Exklusiv: Auch Hannes Munzinger verlässt die SZ - der Top-Investigative arbeitet künftig für den Spiegel

 

Schmerzhafter Abgang: Auch Hannes Munzinger verlässt die "Süddeutsche Zeitung". Der preisgekrönte Investigativ-Journalist schließt sich alten Bekannten an. Mehr zu der Top-Personalie.

Die "Süddeutsche Zeitung" verliert mit Hannes Munzinger ein weiteres, hochdekoriertes Mitglied seines Investigativ-Teams. Der 33-jährige verlässt, wie zu hören ist, Mitte Juli das Blatt, bei dem er 2015 mit dem Schwerpunkt auf Datenjournalismus volontierte und wo er gleich im Anschluss als Redakteur im Daten- und Investigativteam arbeitete. Zudem setzte ihn die SZ auch als klassischen Reporter und Rechercheur ein.

Dass der gebürtige Ravensburger zu Papertrail Media geht, der Firma der beiden Top-Investigativ-Journalisten Bastian Obermayer und Frederik Obermaier, verwundert in Branchenkreisen nicht. Munzinger war als Datenexperte bei fast sämtlichen internationalen Leak-Geschichten von den Panama-, über Paradise-Papers bis zu den Swiss Secrets als Datenexperte quasi der wichtigste Mitarbeiter der Pulitzer-Preisträger Obermayer&Obermaier. Das Duo hatte die SZ am 1. April nach zehn gemeinsamen, erfolgreichen Jahren das Investigativ-Team verlassen und sich selbstständig gemacht und publizieren nun im exklusiv im Spiegel (kress.de berichtete). An diesen Geschichten wird künftig auch Hannes Munzinger mitwirken.

Die SZ hatte zuletzt eine ganze Reihe weiterer prominenter Abgänge zu verzeichnen, so wechselte auch der China-Korrespondent Christoph Giesen wie auch die Frankreich-Korrespondentin Nadia Pantel zum Spiegel. Die stellvertretende Leiterin des Berliner Büros, Cerstin Gammelin, wurde Sprecherin des Bundespräsidenten Walter Steinmeier. Zuletzt war der Wechsel des Leiters des Berliner Büros, Nico Fried, zum "Stern" bekannt geworden. 

Auf Twitter verkündet Munzinger selbst seinen Wechsel: 

"Heute war mein letzter Tag bei der @SZ. Ab Sommer führe ich meine Arbeit mit @b_obermayer & @f_obermayer bei @paper_trail_m fort und freue mich auf alles Neue und die Kolleg*innen bei @derspiegel."

Bastian Obermayers Kommentar dazu: "Wir freuen uns brutal!" Weiter schreibt Obermayer auf seiner Twitter-Seite:

"Es ist kein Geheimnis, dass Hannes einer der talentiertesten Investigativ-Journalisten dieser Republik ist. Er hat an etlichen @icijorg @occrp @fbdnstories-Recherchen wie den #SuisseSecrets, #ParadisePapers, #PandoraPapers, #DaphneProject und dem #PegasusProject gearbeitet. Wir freuen uns nicht nur, weil Hannes ein exzellenter Reporter, Organisator, Tech-Afficionado, Coder, Rechercheur, Schreiber, Mitdenker und Vorausgänger ist - sondern weil auch noch unkompliziert und motiviert. Kurzum: Es macht großen Spaß, mit ihm zu arbeiten. Zurecht hat Hannes inzwischen so gut wie alle verfügbaren Preise gewonnen, teils mehrmals [...]."

Zur Person: Munzinger machte sein Abitur in Ravensburg und studierte Politische Ökonomik in Heidelberg, sowie Journalistik und New Media Journalism in Leipzig. Er gewann unter anderem dreimal den Reporterpreis als Teil der Teams, das die Panama-Papers aufdeckte (2016) und mit Kolleginnen für die Recherche "Die digitale Infektion" über Coronaleugner auf Telegram  (2020), und  als Teil des Teams des "Pegasus Projekt" (2021) zusammen mit der Zeit.

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