Der Spiegel fragt: Hat Döpfner in seiner Doktorarbeit abgeschrieben?

06.05.2022
 

Der Spiegel hat am Freitagvormittag eine pikante Meldung veröffentlicht: Demnach haben Plagiatssucher "knapp 30 verdächtige Passagen" in der Dissertation von Mathias Döpfner aufgespürt.

"Zwei professionell arbeitende Plagiatsprüfer werfen Döpfner jetzt vor, in der Doktorarbeit abgeschrieben und bei den Literaturangaben gegen wissenschaftliche Standards verstoßen zu haben", berichtet Armin Himmelrath, Ressortleiter Bildung, im Spiegel.

Himmelrath zitiert einen der "Plagiatsjäger", Martin Heidingsfelder. Dieser will bereits vor einiger Zeit entdeckt haben, dass sich Döpfner "nicht an die allgemein bekannten Zitierregeln bei seiner Dissertation gehalten hat". Döpfner habe sich auf Spiegel-Anfrage nicht im Detail äußern wollen.

Der Titel von Döpfners 334 Seiten starken Dissertation aus dem Jahr 1990 lautet: "Musikkritik in Deutschland nach 1945. Inhaltliche und formale Tendenzen. Eine kritische Analyse". Döpfners Journalistenlaufbahn begann 1982 als Musikkritiker des Feuilletons der FAZ. Heute ist er Vorstandsvorsitzender von Axel Springer und zudem Präsident des Bundesverbands Digitalpublisher und Zeitungsverleger.

"Knapp 30 verdächtige Passagen" haben die Plagiatsprüfer laut Spiegel zusammengetragen. Anfang Februar 2022 soll Heidingsfelder deshalb die Goethe-Universität Frankfurt am Main angeschrieben und eine formelle Untersuchung gefordert haben: "Die Literaturangaben sind dürftig, die Quellen der Informationen unklar, die genutzten Sekundärquellen für die Informationen häufig nicht ausreichend genannt", wird Heidingsfelder vom Spiegel zitiert.

Auch der österreichische Plagiatssucher Stefan Weber kommt im Spiegel zu Wort. Weber soll herausgefunden haben, dass sich Döpfner in seiner Doktorarbeit ausgiebig bei Helmut Andres "bedient" - "manchmal wörtlich manchmal sinngemäß, manchmal bei Struktur und Aufbau". Der Spiegel findet es besonders pikant, dass Döpfner Gedanken von einem "Wissenschaftler mit NS-Gesinnung" übernommen haben soll. Gleichzeitig weist der Spiegel daraufhin, dass sich Döpfner in seiner Arbeit deutlich von Andres distanziert hatte: "In der 'oberflächlich gearbeiteten Untersuchung' mache sich der Autor zu einem 'Sprachrohr unverhohlen faschistischer Kultur-Ideologie'", heißt es im Spiegel.

Die Frankfurter Universität hat inzwischen eine Prüfkommission eingesetzt: Von der Hochschule heißt es: "An die Goethe-Universität wurde ein Sachverhalt herangetragen, in dem es um den Vorwurf wissenschaftlichen Fehlverhaltens im Zusammenhang mit der Dissertation 'Musikkritik in Deutschland nach 1945: Inhaltliche und formale Tendenzen – eine kritische Analyse' von Herrn Dr. Mathias Döpfner geht." Man habe den Sachverhalt zur Prüfung an eine Kommission der Uni abgegeben.

"Viel dürfte davon abhängen, ob bei der Untersuchung weitere Auffälligkeiten entdeckt werden", schreibt Spiegel-Autor Armin Himmelrath. "Das Prüfungsverfahren dauert derzeit noch an", erklärte ein Uni-Sprecher auf Spiegel-Anfrage. Zur voraussichtlichen Dauer könne er keine Angaben machen.

Von Springer heißt es dazu im Spiegel: "Mathias Döpfner ist über den Vorgang informiert. Er hat volles Vertrauen in die Arbeit der Kommission der Universität Frankfurt."

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