"Die Lockdown-Macher": Presserat sieht keinen Verstoß gegen Pressekodex

 

Der Deutsche Presserat hat Beschwerden über den Artikel "Die Lockdown-Macher" bei "Bild" und "Bild.de" als unbegründet zurückgewiesen. Er verstoße nicht gegen den Pressekodex.

Der umstrittene Artikel war am 4. Dezember 2021 erschienen. "Bild" zeigte Fotos der drei Wissenschaftler Dirk Brockmann, Viola Priesemann und Michael Mayer-Hermann und widmete dem Trio die Schlagzeile "Experten-Trio schenkt uns Frust zum Fest".

Beim Presserat gingen daraufhin binnen weniger Tage 94 Beschwerden ein, auch von wissenschaftlichen Institutionen. In dem Artikel werde der falsche Eindruck erweckt, dass Wissenschaftler Corona-Maßnahmen beschließen. In Wahrheit sei aber die Politik dafür verantwortlich, so einer der Kritikpunkte. Dies schüre Verschwörungstheorien und fördere Hetze gegen Wissenschaftler. Selbst der neue "Bild"-Chef Johannes Boie bewertete den Artikel als "absolut unglücklich": "Ich würde ihn so nicht noch mal drucken", sagte er im Januar bei einem zusammen mit Wissenschaftsorganisationen initiierten Gespräch.

Die von der "Bild"-Redaktion vorgenommene Bezeichnung der drei Experten als "Lockdown-Macher" habe einen Tatsachenkern und verletze deshalb nicht die journalistische Sorgfaltspflicht nach Ziffer 2 des Pressekodex, urteilt hingegen jetzt der Beschwerdeausschuss des Presserats. Der Einfluss der Wissenschaftler auf politische Entscheidungen über Corona-Maßnahmen lasse sich belegen. Die Bezeichnung "Lockdown-Macher" sei daher eine "zulässige Zuspitzung, die pointiert und streitbar sein mag, jedoch von der Meinungsfreiheit gedeckt ist".

Die Mitglieder des Presserats kamen laut Mitteilung mehrheitlich zu dem Schluss, dass auch die Darstellung der Wissenschaftler nebeneinander im Porträt zulässig ist und nicht das Ansehen der Presse nach Ziffer 1 des Pressekodex beschädigt: "Durch ihre Auftritte in den Medien während der Corona-Pandemie haben sich die Experten selbst in die Öffentlichkeit begeben und müssen es hinnehmen, auch persönlich kritisiert zu werden."

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