Was Familienabos den Zeitungen bringen

 

Auch im deutschsprachigen Raum beginnen Medienhäuser, Digitalabos einzuführen, die für mehrere Nutzer bestimmt sind. Welchen Weg FAZ, Tamedia aus der Schweiz und NOZ eingeschlagen und welche Erfahrungen sie bei ihren ersten Schritten gemacht haben. Zum kress-pro-Case.

Auszug aus dem aktuellen kress pro, Magazin für Führungskräfte in Medien:

Ein Digitalabo, mehrere Nutzer: Das ist eine Konstellation, die immer mehr Zeitungshäuser nicht nur zulassen, sondern ihren Lesern durch passend gepackte Abopakete offensiv anbieten. Ausländische Titel wie "Bergens Tidende" des norwegischen Schibsted-Verlags oder die "Gazeta Wyborcza" aus Polen sind Vorreiter, aber seit Mitte vergangenen Jahres haben auch einzelne Verlage aus dem deutschsprachigen Raum wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ), die Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ) und Tamedia aus der Schweiz (TX Group) sogenannte Familien- und/oder Business-Abos im Portfolio. Für einen Aufpreis gegenüber dem Standard-Abo dürfen diese Accounts ganz offiziell von mehreren Familienmitgliedern oder Mitarbeitern eines Unternehmens genutzt werden.

Der Grund dafür ist nicht in erster Linie die Hoffnung auf neue, zusätzliche Abonnenten. Mit den Abos für mehrere Nutzer wollen die Verlage vielmehr vor allem bestehende Kunden enger an sich binden und sie dazu animieren, auf ein teureres Abo umzusteigen. Das ist vor allem für diejenigen Häuser interessant, die wissen, dass viele ihrer Abonnenten die Zugangsdaten für ihre Accounts mit anderen teilen. Die Zahl zusätzlich akquirierter Abos für mehrere Nutzer ist hingegen überall noch recht gering. Für Neukunden ist dieses Produktmerkmal offenbar derzeit noch zweitrangig.

Die FAZ hat seit Ende Oktober 2021 die Abo-Angebote F+ Family und F+ Business im Angebot. Während das reguläre F+-Monatsabo nur ein Nutzerkonto umfasst und zwei gleichzeitige Sitzungen pro Nutzer erlaubt, können Abonnenten des F+Family-Abos bis zu vier Konten einrichten. Und jedem Familienmitglied sind maximal fünf Sitzungen gleichzeitig erlaubt. Das Familienabo kostet pro Woche 2 Euro bzw. knapp 70 Prozent mehr als das reguläre F+-Abo. Das Firmenabo F+ Business lässt zwischen fünf und 100 Konten zu. Bis zu seiner Einführung im Herbst konnten Geschäftskunden nur die digitale FAZ abonnieren, also ein Kombipaket aus dem digitalen Abbild der Zeitung sowie dem unbeschränkten Zugang zu ihrer Website und ihrer App. In allen Varianten des F+-Abos ist das E-Paper hingegen nicht enthalten.

"Für uns stehen die Aspekte Haltbarkeit und Upselling im Vordergrund", sagt Stefan Buhr, der Gesamtleiter Lesermarkt und Vertrieb der FAZ. "Wer ein Abo bezahlt, das auch der Schwiegervater nutzt, tut sich schwerer, dieses zu kündigen." Außerdem sei es notwendig, die Nutzungsmöglichkeiten eines Abos klar zu regeln, argumentiert er: "Zum einen stellen mehrere Nutzeraccounts einen Wert dar, der monetarisiert werden sollte, zum anderen sehen wir eine Mehrfachnutzung von Abos, die den Aufwand für technische Anpassungen und Vermarktung rechtfertigt." Bei der FAZ geht man davon aus, dass derzeit rund 40 Prozent der F+-Abos von mehreren Personen genutzt werden. Die Begrenzung der Zahl der Nutzer eines Abos bzw. der gleichzeitigen Nutzung eines Accounts ist für Verlage ein heikles Thema, weil sie ihre User nicht vor den Kopf stoßen wollen. [...]

[...] Lesen Sie den kompletten Text mit dem FAZ-Weg und weiteren Erfahrungen von Tamedia und und NOZ in kress pro. Jetzt kress pro bestellen.

 

Die Titelthemen in der aktuellen kress pro, dem Magazin für Führungskräfte in Medien:

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