Der Spiegel weiß: Reichelts neue Redaktion arbeitet über einem Nachtklub - erste Mitarbeiter stehen fest

06.04.2022
 

Der Spiegel hat Details zum neuen Medienprojekt von Ex-Bild-Chef Julian Reichelt enthüllt. Dabei kommt nicht nur raus, dass Reichelts Redaktion über einem Nachtklub sitzen soll. Der Spiegel weiß auch, wie die Reichelt-Firma heißt und wer seine ersten Neuzugänge sind.

Im Oktober vergangenen Jahres hatte Axel Springer Julian Reichelt von seinen Aufgaben als "Bild"-Chefredakteur entbunden. Dem Schritt waren Recherchen vorangegangen, die auch im Spiegel erschienen. Nun befasst sich das Nachrichtenmagazin wieder intensiv mit Reichelt und macht Enthüllungen zu seinem neuem Medienprojekt. Reichelt kündigte bereits im Januar seine Rückkehr mit einer "neuen Plattform" an (kress.de berichtete mehrfach).

Laut Spiegel hat Julian Reichelt Ende März die Rome Medien GmH gegründet. Ihr Zweck gemäß dem Handelsregister: "Die Produktion, die nationale Verbreitung und Vermarktung von Medieninhalten durch diverse Verbreitungskanäle (z. B. Online, Mobile, Lineares TV)". Das Stammkapital soll 25.000 Euro betragen.

Reichelts neue Redaktion indes arbeitet nach Spiegel-Angaben von den Aqua-Höfen, einem Co-Working-Space in der Berliner Ritterstraße, aus. Der Gebäudekomplex, in dem im vergangenen Jahrhundert WC-Druckspüler hergestellt worden seien, werde heute von Start-ups, Architekten und Designern bevölkert. Direkt unter Reichelts Redaktion sei der Nachtklub Ritter Butzke, heißt es im Spiegel.

Reichelts Rome Medien soll Untermieter der CompuGroup Medical sein, einem führenden Anbieter für Gesundheitssoftware mit Sitz in Koblenz. Hinter dem Konzern steckt der Milliardär Frank Gotthardt, der auch drei Fernsehsender betreibt: DRF1, TV Mittelrhein und Westerwald-Wied TV. Bei den Sendern wisse man nichts von einer möglichen Zusammenarbeit mit Reichelt, heißt es im Spiegel-Bericht von Anton Rainer und Alexander Kühn. 

Rainer und Kühn zufolge bestreitet CompuGroup Medical, selbst mit Reichelt verbandelt zu sein. Weder sei die Firma Geldgeber der Redaktion, noch seien Reichelts Angestellte über ein Tochterunternehmen angestellt.

Mehr Klarheit gibt es bei Reichelts neuer Mannschaft: Zwei Mitarbeiterinnen kommen von außerhalb des Springer-Kosmos: Zum Beispiel Janina Lionello, ehemalige Redakteurin bei den Nürnberger Nachrichten. Ihren Wechsel zu dem "neuen Fernsehsender von Julian Reichelt" verkündete sie in einem Gastbeitrag für das Magazin Cicero, wo auch der Ex-Bild-Chef neuerdings Kolumnen über Russland und die Ukraine schreibt (kress.de berichtete).

Ute Oelker, Ex-Fotochefin der Neuen Post, arbeitet nach Spiegel-Informationen seit Kurzem ebenfalls für das Medienprojekt.

Auch die ehemaligen Bild-Redakteure Sebastian Vorbach und Willi Haentjes haben dem Bericht zufolge bei Reichelt angeheuert. 

Reichelt selbst kommt in der Spiegel-Story nicht zu Wort. Er sei am Dienstag für eine Stellungnahme nicht verfügbar gewesen. Der Spiegel zitiert deshalb "Beteiligte", laut denen man mitten in der Konzeptionsphase und noch unsicher über die Ausrichtung des neuen Medienprojekts sei. Ein tagfüllendes Programm sei für den Anfang ausgeschlossen. Denkbar sei ein Debattenformat mit fünf Personen, die verschiedene politische Blickwinkel abdeckten - ähnlich wie "Viertel nach Acht" also, die abendliche Diskussionsrunde von "Bild Live", so der Spiegel unter Verweis auf "Beteiligte".

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