Verlagschef Christian Wegner: Süddeutsche Zeitung hat sich erstmals nur aus Abos finanziert - 40 offene Stellen

05.05.2022
 

Die Süddeutsche Zeitung hat sich im vergangenen Jahr allein durch ihre Abo-Erlöse komplett finanzieren können und damit unabhängiger vom schwankenden Werbemarkt gemacht. Dies sagt der Chef des Süddeutschen Verlags, Christian Wegner, im dpa-Interview. Wegner will investieren und 40 offene Stellen besetzen.

Verlagschef Christian Wegner spricht gegenüber dpa von drei strategischen Zielen: "Erstens wollen wir komplett durch den Lesermarkt finanziert sein. Das heißt, die Abo-Erlöse finanzieren den Verlag und die Redaktion, damit wir unabhängiger vom schwankenden Werbemarkt sind." Das Ziel habe man 2021 zum ersten Mal erreicht. Erstmals finanzierten alle Abo-Erlöse den gesamten Süddeutschen Verlag. "Ich kenne nicht viele Verlage, die sich so finanzieren können", betont Wegner im Interview mit Sven Gösmann und Anna Ringle. "Unser Fokus liegt auf den Abo-Erlösen – und ich unterscheide hier nicht zwischen Print und Digital. Ehrlicherweise ist mir ein Abo für Gedrucktes sogar lieber, weil es noch etwas teurer ist und meist länger hält als ein Digital-Abo", sagt Wegner.

Die anderen Ziele: "Bis 2030 wollen wir uns komplett digital finanzieren. Alle Digital-Umsätze aus Abo und Werbung sollen so hoch sein, dass wir damit den gesamten Verlag finanzieren können. So wären wir unabhängig vom strukturell rückläufigen Trend der gedruckten Presse. Und drittens: Wir haben eine zweistellige Renditeerwartung."

Wegner, der auch Chef der Südwestdeutschen Medienholding (SWMH), gab im dpa-Interview auch Einblick in die Abozahlen: "Corona hat uns einen Wachstumsschub bei den digitalen Abos gegeben. Wir haben jetzt insgesamt circa 420 000 Abos. Davon sind mehr als 220 000 bezahlte Digital-Abos – wir sind hier rund 30 Prozent in den vergangenen 12 Monaten gewachsen. Noch nie hatte die SZ mehr zahlende Leserinnen und Leser als heute." Die Mehrheit der neuen Kundinnen und Kunden komme aus München und Bayern, zunehmend wachse man auch außerhalb Bayerns – etwa in Studentenstädten.

Beim Süddeutschen Verlag gab es zuletzt auch Kostensenkungen durch ein Freiwilligenprogramm und Stellenabbau: "Bis Ende 2021 mussten wir rund 50 Stellen in der Redaktion und auch zweistellig in anderen Verlagsbereichen abbauen. Insgesamt arbeiten derzeit im Süddeutschen Verlag etwa 1200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter", so Wegner, der zugleich ankündigt: "Heute wollen wir wieder wachsen. Und wir wollen investieren, um das Wachstum zu beschleunigen."

So soll zum Beispiel in Technologie investiert werden, um noch Abos zu generieren. "Wir haben allein jetzt rund 40 offene Stellen. Das sind neue Stellen, teilweise sind sie auch durch Fluktuation entstanden. Wir suchen viel im digitalen Bereich, im Datenbereich, aber auch im Online-Marketing", sagt Wegner.

Sven Gösmann und Anna Ringle von dpa sprechen den SV-Chef auch auf die nahmhaften Abgänge in der Redaktion an, zuletzt im investigativen Bereich: Die Qualität in der Redaktion sei sehr hoch, sie werde das auch bleiben, hebt Wegner hervor. Es gebe keine strukturelles Problem.

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