Hochmut der Schlächter: FAZ findet Russlands Drohung an die NZZ lächerlich

19.07.2022
 

Michael Hanfeld, Stellvertreter des Feuillleton-Chefs und verantwortlich für Feuilleton Online bei der FAZ, bringt Russlands Drohung an die Neue Zürcher Zeitung auf die Palme. In seinem Kommentar richtet er selbst deutliche Worte an die russische Führung um Wladimir Putin.

"Zur Verunglimpfung ihrer Gegner sind der russischen Propaganda sämtliche Mittel recht, sei es die Leugnung von Kriegsverbrechen, die Diffamierung der um ihre Existenz kämpfenden Ukrainer als 'Nazis', die Drohung mit Gewalt gegen jene, welche die Ukraine unterstützen, und gerne auch Karikaturen im 'Stürmer'-Stil. Dass deutsche Politiker in SS-Uniformen gesteckt oder ihnen Hitler-Bärte verpasst werden, versteht sich von selbst. Umgekehrt ist die russische Führung peinlichst darauf bedacht, dass sich niemand über Putin lustig macht, nicht im In- und nicht im Ausland", so Michael Hanfeld in seinem Kommentar in der FAZ.

Hanfeld spielt auf einen Vorgang an, der in der Branche derzeit heiß diskutiert wird. So hat die russische Botschaft in der Schweiz der Neuen Zürcher Zeitung mit einer Klage wegen übler Nachrede und Verleumdung gedroht. Gründe sind der Abdruck einer Putin-Karikatur mit roter Clownsnase und der oberen Gesichtshälfte in Regenbogenfarben sowie "beispiellose Beleidigungen" in NZZ-Berichten (kress.de berichtete am Montag).

"Wir glauben, dass die Meinungsfreiheit in keiner Weise mit Freiheit der Verbreitung der Beleidigungen und Fakes kompatibel ist", teilte die russische Botschaft in der Schweiz in einem offenen Brief an NZZ-Chefredakteur Eric Gujer mit. Für Michael Hanfeld von der FAZ ist das "perfekte Realsatire von der Weltmacht Nummer eins in Sachen Fake News". 

Hanfeld stellt im Namen der FAZ unmissverständlich klar:

"Wir finden diese Hinweise indes recht passend, wenngleich Putin als Clown darzustellen eine Verharmlosung ist. Die Eitelkeit des Kremlherrschers dürfte wohl vor allem der LGBT-Verweis getroffen haben. Als Clown solle man lieber den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selensky darstellen, meint die russische Botschaft wenig überraschend. Wladimir Putin hingegen sei ein 'tiefgläubiger orthodoxer Mann', der 'sich für Bewahrung traditioneller christlicher Werte in der russischen Gesellschaft' einsetze. Und ein Kriegsverbrecher sei er selbstverständlich auch nicht. Die Gräueltaten seiner Soldateska freilich, Mord, Folter, Vergewaltigung, die Zwangsumsiedlung von bis zu zwei Millionen Ukrainern, bezeugen das Gegenteil."

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