Tomasz Kurianowicz: So tickt der neue Chefredakteur der Berliner Zeitung

06.07.2022
 

Nach der Übernahme der Berliner Zeitung durch Holger Friedrich im Jahr 2019 war der Chefredakteursposten lange Zeit nicht besetzt. Nun rückt Tomasz Kurianowicz an die Spitze der Redaktion. Mehr über ihn. 

"In eigener Sache: Seit heute bin ich Chefredakteur der Berliner Zeitung und freue mich darauf, unser Blatt zum relevantesten der Stadt zu machen - mit einem tollen Team!", meldet Tomasz Kurianowicz auf seinem Twitter-Account.

Kurianowicz war seit März 2021 Chefredakteur der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung. Zu seiner Strategie sagte er im Doppelinterview mit Holger Friedrich in der SZ: "Als ich kam, habe ich bemerkt, wie alt die Leserinnen und Leser der Printausgabe der Berliner Zeitung sind, im Durchschnitt um die 70. Mein Anspruch ist es, eine Zielgruppe zwischen 30 und 60 zu erreichen, die unter der Woche keine Zeitung liest, aber am Wochenende Zeit für längere Texte mit einem starken Berlin-Fokus hat, für Gesellschafts-, Kultur-, Politik-, aber auch Lifestyle- und Foodthemen. Wir wollen ein Labor für Zukunftsthemen sein, unangepasst, fortschrittlich. Diesen Innovationsgeist setzen wir radikal um, auch auf das Risiko hin, damit den einen oder anderen Altleser zu irritieren."

In der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung fallen immer wieder kontroverse Stücke auf - etwa zum Thema Impfen oder eine Verteidigung der nach Antisemitismus-Vorwürfen abgesetzten WDR-Moderatorin Nemi El-Hassan. "Wir wollen so viel Debatte wie möglich zulassen", so Kurianowicz. "Ich glaube, dass Gesellschaft dialektisch funktioniert, sich die verschiedenen Kräfte anziehen und abstoßen. Sobald man zulässt, dass diese Kräfte auseinanderdriften, haben wir verloren. Wir wollen daher Räume schaffen, in denen man gesellschaftliche Konflikte verhandeln kann, ein bisschen wie bei einem Familienstreit, wo man auch eher eine Lösung findet, wenn man sich zusammensetzt, anstatt sich anzuschweigen und im Zorn zu verharren."

Zur Person: Dr. Tomasz Kurianowicz (1983 geb. in Bremerhaven) war bis 2018 Kulturredakteur bei Zeit Online. Ab Juli 2020 wirkte er als Leiter des Teils "Gesellschaft und Debatte" im Feuilleton der Berliner Zeitung und stellvertretender Feuilletonchef. Seit März 2021 ist er Chefredakteur der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung.

Vorher hat Kurianowicz vor allem für das Feuilleton der Zeit gearbeitet. Er wurde im Fach Literaturwissenschaft an der Columbia University in New York promoviert. Sein Magisterstudium hat er an der Freien Universität Berlin absolviert und war Mitglied im PhD-Netzwerk "Wissen der Literatur" an der Humboldt Universität zu Berlin unter der Leitung von Prof. Dr. Joseph Vogl. Außerdem freie journalistische Tätigkeit für diverse Medien - u.a. für den Tagesspiegel, die NZZ, Die Zeit und FAZ. Außerdem hat Kurianowicz Fernsehbeiträge für rbbKultur und Radiobeiträge für radioeins (rbb), Radio Bremen Zwei und Deutschlandfunk Kultur produziert.

Hintergrund: Nach der Übernahme der Berliner Zeitung durch Holger Friedrich verließen die bisherigen Chefredakteuer der Berliner Zeitung und des Berliner Kurier, Jochen Arntz und Elmar Jehn, den Berliner Verlag. Danach gab Matthias Thieme ein sehr kurzes Gastspiel an der Spitze (kress.de berichtete). Herausgeber von Berliner Zeitung und Berliner Kurier ist Michael Maier.

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