Wegen Haltung zu Russlands Angriffskrieg: Henryk M. Broder beendet Zusammenarbeit mit "Weltwoche"

 

Der Publizist Henry M. Broder will nicht mehr für die "Weltwoche" schreiben. In einem Text, erschienen in der "Welt" und in der "Weltwoche" selbst, begründet er das damit, dass die rechtskonservative Schweizer Zeitschrift "Putinisten" zu Wort kommen lasse.

Broder versteht darunter diejenigen, die behaupten, die Russen seien nur einem Nato-Angriff zuvorgekommen.

In seinem Text zitiert er ausführlich aus ihn verstörenden Leser-Mails, "deren Absender sich darüber beklagen, beschweren und empören, dass ich nicht 'die Wahrheit' über den Krieg in und um die Ukraine schreiben würde". Solche "Putinversteher", "die Russlands verlorene Ehre wiederherstellen wollen", kämen auch in der "Weltwoche" zu Wort, kritisiert er. "Deswegen beende ich mit diesem Text meine Mitarbeit bei dieser Zeitschrift", schreibt Broder in der "Welt"-Variante seines Textes. "Schade, aber es geht nicht anders. Klarheit vor Einheit!"

In der "Weltwoche" erscheinen in der Tat immer wieder Texte, deren Autoren viel Verständnis für Russland und Präsident Putin aufbringen. Für diese Linie steht nicht zuletzt Verleger Roger Köppel selbst, zugleich SVP-Politiker. Unmittelbar vor dem Angriff Russlands kritisierte er zum Beispiel "den medialen Betrieb der Journalisten und Intellektuellen" in Deutschland für seine "panische Feindseligkeit" gegenüber Putin: "Sie hassen den russischen Präsidenten von Herzen, weil er für all das steht, was sie ablehnen, verteufeln und was deshalb nicht sein darf: Tradition, Familie, Patriotismus, Krieg, Religion, Männlichkeit, Militär, Machtpolitik und nationale Interessen". Dass auch die Schweiz Wirtschaftssanktionen gegen Russland verhängt hat, kritisiert Köppel als Bruch mit dem Prinzip der Neutralität.

Die Haltung zum russischen Angriffskrieg führt auch auf der anderen Seite des politisch-publizistischen Spektrums zu Verwerfungen: 16 Autorinnen und Autoren von "Konkret" wollen nicht mehr für das altlinke Magazin arbeiten - aus ähnlichen Motiven wie Broder. Mit seinem redaktionellen Kurs zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine habe "Konkret" für sie "eine rote Linie überschritten", schreiben sie in einer gemeinsamen Erklärung: "Wir wollen und können nicht weiter in einer Zeitschrift publizieren, die sich in dieser Frage in die Nachbarschaft der AfD, des völkischen Flügels der Linkspartei oder Jürgen Elsässers Compact, von Henry Kissinger, Klaus von Dohnanyi oder den Lobbyverbänden der deutschen Industrie begibt", heißt es dort. Zu den Unterzeichnern dieser Erklärung zählen u.a. der ehemalige "Titanic"-Chef Leo Fischer, der Publizist Alex Feuerherdt und der Historiker Olaf Kistenmacher.

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