Wie Selbstplanungs-Tools die Vermarktung beflügeln

 

Google und Facebook haben die Werbebuchung mit ihren Selfservice-Plattformen salonfähig gemacht. Publisher, Vermarkter und Spezialanbieter eifern ihnen nach. Sie wollen jetzt Kunden mit eigenen Tools gewinnen. Wie das funktioniert, zeigt kress pro in seiner aktuellen Ausgabe.

Die Münchner Agentur Crossvertise will mit der von ihr entwickelten Selbstbuchungsplattform ein großes Rad drehen. Sie bietet Nachfragern dort die Möglichkeit, ihre Werbung für verschiedene Kanäle, seien es Out of Home, TV, Radio, Online oder Print, zu planen und zu buchen. Die meisten Schaltpreise sind ohne Registrierung auf der Plattform einsehbar.

Dabei können sie die Werbeträger auch untereinander vergleichen und erhalten nach der Registrierung weitere Informationen über den jeweiligen Werbeträger, die sie nach den Worten von Crossvertise-Geschäftsführer Maximilian Balbach vollständig dazu bemächtigen, den ausgewählten Werbeträger zu buchen.

Das ist aber nichts für Media-Laien, sondern eher für Profis, wie das Beispiel Out of Home (OoH) zeigt: Will ein Kunde im öffentlichen Raum mit seiner Werbung präsent sein, sucht er via Crossvertise selbst über eine Karte auf der Crossvertise-Site nach den gewünschten Plakatstationen. Im zweiten Schritt wählt er die Plakatflächen aus, prüft, ob sie für den gewünschten Zeitraum verfügbar sind, und fügt sie dem Warenkorb hinzu.

Im dritten Schritt kann er dann über die Plattform von Crossvertise buchen und gelangt zum Check-Out. Wenn die Buchung abgeschlossen ist, informiert Crossvertise den Kunden per Mail über die weiteren Schritte, zum Beispiel den Druckunterlagenschluss oder die Erinnerung an den Motiv-Upload.

Balbach vergleicht die Selbstbuchungs-Leistungen von Crossvertise mit der einer Reiseplanung, bei der ein Urlauber nicht jedes Angebot eines Reiseveranstalters einzeln erfragen muss, sondern mehrere auf einer Plattform miteinander vergleichen kann, um dann eigenständig die für ihn passende zu buchen. Dabei haben die Wahl zwischen Standardprodukten und crossmedialen Kontaktpaketen, die sich für lokal oder regional ausgesteuerte Kampagnen eignen.

"Durch leicht zugängliches Werbewissen und unsere inhouse entwickelten Tools bauen sich Werbetreibende das nötige Knowhow auf, um Plakate, Radiowerbung, Online Audio und Co. genauso eigenständig zu buchen wie die jährliche Reise, auch ohne Agentur", bekräftigt Balbach.

Doch ganz allein sind die Kunden dabei häufig nicht. Vielmehr will sich Balbachs Team auch während der Kampagne und nach deren Abschluss begleiten. Die Hilfe geht noch weiter, denn streng genommen flankiert Crossvertise seinen Selbstbuchungsansatz an vielen Stellen mit Hilfsangeboten seines Mediaexperten-Team - auch weil es teilweise gar nicht anders geht. "Aktuell sind noch nicht alle Medien direkt buchbar oder aufgrund bestehender Prozesse noch zu komplex für eine Selbstbuchung", räumt Balbach ein.

Das liegt häufig an der technischen Infrastruktur bei den Vermarktern, die solche Direktschaltungen (noch) nicht möglich machen. Jahresplanungen kriegen viele Kunden ebenfalls nicht ohne Unterstützung hin, vor allem nicht, wenn sie viel TV belegen. "Die Fernsehwerbung ist von vielen Faktoren abhängig, wie der Preisgestaltung, der Veränderung der Zuschauerströme sowie einer hohen Programmvolatilität", betont Balbach.

Wenn sich einzelne Werbekanäle nicht eigenständig buchen lassen, kann das aber auch mit einem Spezifikum zusammenhängen, dass ihnen monetäre Vorteile sichern soll. "Durch langjährige Beziehungen können wir Rabatte und Sonderkonditionen bei unseren Partnern aushandeln, zu denen einzelne Werbetreibende so keinen Zugang hätten", erklärt Balbach. Im Einzelfall bedeutet das aber auch, dass Crossvertise bei einigen Gattungen nicht nach Preisliste und offizieller Rabattstaffel buchen kann, sondern erst anfragen muss, um für seine Kunden bessere Konditionen herauszuholen.

"Wir agieren Vermarkter-unabhängig, gehen also für jeden Kunden neu in die Preisverhandlungen", betont Balbach. Zudem gibt sein Haus alle Rabatte an die Kunden weiter, sagt er. Crossvertise verlangt von seinen Kunden keine Gebühr, sondern finanziert sich über die 15-prozentige AE-Provision, wie sie Vermarkter den Mediaagenturen gewähren. Lediglich bei kleinen Aufträgen unter 1000 Euro verlangt das Unternehmen eine Aufwandsgebühr von 69 Euro.

Laut Balbach nehmen die Kunden auf seiner Plattform rund zwei Drittel aller Buchungen selbst vor. "Bei großen Budgets erfolgt jedoch meist noch eine persönliche Beratung im Vorfeld." Am höchsten ist der Automatisierungsgrad bei OoH-Belegungen, der Werbeträger erfreut sich auch der höchsten Nachfrage. Zwischen Anfang März 2021 und Ende März dieses Jahres bezog sich jede zweite Anfrage auf Außenwerbung, Online folgte auf Rang zwei. Bei den realisierten Buchungen lag der OoH-Anteil sogar bei über 75 Prozent.

Auch Peggy Umstaetter, Leiterin Marketing bei den Docemus Privatschulen, bucht Außenwerbung beim Münchner Media-Dienstleister - mit positiven Erfahrungen: "Crossvertise bietet mir eine Plattform, auf der ich zu jeder Zeit unabhängig und selbstständig agieren kann." Dabei schätzt sie nach eigenen Angaben den überzeugenden crossmedialen Ansatz mit seinem eichfachen und durchdachten Handling. "Der persönliche Support läuft unkompliziert, freundlich und schnell", lobt die Marketing-Frau, die auch mit dem Preis-Leistungsverhältnis von Crossvertise "sehr zufrieden" ist.


[...] Der Text führt einen Case-Artikel von Guido Schneider über Selbstvermarktungs-Tools in kress-pro-Ausgabe 3/2022 fort. Darin geht es auch um konkrete Beispiele, wie Medienhäuser wie die RMS oder die Hamburger Morgenpost damit arbeiten. Neugierig geworden.
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