Der bestbezahlte Medienmanager des Jahres

 

Ein Titel dürfte Andreas Wiele (Foto, Mitte) nicht mehr zu nehmen sein: der als bestverdienender Medienmanager des Jahres 2021. Axel Springer hat in den vergangenen Jahren sein Management mit Abstand am besten in der Medienbranche entlohnt, wie eine Auswertung von kress pro zeigt.

Auszug aus der aktuellen Titelgeschichte in kress pro, dem Magazin für Führungskräfte in Medien:

Der langjährige Springer-Vorstand Andreas Wiele, der im Mai zum Aufsichtsratschef von ProSiebenSat.1 gewählt werden soll, erhielt von Axel Springer im vergangenen Jahr eine Bonuszahlung von 16,4 Millionen Euro. Das hält der Geschäftsbericht von Axel Springer für das Jahr 2020 unter der Ziffer 11 "Aktienbasierte Vergütung" fest, der Ende des vergangenen Jahres im Bundesanzeiger veröffentlicht wurde. Für die vier Vorstände, die seit 2016 im Amt waren, findet sich im Bericht "ein Vergütungsanspruch von 88,8 Millionen Euro".

Das bedeutet: Nach der Auszahlung an Andreas Wiele, der im Jahr 2020 aus dem Vorstand ausgeschieden war und bei Finanzinvestor und Springer-Eigner KKR angeheuert hatte, teilen sich CEO Mathias Döpfner, Julian Deutz (Finanzen und Personal) und Jan Bayer (News Media) die Summe von 72,4 Millionen Euro. Unterstellt man, dass die Vorstandsmitglieder Deutz und Bayer einen ähnlichen Anspruch wie Andreas Wiele erreicht haben, errechnet sich daraus eine Summe für CEO Mathias Döpfner in Höhe von geschätzten 35 bis 40 Millionen Euro.

Bei Vorständin Stephanie Caspar (Classified Media) dagegen greift das GenderPay-Gap. Sie hat keinen Anspruch auf das Bonusprogramm, da sie erst seit 2018 im Amt ist. Für sie wurde zwar ein eigener "virtueller Aktienoptionsplan" aufgelegt, die Verbindlichkeiten aus den darin enthaltenen 225.000 Optionsrechten bilanzierte Springer aber Ende 2020 lediglich mit 1,6 Millionen Euro. 

Unabhängig davon, wie sich die Summe genau auf die Vorstandsmitglieder verteilt, ist die Dimension des aktienbasierten Vergütungsprogramms mehr als ungewöhnlich. Im Jahr 2020 erreichte Axel Springer lediglich einen Umsatz von 2,97 Milliarden Euro, die Bezahlung der Vorstände übersteigt aber die Vergütung von internationalen Großkonzernen wie Daimler (das mit einem Umsatz von 154,3 Milliarden Euro 2020 mehr als 50-mal so groß ist).

In der Medienbranche suchen derartige Beträge ohnehin ihresgleichen. Zum Vergleich: Branchenprimus Bertelsmann, der mit 17,3 Milliarden Euro (2020) immerhin fast sechsmal so viel Umsatz wie Springer erzielte, entlohnte den gesamten Vorstand mit 28 Millionen Euro. ProSiebenSat.1 (Umsatz 2020: 4 Milliarden Euro) gewährte Ex-Chef Max Conze lediglich Boni im tiefen einstelligen Millionenbereich.

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Auch abgesehen von den Bonuszahlungen des Aktienoptionsprogramms hat Axel Springer in den vergangenen Jahren sein Management mit Abstand am besten in der Medienbranche entlohnt. Zwischen 2014 und 2020 zahlte das Unternehmen (ohne Bonuszahlungen) laut Geschäftsberichten insgesamt 164 Millionen Euro (inkl. Pensionszusagen) an seine Vorstandsmitglieder. Pro Jahr erhielt der vier- bis fünfköpfige Vorstand also durchschnittlich 23,4 Millionen Euro.

Im Pandemiejahr 2020 zahlte Springer dem vierköpfigen Management 22,8 Millionen Euro, was sich aus 14,2 Millionen Euro als Festvergütung und 8,6 Millionen Euro als variablen Lohn zusammensetzt. Hinzu kommen noch Pensionszusagen.

Legt man die Durchschnittswerte von Studien der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und der Technischen Universität München zugrunde, die die Vergütung von Unternehmen an der Börse untersuchen, so errechnet sich für Vorstandschef Mathias Döpfner ein Gehalt von rund 7 Millionen Euro. Angesichts der Länge seiner Dienstzeit und der überragenden Bedeutung des Vorstandschefs Mathias Döpfner für das Unternehmen dürfte der tatsächliche Wert aber eher im zweistelligen Millionenbereich liegen.

[...] Die ungewöhnlichen Umstände, die bei Axel Springer zur Auszahlung des Bonusprogramms führten und Döpfners Rechtfertigung für die im eigenen Haus umstrittene Vorstandsvergütung, lesen Sie in der aktuellen kress pro-Ausgabe 1/2022. Jetzt kress pro bestellen.

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Bonusrunde: Den Springer-Vorstand erwarten 88,8 Millionen Euro.

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