Kurzer Moment des Größenwahns: Kai Diekmanns Zukunftsfonds ist (noch) ein Ladenhüter

28.04.2022
 

Ex-Bild-Chef Kai Diekmann und Finanzprofi Lenny Fischer haben sich vor viereinhalb Jahren zusammengetan und den "Zukunftsfonds" gestartet. 20 Mrd Euro wollten sie von Anlegern einsammeln. Wie das Handelsblatt berichtet, haben die bekannten Namen (noch) nicht gezogen.

Die Fondsinitiatoren Kai Diekmann und Leonhard ("Lenny") Fischer sollten der Magnet sein, um das 20-Milliarden-Euro-Ziel zu erreichen. Doch die Wette auf die Zukunft sei nicht aufgegangen, der Start des Mischfonds sei holprig verlaufen, berichtet Ingo Narat im Handelsblatt.

Mit Blick auf die immensen Erwartungen sagt Fischer heute rückblickend dem Handelsblatt: "Das war unser kurzer Moment des Größenwahns." Aktuell liege das Fondsvolumen bei 27 Millionen Euro.

Doch die jüngsten Erträge des "Zukunftsfonds" machen Kai Diekmann, Ex-Bild-Chef und Co-Gründer von Storymachine, und Lenny Fischer, einst jüngster Vorstand der Dresdner Bank, Hoffnung: "Wir haben gut auf das Geld der Anleger aufgepasst, jetzt schon in der zweiten Krise nach dem Pandemie-Börsencrash vor zwei Jahren richtig gut abgeschnitten", betont Diekmann gegenüber dem Handelsblatt.

"Der Zukunftsfonds" schaffte demnach im ersten Quartal 2022 einen Ertrag von drei Prozent. Nur sechs von über 400 konkurrierenden Strategien schnitten nach Recherchen des Handelsblatts besser ab. Die meisten hätten wegen der fallenden Kurse sowohl bei Aktien als auch bei Anleihen Verluste einstecken müssen, schreibt Handelsblatt-Redakteur Ingo Narrat. Eine rasant steigende Inflation, die anziehenden Zinsen und der Ukrainekrieg hätten ihren Tribut gefordert. "Der Zukunftsfonds ist in den beiden letzten Krisen sehr robust gewesen", wird Michael Wimmer, Analyst bei der Researchfirma Fonds Consult, in dem Beitrag lobend zitiert.

Lenny Fischer ist dementsprechend zufrieden mit den Ergebnissen: "Seit Auflage haben wir im Schnitt jährlich sechs Prozent erzielt, weil wir in den Krisen nichts verloren haben", sagt der Finanprofi dem Handelsblatt. Die Zielrendite liege bei zwei bis vier Prozent pro Jahr, bei möglichst geringen Wertschwankungen - das sei die Komfortzone eines Sparers, so Fischer.

Hintergrund: "Der Zukunftsfonds" von Kai Diekmann und Lenny Fischer hat eine ungewöhnliche Struktur. Er investiert in Rohstoffe, Gold, Holz, erneuerbare Energien, meist über Aktien, nutzt außerdem Kryptowährungen. Bei Anleihen meide man längere Laufzeiten ebenso wie Kreditrisiken, setze darüber hinaus wegen der erwarteten höheren Geldentwertung auf inflationsgebundene Bonds, erklärt Fischer im Handelsblatt. "Wir hatten im Schnitt nie mehr als ein Viertel des Geldes in Aktien, außerdem steckt momentan über ein Viertel des Kapitals in Kasse."

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