Langer Abschied: Barbara Hans ist immer noch beim "Spiegel" unter Vertrag

 

In seiner "kress pro"-Kolumne "Aus unseren Kreisen" beschäftigt sich Chefredakteur Markus Wiegand mit der Frage, wie sich die ehemalige "Spiegel"-Chefin Barbara Hans und das Nachrichtenmagazin getrennt haben.

Ist Barbara Hans noch immer beim "Spiegel" unter Vertrag?

Es sieht ganz danach aus. Laut ihrem Linkedin-Profil arbeitet sie noch beim "Spiegel". Das ist ziemlich überraschend. Denn schon im Januar vergangenen Jahres sickerte durch, dass die damalige Chefredakteurin ihren Posten räumen muss, was für ziemliche Verwerfungen in Hamburg sorgte. Anschließend probte rund ein Viertel der Belegschaft (135 von mehr als 530 Mitarbeitern) den Aufstand und schrieb einen Brandbrief an Geschäftsführung und Chefredaktion. Darin erklärten sich die Kolleginnen und Kollegen mit Barbara Hans solidarisch. Sie werde mit "teils ehrabschneidenden Darstellungen überzogen", hieß es in dem Schreiben. Der Umgang mit ihr erinnere an Mobbing: "Das hat uns erschüttert, entsetzt, traurig und wütend gemacht." Die Führung wies die Vorwürfe zurück und setzte sich durch. Die energisch gestartete Revolte versandete. Ende April verkündete der "Spiegel", dass Barbara Hans den Titel verlässt.

Dem waren zähe Gespräche vorausgegangen, heißt es in Verlagskreisen. Offenbar haben die Beteiligten ausgehandelt, dass Barbara Hans trotz des damals verkündeten Abschieds bis heute beim "Spiegel" unter Vertrag steht. "Sie werden verstehen, dass ich mich zu vertraglichen Details nicht äußern will und kann", teilte Barbara Hans auf "kress pro"-Anfrage dazu mit. Ähnlich äußerte sich der "Spiegel". Was wohl nur bedeuten kann, dass das Unternehmen sie weiter bezahlt.

Sollte dem so sein, hat sich das Nachrichtenmagazin wohl trotz oder wegen der Auseinandersetzung im vergangenen Jahr ziemlich großzügig verhalten. Denn parallel tritt die ehemalige Chefredakteurin bereits als "Coach, Beraterin und Therapeutin" auf. Das Vorgehen ist doch eher ungewöhnlich. Üblicherweise einigen sich der Arbeitgeber und die geschasste Führungskraft so, dass man den Vertrag auflöst. Dafür gibt's dann eine Abfindung und die Spitzenkraft kann sich deutlich vor dem Ende der eigentlichen Vertragslaufzeit um einen neuen Job kümmern.

Wenn man natürlich weiter bezahlt wird und sich in dieser Zeit ein eigenes Geschäft aufbauen kann, klingt das deutlich attraktiver. Unter Karrieregesichtspunkten wäre es allerdings vielleicht besser gewesen, eines der Angebote des "Spiegel" außerhalb der Chefredaktion anzunehmen. Solche Optionen habe es gegeben, betonen Quellen in Hamburg. Was im vergangenen Jahr dazu beigetragen hat, die Stimmung in der Belegschaft zu beruhigen.

Der Beitrag zu Barbara Hans ist in Markus Wiegands Kolumne "Aus unseren Kreisen" in der aktuellen "kress pro"-Ausgabe 2/2022 erschienen. Der "kress pro"-Chefredakteur beschäftigt sich darin auch mit dem Stand der Beziehungen zwischen Ringier und Gerhard Schröder, dem Verhältnis von Friede Springer und CDU sowie der Vorstandsvergütung bei ProSiebenSat.1. Jetzt kress pro bestellen!

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