Döpfner zieht die Reißleine: Was sein Rücktritt als BDZV-Präsident bedeutet

31.05.2022
 

Der Präsident des Bundesverbands Digitalpublisher und Zeitungsverleger, Dr. Mathias Döpfner, wird sein Amt "ab Herbst in geordneter Weise in neue Hände, vorzugsweise auch in neue Strukturen übergeben". Dies hat der BDZV am Dienstagnachmittag mitgeteilt. Was bedeutet Döpfners Abgang?

Nach Angaben des BDZV bat Döpfner, zugleich Vorstandsvorsitzender von Axel Springer, in einem persönlichen Schreiben an die Verbandsmitglieder um Verständnis für seine Entscheidung und führte dafür zwei zentrale Gründe an. Zum einen sei Springer mit seinem Wachstum in den USA und dem Kauf von Politico, "der größten Akquisition in unserer Unternehmensgeschichte, in einer entscheidenden Phase, die deutlich mehr Zeit und Präsenz von mir in Amerika erfordert". Er werde sich daher nicht mehr in der für einen Präsidenten notwendigen Form und Intensität für den Verband engagieren können.

Zum anderen brauche es, um stärker die Interessen kleinerer und mittelgroßer, regionaler und lokaler Verlage zu vertreten, eine Person beziehungsweise Konstellation an der Spitze, die nicht für ein großes, internationales und sehr digitales Verlagshaus stehe. Dies habe in der Vergangenheit immer wieder zu Missverständnissen geführt. "Beispiel Leistungsschutzrecht: Während ich fest überzeugt bin, dass dieses Recht vor allem die kleineren schützt, behaupten manche, es nütze vor allem den großen." Dies sei eine unnötige Ablenkung vom wirklich Wichtigen. Denn "die Erfolgsfähigkeit im digitalen Journalismus ist unser aller Schicksal", so Döpfner.

Daher seien nun andere Strukturen mit mehr Repräsentanz der kleinen und mittleren Verlage notwendig, erklärte der BDZV-Präsident weiter.

Mit diesem Punkt spiele Döpfner auf die Verwerfungen an, die den Verlegerverband zurzeit lähmten., kommentiert Michael Hanfeld in der FAZ. Großverlage wie Funke oder Madsack hatten - erfolglos -, den Aufstand gegen ihn geprobt. Funke forderte seinen Rücktritt und zieht sich aus dem Verband zurück, der Madsack-Chef Thomas Düffert gab sein Amt als Vizepräsident des BDZV auf (kress.de berichtete). Im Verband hat das laut Hanfeld zu einem Patt geführt: "Madsack und einige andere Verlage liegen mit Döpfner über Kreuz, bei vielen Regionalverlagen hat er jedoch Rückhalt".

Auch sein Umfang mit dem Fall Reichelt sei Döpfner zur Last gelegt worden. Döpfner entschuldigte sich im vergangenen November zu einer umstrittenen privaten WhatsApp-Nachricht.

Neuerlichen Ärger gibt es für Döpfner, weil ihn der Plagiatsgutachter Martin Heidingsfelder ins Visier genommen hat. Im Interview mit kress pro äußert sich Heidingsfelder zu der Frage, wer ihn beauftragt hat und warum Döpfner seinen Doktortitel verlieren sollte.

Hanfelds Einschätzung in der FAZ:

"Das macht in Summe mehr aus, als ein BDZV-Präsident schultern kann. Im Verlegerverband sind die Probleme freilich nicht gelöst, der Dissens zwischen großen und kleineren Verlagen besteht fort. Der Machtkampf ist mit Döpfners geschickt vor dem bald stattfindenden BDZV-Digitalkongress getimten Abgang nicht vorbei. Die Funke-Gruppe fordert eine Totalreform des Verbands, bis hin zur Fusion mit Zeitschriften-, Lokalzeitungs- und Anzeigenblatt-Verbänden. Dafür wird sich kaum eine Mehrheit finden. Gesucht wird jemand, der die Gräben überwindet. Weitere interne Kämpfe kann sich der BDZV wahrlich nicht leisten."

Döpfner will sich sich nun laut eigener Aussage an die Mitglieder wenden, "um mit großer Klarheit den gemeinsamen weiteren Weg bis zur Mitglieder-/Delegiertenversammlung und dem Jahreskongress im September gut und geordnet vorzubereiten".

Der Verband habe in den zurückliegenden Jahren viel erreicht. "Darauf können wir stolz sein", führte Döpfner weiter aus. Gemeinsamkeit sei immer stärker als Partikularinteressen - vor allem, wenn sie öffentlich ausgetragen würden. Er sei sehr dankbar für die Unterstützung und Ermutigung, die er in den letzten Monaten und Wochen von den allermeisten Mitgliedern erfahren habe.

Döpfners Appell: "Lassen Sie uns das nächste Kapitel des BDZV in journalistisch wichtiger Zeit fröhlich und mutig gestalten. Es geht um viel. Um weit mehr als wirtschaftliches Wohl."

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