Döpfner-Nachfolge als Verleger-Präsident: Wer muss es jetzt machen?

 

Weil Mathias Döpfner sein Amt vorzeitig abgibt, sucht der BDZV einen neuen Präsidenten – oder eine Präsidentin. kress pro-Chefredakteur Markus Wiegand berichtet in seiner Kolumne, über welche drei Namen jetzt intern gesprochen wird.

Auszug aus der Kolumne "Aus unseren Kreisen" im aktuellen kress pro, Magazin für Führungskräfte in Medien:

Jetzt hat der Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) den Salat. Präsident Mathias Döpfner verkündet Ende Mai, dass er sein Amt nach einer Reihe von Querelen abgibt. Offizielle Begründung: Der Axel-Springer-Chef müsse sich künftig mehr um das Geschäft in den USA kümmern, das "in einer entscheidenden Phase deutlich mehr Zeit und Präsenz" erfordere. Eigentlich wäre Döpfners Amtszeit noch zwei Jahre gelaufen.

Eine der Ursachen für den Rücktritt ist auch eine seltsame Schizophrenie der BDZV-Mitglieder. Einerseits nämlich gibt es seit Jahren ein Rumoren über Döpfner, weil er kein Regionalverleger ist, sondern einem internationalen Konzern vorsteht, der ganz andere Interessen hat. Dies trat besonders scharf zutage, als Döpfner im vergangenen Jahr einen lukrativen Deal mit Facebook abschloss. Etliche Mitglieder des BDZV waren stinksauer darüber, war doch die offizielle Empfehlung des Verbandes, keine Einzeldeals zu unterzeichnen, um möglichst hohe Zahlungen nach dem Leistungsschutzrecht durchsetzen zu können. Andererseits aber schätzen viele im Verband Döpfners Souveränitat auf dem politischen Parkett und sein Netzwerk.

Wer kann ihn jetzt ersetzen? Spricht man mit verschiedenen Quellen im BDZV, werden bisher drei Namen genannt: Madsack-Chef Thomas Düffert, Funke-Verlegerin Julia Becker und Valdo Lehari jr. , Verleger des "Reutlinger General-Anzeigers".

Düffert hätte wohl intakte Chancen auf eine Mehrheit. Er war jahrelang Döpfners Vize, ehe er im Februar nach halbherzigen internen Diskussionen um den Präsidenten zurücktrat. Düffert kennt den Verband und die Interessen der kleinen und großen Häuser. Manko: Er gilt lange nicht als so parkettsicher wie Döpfner, wenn es darum geht, den Verband in Berlin zu repräsentieren. Das hingegen sehen inzwischen einige als Stärke der FunkeVerlegerin. Sie allerdings wird für den Rücktritt Döpfners verantwortlich gemacht. Und daher ist es mehr als unsicher, ob sie mehrheitsfähig ist. Besonders schlecht kam bei vielen Mitgliedern an, dass Funke den Austritt aus dem Verband ankündigte, aber gleichzeitig in der Arbeitsgruppe "Strukturfragen" über die Zukunft des BDZV mitspricht. Verleger Martin Balle (Mediengruppe Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung) sagte während der Tagung des Bayerischen Verlegerverbandes im Mai: Das sei etwa so, als wenn die Frau nach der Scheidung weiter bestimme, wie das Haus aussehen solle. Zudem gibt es Befürchtungen, dass Julia Becker bei einer Reform den Einfluss der mächtigen Landesverbände beschneiden und mittelfristig eine Fusion mit den Zeitschriftenverlegern anstreben könnte. Funke sondiert derzeit diskret im Hintergrund das Feld. Denn eines ist klar: Das Risiko einer Kampfkandidatur kommt nicht infrage.

Eine dritte Option wäre Valdo Lehari jr., Verleger und Geschäftsführer des "Reutlinger General-Anzeigers" und seit mehr als 20 Jahren Vorsitzender des einflussreichen Verbandes Südwestdeutscher Zeitungsverleger (VSZV). Er arbeitet zudem seit 2006 in der Spitze der European Newspaper Publisher's Association mit. Lehari wird von vielen akzeptiert, aber weder er noch sein Unternehmen können in der Politik einen großen Namen in die Waagschale werfen.

Möglicherweise gibt es auch noch eine ganz andere Option. Bisher arbeitet der BDZV-Präsident ehrenamtlich und holt sich einen Geschäftsführer dazu. Der könnte künftig eine deutlich stärkere Rolle spielen, was das Feld für neue Kandidaten eröffnen würde. Einziger Haken: Geschäftsführerin Sigrun Albers ist gerade erst gekommen und wurde von Döpfner ausgewählt.

Zeitdruck hat der BDZV übrigens nicht, der Verband teilt zum Fahrplan mit: "Die Reihenfolge ist: Diskussion in der Breite des Verbands, dann Beschluss über die Struktur, danach Wahl für das Führungsamt."

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