Exklusiv: So steht's im Kampf ums Google-Geld

 

Corint Media-Geschäftsführer Christoph Schwennicke soll dem Tech-Riesen eine möglichst hohe Summe für die Ansprüche aus dem Leistungsschutzrecht abtrotzen. Einfach wird das nicht. Denn Google hat die Branche mit seinen geschickten Angeboten bereits gespalten. Zur aktuellen kress pro-Titelgeschichte.

Auszug aus der Titelgeschichte in kress pro - Magazin für Führungskräfte in Medien:

Hinter den Kulissen tobt derzeit ein zäher Kampf, der mit allen juristischen Kniffen geführt wird, weil es ein Präzedenzfall ist. Jahrelang hat Google zuvor die Forderungen der Medienbranche nach einer angemessenen Vergütung einfach ausgesessen und versucht, die Medienbranche mit freiwilligen Förderprogrammen für sich zu gewinnen. Allein im Rahmen der Digital News Initiative (2015 bis 2019) verteilte Google in Europa 150 Millionen Euro an Projektförderungen, in Deutschland landeten 21,5 Millionen Euro. Flankiert wurde der Kuschelkurs mit den Medien von intensiven Lobbybemühungen. Nach einer Studie von Lobby Control aus dem vergangenen Jahr gab Google in Brüssel mit 5,75 Millionen Euro jährlich von allen Unternehmen am meisten Geld aus (vor Facebook mit 5,5 Mio. Euro).

Das alles konnte nicht verhindern, dass zwei gesetzliche Änderungen Google in Deutschland unter Druck gesetzt haben. Zum einen trat im Juni 2021 die Reform des Urheberrechts in Form des Presse-Leistungsschutzrechts in Kraft, zum anderen wurde das Kartellrecht Anfang des vergangenen Jahres verschärft. Damit hat das Kartellamt die Möglichkeit, "die Marktmacht der großen Plattformen einzubremsen", wie die Behörde mitteilte.

Google hatte schon vor den staatlichen Zwangsmaßnahmen präventiv reagiert. Das Tech-Unternehmen hat zahlreichen Medienunternehmen freiwillig gut dotierte Verträge im Rahmen seines Programms Google News Showcase (GNS) angeboten. Darüber hinaus haben Medienunternehmen heute die Möglichkeit, in sogenannten "Erweiterten Vorschauen von Nachrichten" ("Extended News Previews", kurz ENP) Vergütungen zu bekommen. Es bezeichnet "die Anzeige von Inhalten von Presseveröffentlichungen, die über ,Hyperlinks, einzelne Wörter, bloße Fakten' oder ,sehr kurze Auszüge' hinausgehen und so durch das neue Leistungsschutzrecht geschützt sind", schreibt Google.

Dadurch wird derzeit eine Zweiklassengesellschaft geschaffen. Nahezu alle großen Verlage haben gut dotierte, oftmals siebenstellige Showcase-Verträge mit Google abgeschlossen. Dazu haben kleinere und mittlere Verlage meistens allerdings keinen Zugang. Sie können nur ENP-Verträge nach dem Leistungsschutzrecht abschließen, die deutlich schlechter dotiert sind. Hierzu hat Google ein eigenes Webtool aufgeschaltet. Nach eigenen Angaben haben bereits 400 Domains solche ENP-Verträge abgeschlossen. Die Zahl der gesamten digitalen Domains von Medien in Deutschland wird etwa auf 7.800 geschätzt. Die Breite der Branche hat also noch keinen Deal, während die Großen sich versorgt haben.

Google verfolgt offenbar ein zentrales Ziel: Der Tech-Riese möchte die Summe an verpflichtenden Zahlungen insgesamt möglichst klein halten. "Der Gesetzgeber in Europa wollte den Verlegern mit dem Presseleistungsschutzrecht einen fairen Anteil an den Erlösen durch die Nutzung ihrer Inhalte zusichern. Die Verlage, die jetzt bilaterale Verträge abschließen, sägen an ihrem eigenen Ast", kritisiert Christoph Schwennicke, Geschäftsführer der Verwertungsgesellschaft Corint Media. Der Journalist arbeitet seit Mai vergangenen Jahres für das Unternehmen. Es vertritt nach eigenen Angaben derzeit 221 Verleger und Digitalpublisher mit rund 321 Domains. Von den großen Häusern sind Springer, Madsack und die Rheinische Post Mediengruppe dabei, viele andere wie Burda, Spiegel, FAZ, SWMH und Funke fehlen aber.

Welche Summen liegen für Medienunternehmen drin?

Wie verhält sich Google?

Wie verhalten sich die Verlage?

Was sollten kleine Verlage jetzt machen?

[...] Lesen Sie die komplette Titelgeschichte von kress pro-Chefredakteuer Markus Wiegand. Jetzt das neue kress pro bestellen.

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