Lächerlich und absurd: Ronzheimer und Restle streiten wegen Äußerung zum Butscha-Massaker in der Tagesschau

04.04.2022
 

Die schrecklichen Bilder getöteter ukrainischer Zivilisten im Kiewer Vorort Butscha waren am Sonntagabend auch in der Tagesschau zu sehen. Der ARD-Reporter Georg Restle machte in seinem Bericht eine Äußerung, die bei seinen Journalisten-Kollegen Paul Ronzheimer (Bild) und Mathieu von Rohr (Spiegel) für Empörung sorgt.

Der ARD-Journalist und ehemalige Moskau-Korrespondent Georg Restle berichtete am Sonntagabend in der "Tagesschau" aus der Ukraine.

"Die furchtbaren Bilder aus der Kleinstadt Butscha haben heute in der gesamten Ukraine für grenzenloses Entsetzen und große Erschütterung gesorgt. Dazu muss man wissen, dass es noch deutlich schlimmere und grausamere Außenaufnahmen gibt, die hier im Netz kursieren und veröffentlicht wurden", sagte Restle in dem Beitrag. Weiter erklärte er:

"Für Journalisten war es heute nicht möglich, sich ein eigenes Bild von der Lage in Butscha zu machen. Alle Städte in der Umgebung von Kiew, die die russische Armee verlassen hat, wurden zur Sperrzone erklärt. Einerseits, um die Orte von Sprengfallen und Mienen zu säubern. Andererseits, um Beweise zu sichern für ein mögliches Kriegsverbrechertribunal gegenüber den Verantwortlichen dieser Gräueltaten."

Die Äußerungen Restles sorgten im Netz für Unverständnis und Unmut. Der Journalist Thore Schröder vom Spiegel, Bild-Korrespondent Paul Ronzheimer oder Frederik Pleitgen von CNN waren neben Reportern von AFP noch am Nachmittag vor Ort.

Ronzheimer kommentierte auf Twitter: "Finde super, dass die ARD endlich wieder in Kyiv ist. Aber dass @georgrestle in der @tagesschau dann live behauptet, ausländische Journalisten wären nicht nach Butscha gekommen während dort heute unzählige Reporter waren, ist dann doch einigermaßen absurd."

Georg Restle reagierte später über seinen Twitter-Account auf die Kritik:

Zur Klarstellung: "Die Orte um Kiew sind zu Sperrzonen bis zum 05.04. erklärt worden. Journalisten dürfen diese Orte bis dahin nicht betreten. Richtig ist, dass einige es offensichtlich dennoch getan haben. Hätte ich heute in der @tagesschau klarer formulieren sollen."

Ronzheimer antwortete: "Das ('getan') klingt wiederum so, als sei es fast kriminell gewesen, dort hin zu fahren und von dort zu berichten. Dabei sind mehr als ein Dutzend Reporter ganz offiziell mit Armee rein. Sperrzone?! So zu tun als sei es geschlossen hilft alleine der russischen Propaganda."

Restle konterte: "Jetzt überziehen Sie: Es gibt eine Sperrzone, auch weil die ukrainische Regierung offenbar nicht will, dass Hundertschaften von Journalisten Beweismaterial zertrampeln. Ist ja gut, dass einzelne dennoch da waren. Aber worum geht es jetzt: um Wahrhaftigkeit oder Schnelligkeit?"

Auch Mathieu von Rohr, Ressortleiter Ausland beim Spiegel, hatte sich zuvor über die Aussagen von ARD-Mann Georg Restle in der Tagesschau gewundert: "Es war den Journalisten, die dort waren, nicht verboten, dort zu sein. Es ist nicht schlimm, dass Sie nicht hingekommen sind. Aber erzählen Sie bitte nicht die Unwahrheit", so von Rohr auf Twitter.        

Bild-Chefredakteur Johannes Boie hatte getwittert: "Wäre schön, wenn Sie das korrigieren, @georgrestle @tagesschau. Diese falsche Behauptung spielt voll der russischen Propaganda in die Karten. U. a. @ronzheimer war vor Ort, wie man allen @bild Kanälen entnehmen kann. Und u.a. auch @derspiegel, soweit ich weiß."

Andere Twitter-Nutzer schrieben zu der Auseinandersetzung der Journalisten Ronzheimer und Restle:

"Jetzt sollte aber klar sein für was und gegen was es geht. Streit hilft jetzt nur Russland / Putin aus meiner Sicht."

"Georg Restle hat es klar gestellt. Damit sollte es genug sein! Ihr seid beide Journalisten!!! Also, behakt euch nicht ggstg!!! Tatsache ist, daß Kriegsverbrechen mutmaßlich vorliegen. Es ist an der Politik,weitere, (halbherzige) Entscheidungen zu treffen! Darüber sollten wir diskutieren! "

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