Thomas Knüwers Wutrede gegen RND-Journalist Imre Grimm und die Regionalzeitungen

30.05.2022
 

Imre Grimm, Ressortleiter Gesellschaft bei Madsacks RND, hat eine satirische Kolumne über die Trennung des "Influencer-Traumpaares" Bibi und Julian Claaßen geschrieben. Digitalberater Thomas Knüwer findet das Stück "widerlich": Sein Zorn gilt nicht nur Autor Grimm sondern auch den Regionalzeitungen.

"Warum bekommen InfluencerInnen so viel Hass ab? Ich habe da eine These und sie hat mit @RND_de und @ImreGrimm zu tun...", kündigt Thomas Knüwer einen Beitrag auf Indiskretion Ehrensache an, der es in sich hat.

"Es ist ein ekliger Text. Weil er Menschen, die nichts Böses getan haben, herabwürdigt, beleidigt, beschimpft", schreibt Knüwer, der 2009 die digitale Strategieberatung kpunktnull gründete und zuvor als Redakteur, Reporter und Ressortleiter für das Handelsblatt tätig war.

Mit dem "ekligen Text" ist Imre Grimms aktuelle Kolumne über die Trennung des Influencer-Traummpaares Bibi und Julian Claaßen gemeint, deren Videos auf YouTube insgesamt die Milliarden-Klick-Grenze locker überschreiten.

Grimm teast sie so auf Twitter an:

"Man ist übrigens kein besserer Mensch, wenn man #BibiundJulian nicht kennt. Deshalb hab ich den Sachstand mal für euch zusammengefasst, damit es nicht nur Promiflash24 tut."

Unter der verlinkten Kolumne heißt es zur Einordnung: "In seiner Kolumne 'Über Leben in Deutschland' wirft Imre Grimm einen satirischen Blick auf den deutschen Alltag - dazu gehören persönliche Erlebnisse, aber auch Kuriositäten aus Politik, Gesellschaft und Kultur."

Thomas Knüwer kennt diese Zeilen, aber er kann über Grimms Geschichte nicht lachen ("je länger man dieses Stück RND-Dreck konsumiert, desto weniger Lust hat man auf Humor"). Besonders "widerlich" findet Knüwer folgende Beschreibung der Influencer Bibi und Julian Claaßen.

"Beide sind gewiss nicht die hellsten Kerzen auf der Torte, haben aber zwei gemeinsame Kinder namens Lio (3) und Emily (2) zustande gebracht, für deren Wohlergehen wir alle beten sollten."

Knüwer erwidert: "Ich paraphrasiere mal: Dumme Menschen sollten keine Kinder haben oder sie sind so dumm, dass sie der Kopulation nicht mächtig sind. Und Kinder aus den Haushalten Unstudierter, aus denen wird sowieso nichts. Aber keine Sorge, das ist nicht das Ende der Beleidigungen." Knüwer zitiert weitere Stellen aus dem Grimm-Text:

"Die Bibi Claßen, geborene Heinicke, kommt aus Köln, ist ­höchstens 1,55 Meter groß und hat ihr Studium der Sozialwissenschaften des Erfolgs wegen geschmissen."

"Zu Zwecken der besseren Auffind- und Sichtbarkeit ließ sie sich die Brüste vergrößern."

Für Knüwer ist Grimm kein Einzelfall: "Wie Medien, egal ob Print, Online, Radio oder TV, Influencerinnen und Influencer beschreiben, überschreitet häufig die Grenze des Erträglichen. Was glauben die Autorinnen und Autoren solcher Stücke zu erreichen? Dass eine jüngere Generation sich von InfluencerInnen ab- und sich ihnen zuwendet? Ist es nicht viel wahrscheinlicher, dass das Gegenteil passiert, weil eine Beschimpfung junger Prominenter gleichzeitig eine Beschimpfung von deren Publikum darstellt? Und kann es nicht sein, dass Menschen, die Bibi einfach für eine gute Schminkratgeberin halten bei der Lektüre dieses Textes denken: 'Fick dich, RND. Ich weiß, was gut ist und Du lebst in einer Welt der alten Idioten, wegen denen wir eine Scheiß-Zukunft haben!'?"

Knüwers Kritik zielt auch auf Imre Grimms Arbeitgeber, das RedaktionsNetzwerk Deutschland ab, das zur Madsack Mediengruppe gehört: Die Zeit, da Journalisten mit Quellenangaben und nachprüfbaren Informationen arbeiteten sei beim RND endgültig überwurden.

Knüwer schreibt weiter, er sei frustriert von deutschen Regionalzeitugen, weil sie statt Journalismus Texte wie den von Grimm veröffentlichten. Er werde nun weiter zum Presserat surfen und eine Beschwerde einlegen.

Imre Grimm antwortet auf Thomas Knüwers Kritik via Twitter:

"Ich teile Ihre These nicht, empfinde die Bezeichnung 'Hass' für eine fröhliche, harmlose Satire als lächerlich und führe Ihren Zorn auf mich auf Ihr langjähriges Frustverhältnis zu Regionalzeitungsverlagen zurück. Stummschalten - so wichtig."

Und:

"Ich bin sicher, dass Familie Claßen auf den Weißen Ritter Knüwer gewartet hat. Keep it up!"

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