Bundespräsident Steinmeier wehrt sich gegen Spiegel-Bericht

11.07.2022
 

Hat sich Frank-Walter Steinmeier in einem Telefonat mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj im Ton vergriffen? Der Bundespräsident widerspricht vehement einem Spiegel-Bericht - via Bild-Zeitung.

"Es war ein harter Affront: Im April lud die ukrainische Regierung den Bundespräsidenten aus, als der schon auf halbem Weg nach Kiew war. Jetzt zeigen Details, wie unwirsch Steinmeier auf den Eklat reagierte", schreiben Melanie Amann und Veit Medick im aktuellen Spiegel.

Am 5. Mai soll laut dem Nachrichtenmagazin ein Telefonat zwischen Steinmeier und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj stattgefunden haben. 45 Minuten lang, ein Dolmetscher habe übersetzt, Mitarbeiter auf beiden Seite hätten mitgehört. Es sei das erste Gespräch nach der Absage der Ukraine für einen Steinmeier-Besuch in Kiew gewesen.

"Der Spiegel konnte in vielen Gesprächen mit beiden Seiten nachzeichnen, wie sich die diplomatische Krise zwischen Kiew und Berlin abspielte - und wie das erste Telefonat des Bundespräsidenten mit dem ukrainischen Präsidenten ablief", erklären Amann und Medick in ihrem Bericht.

Als Selenskyj nach Spiegel-Infos beteuerte, von dem Vorgang nichts gewusst zu haben, soll Steinmeier unwirsch geworden sein. Er habe den gesamten Schriftverkehr vor sich liegen. "Bitte ersparen Sie sich selbst und mir, dass ich das jetzt alles vorlese", soll Steinmeier angeblich gesagt haben. Mit dem Hergang und dem Zitat konfrontiert, habe das Bundespräsidialamt auf Spiegel-Anfrage zunächst mitgeteilt, man berichte nicht aus vertraulichen Gesprächen, so die Darstellung des Spiegel.

Nach Erscheinen des Berichts dementierte das Amt dann allerdings via Bild-Zeitung: "Anders als im Nachrichtenmagazin 'Der Spiegel' dargestellt, war das Telefonat zwischen Bundespräsident Steinmeier und dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj am 5. Mai darauf ausgerichtet, Irritationen der Vergangenheit auszuräumen. Das in der Darstellung des 'Spiegel' verwendete Zitat ist weder wörtlich noch sinngemäß gefallen."

Melanie Amann und Veit Medick haben ihren Artikel nun nachträglich ergänzt und die Überschrift, in der das Zitat verwendet wurde, angepasst. Jetzt heißt es dort: "Wie Steinmeier Selenskyj konfrontierte".

Update: Cerstin Gammelin, die Sprecherin von Steinmeier, stellt zudem gegenüber kress.de klar, dass man vom Spiegel nicht mit dem konkreten Zitat vor Erscheinen des Artikels konfrontiert worden sei. Gammelin widerspricht also der Darstellung des Spiegel.

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