Ex-Axel-Springer-Manager vor Gericht: Verdacht auf Millionenbetrug

16.03.2022
 
 

Gegen einen ehemaligen Manager des Medienkonzerns Axel Springer hat am Berliner Landgericht ein Prozess wegen Betrugs und Untreue in Millionenhöhe begonnen. dpa berichtet.

Dem 58-jährigen ehemaligen Manager des Medienkonzerns Axel Springer werden 293 mutmaßliche Taten zwischen 2009 und 2013 zur Last gelegt. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er gewerbsmäßig und als Mitglied einer Bande agiert habe. Mitangeklagt sind drei Männer und eine Frau. Ein Schaden von knapp 6,5 Millionen Euro sei in diesem Zeitraum entstanden. Der einstige Manager kündigte am ersten Verhandlungstag am Dienstag an, er werde sich umfassend zu den Vorwürfen äußern.

Ein mutmaßliches Betrugssystem soll laut Ermittlungen installiert worden sein, das vor allem auf Scheinrechnungen für tatsächlich nicht erbrachte Transport- und Logistikleistungen basierte. Der damalige Manager habe für deren Bezahlung gesorgt - um sich auf Kosten der Verlagsgruppe unrechtmäßig zu bereichern, heißt es in der Anklage. Der Tatplan sei maßgeblich von dem damaligen Manager "erdacht und gesteuert" worden.

Die Mitangeklagten - damalige Firmeninhaber oder Geschäftsführer externer Dienstleister - hätten einen Teil der erlangten Beträge an den 58-Jährigen direkt oder an von ihm beherrschte Gesellschaften weitergeleitet, so die Anklage. Ihnen wird zum Teil Mittäterschaft, zum Teil Beihilfe vorgeworfen.

Der Hauptangeklagte war über Jahre hinweg leitender Mitarbeiter bei der Axel Springer SE mit Sitz in Berlin. "Er nutzte seine Einblicke in den von ihm verantworteten Geschäftsbereich, seine Kenntnisse der internen Abläufe bei der Rechnungsprüfung sowie seine Position und die damit verbundene Befugnis zur Freizeichnung von Rechnungen aus", heißt es in der Anklage. So seien angebliche Leistungen wie Archiv- und Kuriertransporte, Belieferung von Briefzentren oder Sondertouren abgerechnet worden, obwohl sie nicht erbracht wurden. 

2013 war bekanntgeworden, dass der Medienkonzern Axel Springer ("Bild", "Welt") wegen Unregelmäßigkeiten bei einer Tochterfirma Strafanzeige erstattet hatte. 

Ein Unternehmenssprecher von Axel Springer teilte am Dienstag auf dpa-Anfrage mit, dass man mit den Behörden "umfassend kooperiert und den damaligen Leiter des Logistikbereichs fristlos entlassen" habe. "Dank zahlreicher von Axel Springer angestrengter Zivilverfahren konnte der wirtschaftliche Schaden inzwischen zu einem großen Teil kompensiert werden."

Die Anklage konnte am ersten Prozesstag noch nicht vollständig verlesen werden, da einer der Angeklagten nur für vier Stunden verhandlungsfähig ist. Der Prozess wird am 17. März fortgesetzt.

Quelle: dpa

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