Debatte: DJV-Chef Überall begrüßt Selbstkritik von Funke-Verlegerin Becker

21.06.2022
 

Der DJV fordert die Zeitungsverlage auf, die Lokalredaktionen in spürbarem Umfang personell aufzustocken. Anlass ist die von Funke-Verlegerin Julia Becker auf dem European Publishing Congress 2022 in Wien vorgetragene Einsicht, dass die Sparrunden der Verlage auf Kosten der Lokalredaktionen "ein Fehler" waren, der die Nähe zu Lesern stark eingeschränkt habe.

"Ich kann jedes Wort der Funke-Verlegerin unterstreichen", sagt DJV-Bundesvorsitzender Frank Überall. Die Selbstkritik sei nur zu begrüßen. "Dabei darf es aber nicht bleiben. Den Worten müssen Taten folgen - überall, nicht nur bei Funke."

Der DJV-Vorsitzende erinnert in dem Zusammenhang an den anstehenden Generationenwechsel in den Redaktionen: "Die Babyboomer gehen in den Ruhestand." Manche Verlage glaubten offenbar immer noch, freiwerdende Stellen einsparen zu können. Überall: "Das geht nicht, im Gegenteil müssen deutlich mehr redaktionelle Arbeitsplätze eingerichtet werden." Das sei unbedingt nötig, wenn der Lokaljournalismus eine Zukunft haben solle.

Funke-Verlegerin Julia Becker sagte in ihrer Rede beim European Publishing Congress in Wien:

"Wir müssen in unseren Redaktionen hart daran arbeiten, dass wir die Erwartungen unserer Leserinnen und Leser weiterhin erfüllen. Da ist in der Vergangenheit leider einiges versäumt worden - und das sage ich durchaus selbstkritisch: Die Sparrunden der Verlage in der Vergangenheit haben unverhältnismäßig stark die Redaktionen getroffen und dazu geführt, dass zum Beispiel das Netz der Lokalredaktionen immer mehr ausgedünnt wurde. Das war ein Fehler, denn die Leserinnen und Leser merken genau, ob wir vor Ort präsent sind oder nicht. Die Nähe zu den Lebenswelten der Leserinnen und Lesern ist ein Faktor, der über den Erfolg eines Mediums entscheidet."

Weitere Auszüge aus der Rede von Becker können Sie hier nachlesen

Hintergrund: Nach zwei Jahren Pandemie-bedingter Pause sind knapp 300 Chefredakteure und Führungskräfte europäischer Medienhäuser nach Wien gekommen, um sich über ihre Konzepte auszutauschen. Der European Publishing Congress endet heute abend mit der Ehrung der besten Medienmacherinnen und -macher Europas. Diese kommen in diesem Jahr aus Portugal, Spanien, Belgien, Norwegen und aus der Schweiz. Unterstützt wird dieser größte europäische Medienkongress unter anderem durch den Verband der österreichischen Zeitungs- und Zeitschriftenverleger, durch die Bundeszentrale für politische Bildung in Deutschland und Readly aus Schweden. Veranstalter sind der Medienfachverlag Oberauer, zu dem kress.de gehört, und der deutsche Zeitungsdesigner Norbert Küpper.

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