Ehemaliger Springer-Manager erhebt schwere Vorwürfe gegen Springer-Vorstand

27.04.2022
 

Bei Axel Springer kehrt keine Ruhe ein. Der größte Betrugsfall in der Firmengeschichte drängt ins Blickfeld. Wie das Handelsblatt berichtet, wirft ein ehemaliger Springer-Manager dem Vorstand vor, von "schwarzen Kassen" gewusst und davon profitiert zu haben.

Gegen einen ehemaligen Manager des Medienkonzerns Axel Springer hat Mitte März am Berliner Landgericht ein Prozess wegen Betrugs und Untreue in Millionenhöhe begonnen. Dem 58-Jährigen werden 293 mutmaßliche Taten zwischen 2009 und 2013 zur Last gelegt. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er gewerbsmäßig und als Mitglied einer Bande agiert habe. Mitangeklagt sind drei Männer und eine Frau. Ein Schaden von knapp 6,5 Millionen Euro sei in diesem Zeitraum entstanden. Der einstige Manager hat sich nun, wie angekündigt, vor Gericht zu den Vorwürfen geäußert.

Im Rahmen eines weitgehenden Schuldeingeständnisses habe der angeklagte, ehemalige Logistikchef von Axel Springer am Dienstag seinem einstigen Chef, dem langjährigen Springer-Vorstand und späteren Aufsichtsrat Rudolf Knepper, vorgeworfen, von "schwarzen Kassen" in der Logistikabteilung gewusst und von ihnen profitiert zu haben, berichtet Philipp Alvares de Souza Soares im Handelsblatt.

Auch Springer-Chef Mathias Döpfner und andere Führungskräfte hätten demnach Vorteile aus einem von dem damaligen Manger orchestrierten Scheinrechnungssystem gezogen, heißt es im Handelsblatt. So sollen laut Aussage des angeklagten Springer-Managers darüber etwa "tägliche" Liefertouren mit frischen Zeitungen aus Deutschland zu einem Ferienhaus Döpfners bei Marseille finanziert worden sein. Außerdem soll es um Karten für die Fußball-WM 2006 für Vorstände oder den Transport von exklusiven Oldtimern gegeangen sein. Der Ex-Springer-Manager behauptet dem Handelsblatt zufolge, die schwarzen Kassen als Führungskraft in Springers Logistik bereits 2003 vorgefunden und lediglich weiterentwickelt zu haben. Konkrete Belege habe er am Dienstag aber bei seiner ersten Einlassung vor dem Berliner Landgericht nicht vorgelegt.

Knepper, Döpfner und Springer hatten die Vorwürfe in der Vergangenheit vehement bestritten. Ein Springer-Sprecher teilte nun gegenüber dem Handelsbatt mit, dass der Medienkonzern und seine Führung grundsätzlich bei den bisherigen Statements blieben. Die aktuellen Aussagen des angeklagten, ehemaligen Springer-Managers vor Gericht seien "in weiten Teilen" Schutzbehauptungen und unzutreffend. Döpfner habe sich zwar grundsätzlich ,"durch das Unternehmen" Zeitungen in den Urlaub liefern lassen, aber nie ein Privathaus bei Marseille besessen. Knepper, mittlerweile im Ruhestand, möchte sich derzeit nicht äußern, heißt es im Handelsblatt.

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