Was Handelsblatt-Führungskraft Martin Murphy am meisten an PR-Profis nervt

13.06.2022
 

Martin Murphy ist Co-Leiter des Handelsblatt-Investigativteams und hat über mehrere große Wirtschaftsskandale berichtet. Was er bei seinen Recherchen erlebt, wie er über die Fusion von Marketing und PR denkt und wie Unternehmen Druck auszuüben versuchen, sagt Murphy im PR Report-Interview.

Auszug aus dem PR Report, der wie kress im Medienfachverlag Oberauer erscheint:

PR Report: Wie viel dünner und teurer wäre das "Handelsblatt", wenn es PR-Profis nicht gäbe?

Martin Murphy: Genauso teuer und genauso umfangreich.

Manch ein Kommunikationsberater tönte schon vor Jahren: "Ohne uns kriegen Journalisten ihre Seiten nicht mehr voll." Stimmt das?

(lacht) Die Agenturen sind sehr viel professioneller geworden. Manche. Andere sind leider immer noch Ausfälle.

Was nervt an PR-Profis am meisten? 

Gleichgültigkeit.

Gleichgültigkeit?

Ja, wer für diesen Job nicht brennt, sollte damit aufhören. Denn der Job ist so aufreibend. Ich sehe ja, wie lange die Leute arbeiten müssen. Und mich nervt, wenn sie einfach nachtrompeten, was die Entscheiderinnen und Entscheider ihnen sagen. Wenn sie wie Gefreite auf Kommando ihr Gehirn ausschalten und in wichtigen Situationen - eben Krisen - nicht auch mal Kontra geben. Manche Sprecherinnen und Sprecher verzwergen sich, indem sie nicht nur das Vokabular, sondern sogar die Körperhaltung des CEOs übernehmen.

Ist es aus Ihrer Sicht ein Problem, dass in manchen Unternehmen Marketing und Kommunikation funktional verschmelzen, wie zum Beispiel bei Mercedes?

Es ist ein Irrglaube von Unternehmen, dass sie ihren Auftritt nach außen darüber besser steuern könnten. Das wahre Motiv dahinter ist Kostensparen. So ist es doch heute auch bei Mercedes. Eine Zeit lang wird das vielleicht funktionieren, dann werden Mercedes und andere wieder aufbauen müssen. Auch die Idee, Journalistinnen und Journalisten ihre Bedeutung zu nehmen, gibt es schon ewig. Früher gab es Unternehmen, die über Goodies wie Reisen und Autos versucht haben, die Stimmung für sich einzunehmen. Das funktioniert heute nicht mehr, weil wir andere Regeln haben. Jetzt werden wir kleingeredet. Volkswagen-Chef Herbert Diess dachte, er kann alles über Linkedin kommunizieren. Aber das ist nicht authentisch. Wer sich wirklich informieren will, hat es gerne, wenn kritische Fragen von Journalistinnen und Journalisten gestellt werden.

Wie wehren sich Unternehmen gegen kritische Berichterstattung? Was erleben Sie?

Alles. Drohungen, Anzeigenbudgets zu kürzen, gab es immer wieder und wurden umgesetzt. Es gab auch umgekehrt das Angebot, Anzeigen­pakete zu platzieren, wenn wir unsere Bericht­erstattung anpassen. Die Beschwerde beim Chefredakteur sorgt eher für Heiterkeit. Der Ruf nach Papi - eine Verzweiflungstat. Und natürlich gibt es die Klagedrohungen der üblichen Medienanwälte. Davon braucht man sich nicht beeindrucken lassen.

Warum nicht?

Wenn wir sauber arbeiten und uns in dem presserechtlich zulässigen Korridor bewegen, laufen wir vielleicht in eine Auseinandersetzung, aber eine gute Rechtsabteilung wird das abwehren. Das "Handelsblatt" hat eine richtig gute Rechtsabteilung. Drohungen und Anwaltspost sehen wir als Aufforderung, tiefer zu bohren. Dann wissen wir genau, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

[...] Das komplette Gespräch mit Martin Murphy lesen Sie im PR Report 1/2022. Jetzt den PR Report bestellen.

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