr in Einklang bringen damit, was Menschen tatsächlich erleben", erklärte Reichelt jüngst gegenüber Weltwoche-Macher Roger Köppel. Reichelt will diese Zielgruppe der Millionen "medial Obdachlosen" für sich erobern: "Darin sehe ich eine große Marktlücke. Da wird man ja verrückt, wenn man daraus kein Geschäft macht."

Bis es soweit ist, nutzt Reichelt vor allem seinen Twitter-Kanal mit 130.000 Followern, um sich in die großen Debatten einzuschalten. Vor allem seit Beginn des Ukraine-Krieges ist Reichelt, ehemaliger Kriegsreporter der Bild-Zeitung, in den sozialen Medien höchst aktiv.

Doch auch in den klassischen Medien taucht Reichelt auf. So hat er in den vergangenen Tagen für Cicero, das Magazin für politische Kultur, zwei größere Beiträge verfasst.

In einem Stück analysiert Reichelt, warum Putin uns vollkommen richtig eingeschätzt hat:

Fast überall ist zu lesen, Wladimir Putin habe sich verkalkuliert, weil er nicht mit derart massiven Sanktionen gerechnet habe, und weil der Vormarsch seiner Truppen mitunter ins Stocken gerät. Aber was, wenn das Gegenteil der Fall ist und wir schon wieder auf eines seiner Täuschungsmanöver hereinfallen?"

Reichelt geht auch auf die hiesigen Medien ein:

Wenn die deutsche Medienlandschaft auf Putins Angriffskrieg damit reagiert, John Lennons schrecklich utopische Pazifistenhymne "Imagine" zu spielen, in der es heißt "nothing to kill or die for", während wir erwarten, dass Ukrainer "für unsere Freiheit" töten und sterben, wenn deutsche Radiosender synchronisiert "Give Peace A Chance" spielen, dann hat Putin sich nicht verkalkuliert, sondern unsere wehruntaugliche, bedingungslose Friedenssehnsucht vollkommen richtig eingeschätzt. Wenn es auf Social Media nun durchgehend heißt, dies sei ausschließlich Putins Krieg und "nicht der Krieg der Russen", dann haben wir im Blick auf beides, unsere Geschichte und die Gegenwart vor unseren Augen, noch nicht begriffen, wozu nationalistische Ideologien imstande sind. Natürlich haben wir es mit einer feindlichen Macht, mit feindlichen Millionen, nicht bloß mit einem feindseligen Mann zu tun. Und natürlich residiert dieser Feind mit seinen Propaganda-Sendern, Social-Media-Armeen, Immobilien, Fußballvereinen, Bankkonten mitten unter uns. Putin lag richtig mit der Einschätzung, dass es freien, reichen westlichen Gesellschaften sehr schwer fällt, andere Feinde zu erkennen als den Klimawandel.

Nach Reichelts Ansicht ist die einzig historisch erprobte Antwort auf ein ultra-aggressives Russland ultra-aggressive Abschreckung, militärisch, wirtschaftlich und rhetorisch. Kein einziger Dollar, kein einziger Euro dürfe mehr nach Russland fließen, egal, welchen wirtschaftlichen Schaden es bei uns anrichte.

Mit Putin werde es keinen Frieden mehr in Europa geben, meint Reichelt, deswegen müsse alle Politik darauf ausgerichtet sein, sein Regime abzuschrecken, zu spalten und zu zerschlagen. "Die deutsche Gewissheit, Frieden könne es nur mit Putin geben, hat uns an den Rande des dritten Weltkriegs geführt."

In Reichelts zweiter Analyse für Cicero geht es darum, wie Gerhard Schröder und sein Kumpel Drogerie-König Dirk Rossmann in Deutschland Propaganda für Putin machten.

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