Debatte: Niggemeier meint, der Abgang von Judith Sevinc Basad ist für Bild kein Verlust

24.06.2022
 

Die bisherige Bild-Redakteurin Judith Sevinc Basad hat mit ihrer öffentlichen Kündigung für mächtig Wirbel gesorgt. Stefan Niggemeier meint bei Übermedien, ohne Basad müsse man sich bei Bild etwas weniger schämen.

"Basads türenknallender Abgang von Bild, in dem sie Axel Springer und Vorstandschef Mathias Döpfner vorwirft, 'vor der unerträglichen Tyrannei der woken Aktivisten eingeknickt' zu sein, wird als Teil eines großen Kulturkampfs interpretiert, der in der Gesellschaft geführt wird und im Springer-Konzern ganz besonders tobt", schreibt Übermedien-Gründer Stefan Niggemeier in seinem Artikel zur Debatte über Judith Sevinc Basad.

Niggemeier meint, diese Wahrnehmung sei nicht falsch, und gleichzeitig gehe man Basads Opferstilisierung auf den Leim, wenn man an ihrem Beispiel ernsthaft diskutieren wollte, wie groß die Macht dieser angeblich "freiheitsfeindlichen Ideologie" sei, dass jetzt auch schon ein einst zuverlässig konservativer Laden wie Springer, der sich immer wieder die Freiheit auf die Fahnen geschrieben habe, angeblich vor ihr kapituliere.

Niggemeier führt drei Beispiele von Basads Bild-Artikeln an, an denen sie sich an ihrem "Lieblingsthema" abgearbeitet hätte und die einfach inhaltlich falsch seien.

Deshalb kommt der Medienkritiker zu dem Schluss, ohne Basad müsse man sich bei Bild etwas weniger schämen. Bislang habe sie bei der Axel-Springer-Zeitung gut Karriere machen können mit Anti-"Woke"-Artikeln, deren Markenzeichen es gewesen sei, Fakten zu verdrehen und Gegenpositionen zu verschweigen, so Niggemeier.

Hintergrund: Die bisherige Bild-Redakteurin Judith Sevinc Basad hatte vor rund einer Woche öffentlich gekündigt ("Wieso ich Bild verlassen habe") und damit eine Riesen-Welle ausgelöst. Basad rechnete in dem an Mathias Döpfner adressierten Schreiben sowohl mit dem Unternehmen Springer als auch mit dem Vorstandsvorsitzenden selbst ab (kress.de berichtete). Der Grund für ihre Kündigung sei der Umgang von Axel Springer, also auch Döpfners Umgang, mit der woken Bewegung. Sie habe das Gefühl, dass sie nicht mehr über die Gefahren berichten könne, die von dieser gesellschaftlichen Bewegung ausginge. Und sie habe das Gefühl, das der gesamte Verlag in dieser Sache nicht mehr hinter ihr stünde, schrieb Basad.

Döpfner gab sie zu bedenken: "Ich weiß nicht genau, in welche Richtung Axel Springer gerade steuert, welche neuen Ideale von 'Vielfalt und Freiheit' in der Unternehmenskultur zukünftig etabliert werden sollen. Wer aber solche Vergleiche zu Holocaustleugnern zieht, ist nicht weit davon entfernt, den Holocaust selbst zu relativieren. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das tatsächliche Ihre Interpretation einer vielfältigen und freiheitlichen Firmenkultur sein soll."

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