Putin mit Clownsnase und beispiellose Beleidigungen: Russland droht der Neuen Zürcher Zeitung

18.07.2022
 

Mit deutlichen Worten hat sich die russische Botschaft in Bern an den Chefredakteur der Neuen Zürcher Zeitung, Eric Gujer, gewandt. Es geht um kritische Berichte und eine Karikatur über Kremlchef Wladimir Putin.

In einem öffentlichen Brief der "Botschaft der Russischen Föderation in der Schweizerischen Eidgenossenschaft" heißt es:

"Wir sind äusserst empört über die Veröffentlichung der beleidigenden Karikatur vom Präsidenten der Russischen Föderation W.Putin in der NZZ vom 9. Juli. Wir glauben, dass die Meinungsfreiheit in keiner Weise mit Freiheit der Verbreitung der Beleidigungen und Fakes kompatibel ist. Wir sind gezwungen, festzustellen, dass Ihre Zeitung Aufsätze verschiedenartiger Autoren veröffentlicht, die ihre Erfindungen und Beschimpfungen hinsichtlich der Staatsführung Russlands knallhart und unbestraft verbreiten. Diesmal 'übertrumpfte' die wenig bekannte junge Journalistin Marit Langschwager alle ihre Schreibkollegen damit, dass sie auf die Idee gekommen ist, ihren angeblich naiven und begeisterten Beitrag über 'kreative" Memes der ukrainischen Trollfabrik (eigentlich langweilige Reposts von Internet-Archivbildern mit Benutzung von Grafikprogrammen und Flachwitzen) mit einer Karikatur des russischen Staatschefs mit Hinweisen auf Clownerei, LGBT-Gemeinschaft und 'Kriegsverbrecher' zu versehen."

Der Brief ist an NZZ-Chefredakteur Eric Gujer adressiert. Stein des Anstoßes ist ein Artikel in der NZZ-Ausgabe vom 9. Juli unter dem Titel Superhelden und Schurken entfalten Schlagkraft im Internet. Darin schreibt Marit Langschwager, die Social Media-Redakteurin der NZZ ist, dass der Krieg in der Ukraine auch ein Gefecht der Narrative sei. Sogenannte Memes würden "aufsteigende Underdogs und gefallene Bösewichte" zeigen.

Illustriert ist der Text unter anderem mit einem retuschierten Foto von Putin mit roter Clownnase und Regenbogenfarben auf dem Gesicht. Das Foto ist zuvor auf Twitter unter dem Hashtag "#PutinWarCriminal" (zu Deutsch "#PutinKriegsverbrecher") verbreitet worden.

Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski wird in der NZZ-Geschichte dagegen als mächtiger "Iron Man" dargestellt. "Wenn man von Clownerie spricht, wäre es viel angemessener dieses Thema im Kontext von der jüngeren Vergangenheit des ehemaligen ukrainischen Komikers W.Selenski zu berühren", weist die russische Botschaft in Bern hin. Es gebe Videoaufzeichnungen von ziemlich verwirrenden "Auftritten" mit Beteiligung von Selenski mit überbordender Vulgarität, die im Internet leicht auffindbar wären. Der russische Präsident sei dagegen ein tiefgläubiger orthodoxer Mann und setze sich für Bewahrung traditioneller christlicher Werte in der russischen Gesellschaft ein. "Offensichtlich gefällt das nicht allen im Westen, wo Ideen der LGBT-Gemeinschaft seit Schuljahren aktiv und zwanghaft propagiert werden", heißt es weiter in dem Brief.

Den im NZZ-Text verwendeten Ausdruck "Kriegsverbrecher" sieht die russische Seite auch als "beweislose direkte Beleidigung" an: "Journalistin Langschwager sollte wohl sogar nicht einmal über reale Kriegsverbrechen im Bilde sein - aber nur von der Seite ukrainischer Neonazis in Bezug auf die andersdenkende Zivilbevölkerung, vor allem im Donbass, und russische Kriegsgefangene, worüber Ihre Zeitung lieber schweigt oder Informationen karg und sehr ausweichend gibt, um die lügenhafte Linie der Idealisierung vom Kiewer Regime nicht zu beeinträchtigen", so die Botschaft an NZZ-Chefredakteur Eric Guyer.

Der Brief endet mit diesen beiden Botschaften:

"Wir behalten uns das Recht vor, diese und mögliche künftige verleumderische und beleidigende Publikationen hinsichtlich der russischen Staatsführung in Ihrer Zeitung bei schweizerischen Strafbehörden anzuzeigen, nämlich wegen Verletzung von Art. 173 und 174 des Schweizerischen Strafgesetzbuches (üble Nachrede und Verleumdung).

Gleichzeitig hoffen wir darauf, dass Ihre Redaktion in Zukunft die Auswahl der veröffentlichten Artikel mit mehr Qualität durchführen könnte."

Hintergrund: Wie die Schweizer Nachrichtenagentur SDA berichtet, hatte die russische Botschaft die NZZ bereits früher für Berichte über Russland und den Ukraine-Krieg kritisiert. Von der NZZ lag zunächst keine Stellungnahme vor.

Seit der Entsendung von Truppen in die Ukraine geht Russland im Inland in beispielloser Weise gegen Medien und die Opposition vor. Das Land erklärte mehrere Organisationen für "unerwünscht" und bezeichnete sie als "Bedrohung". Wenn ausländische Organisationen, Stiftungen oder Unternehmen als "unerwünscht" eingestuft werden, drohen Russen mit Verbindungen zu solchen Organisationen hohe Geldstrafen oder Haftstrafen von bis zu sechs Jahren.

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Ihre Kommentare
Kopf
Lothar Riemenschneider

Lothar Riemenschneider

SOCiOTHERAPiE
Gruender

18.07.2022
!

Ein vulgärer, extrem gewalttätiger "tiefgläubiger", "christlicher" Massenmörder, für den es tatsächlich keine angemessene "Beleidigung" gibt, insofern hat die "Botschaft" des elenden russischen Verbrechers Recht.


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