Wie Ringier-Chef Walder beim Schröder-Putin-Treffen half

11.03.2022
 

Gerhard Schröder hat sich offenbar als Vermittler im Ukraine-Krieg eingeschaltet und ist nach Moskau gereist. Ein Gespräch mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin gab es bereits. Eine entscheidende Rolle bei der Aktion hat Marc Walder, Chef des Schweizer Medienunternehmens Ringier, gespielt.

Wie dpa berichtet, gab es am Donnerstagabend ein erstes Gespräch zwischen Schröder und Putin. Inhalte wurden bisher nicht bekannt. Ob weitere Treffen geplant sind, blieb zunächst unklar. Zuvor hatten bereits das Magazin Politico und die Bild-Zeitung über den Besuch Schröders berichtet.

Laut Politico soll Schröder als Vermittler auftreten, um mit Putin über ein schnellstmögliches Ende des Kriegs in der Ukraine zu sprechen. Eine Bestätigung dafür gab es aber zunächst nicht.

Wie Politico weiter schreibt, sei die Schröder-Reise von einem Kiewer Politiker eingefädelt worden. Er soll am vergangenen Freitag den Kontakt zum Schweizer Medienhaus Ringier gesucht haben, für das Schröder als Berater arbeitete. Der ukrainische Politiker habe Ringier-Chef Marc Walder gebeten, Schröder eine Nachricht zukommen zu lassen, dass die ukrainische Regierung Schröder als Vermittler einsetzen möchte. Walder habe Schröder daraufhin informiert, dieser stimmte zu und fog vergangenen Montag mit seiner Frau nach Istanbul, so die Darstellung von Politico. In Istanbul soll der Altkanzler eine ukrainische Delegation getroffen habe. Seine anschließende Bitte bei Putin um ein Treffen soll innerhalb von zehn Minuten positiv beantwortet worden sein. Am Mittwoch seien Schröder und  seine Frau Soyeon Schröder-Kim dann mit einer russischen Maschine nach Moskau gebracht worden.

Schröder-Kim postete am Donnerstagabend in Instagram-Kanal ein Foto von sich mit gefalteten Händen und geschlossenen Augen, auf dem im Hintergrund die Basilius-Kathedrale am Roten Platz in Moskau zu sehen ist.

Die Darstellung von Politico wollte Ringier auf kress-Anfrage nicht kommentieren.

Interessant in diesem Zusammenhang: Das Schweizer Medienunternehmen Ringier war von 2006 bis 2008 mit einer Tochterfirma (Free Media Ukraine) selbst in der Ukraine aktiv.

In der vergangenen Woche hatte Ringier das Beratermandat von Altbundeskanzler Gerhard Schröder auf Eis gelegt (kress.de berichtete). "Ringier sistiert das Beratermandat mit Altbundeskanzler Gerhard Schröder per sofort und bis auf Weiteres. Dies in gegenseitigem Einvernehmen", hieß es in einer zweizeiligen Mitteilung.

Schröder war seit 2006 für Ringier tätig. Zum Unternehmen gehören die Schweizer Boulevardzeitung Blick sowie Zeitschriften, Fernsehsender und Online- und Unterhaltungsdienste. 2017 hatte ein Ringier-Sprecher Schröders Aufgabe so umrissen: Schröder berate als "erfahrener Staatsmann mit herausragenden politischen, diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen" den Verleger und die Geschäftsleitung "mit seinem umfassenden Know-how im Bereich der internationalen Geschäftsfelder".

Hintergrund: Wegen seiner Nähe zu Putin, Schröder gilt als langjähriger Freund des russischen Präsidenten, seiner Geschäftsbeziehungen zu russischen Staatskonzernen und seiner zurückhaltenden Reaktion auf den Überfall Russlands auf die Ukraine stand der frühere Bundeskanzler zuletzt immer stärker in der Kritik. Schröderr hat Posten bei den Erdgas-Pipeline-Unternehmen Nord Stream 1 und 2. Beim russischen Ölkonzern Rosneft ist er Chef des Aufsichtsrates.

Sie möchten exklusive Medienstorys, spannende Debatten und Top-Personalien lesen? Dann bestellen Sie bitte unseren kostenlosen kressexpress. Jetzt für den täglichen Newsletter anmelden.

Ihre Kommentare
Kopf
Kressköpfe dieses Artikels
  • Noch kein kresskopf?

    Logo
    Dann registrieren Sie sich kostenlos auf kress.
    Registrieren
Inhalt konnte nicht geladen werden.