FAZ mit bester Umsatzrendite seit den 90ern - Wilhelm rückt für Seikel an Spitze des Kuratoriums

01.08.2022
 

Die FAZ hat starke Zahlen für das Geschäftsjahr 2021 gemeldet. Auch den aktuellen Stand bei den Digitalabonnenten gaben die Frankfurter bekannt. Im Aufsichtsrat und Kuratorium der FAZIT-Stiftung gibt es eine Reihe von Top-Personalien.

Das Geschäftsjahr 2021 ist für die FAZ erfreulich verlaufen. Neben einem starken Wachstum des Digitalgeschäfts und einem besser als erwarteten Verlauf des Printgeschäfts trug auch eine im Jahresverlauf stark anziehende Werbekonjunktur zu einem spürbaren Wachstum des Betriebsergebnisses gegenüber einem bereits ansehnlichen Ergebnis im Vorjahr bei, heißt es bei den Frankfurtern.

Die Erlöse beliefen sich im Geschäftsjahr 2021 auf 233,6 Millionen Euro und lagen damit um rund 3 Prozent höher als im Jahr zuvor. 26 Prozent der Erlöse entfielen auf das Digitalgeschäft. Die Umsatzrendite, ausgedrückt als Verhältnis von Betriebsergebnis zu den Erlösen, erreichte ihren höchsten Stand seit den neunziger Jahren.

Das Ergebnis vor Ertragsteuern belief sich auf 16,8 (2020: 0,6) Millionen Euro und beinhaltet wie in den Vorjahren einen negativen Zinsänderungseffekt auf Pensionen in Höhe von 15,4 (2020: 13,7) Millionen Euro. Das Unternehmen wies Ende 2021 eine gegenüber dem Vorjahr leicht höhere Eigenkapitalquote von 46,9 Prozent aus. Die Liquiditätsausstattung und der Wertpapierbestand sind weiter angestiegen, wie in den Vorjahren nahm das Unternehmen keine Bankkredite in Anspruch. Damit sei das Unternehmen in einer guten Position, seine Unabhängigkeit langfristig erfolgreich zu verteidigen, betont die FAZ.

Das Wachstum des Digitalgeschäfts setzte sich auch in den ersten Monaten des laufenden Jahres fort. Zur Jahresmitte verzeichnete das Bezahlangebot F+, das Zugang zu den auf der Website hinter einer Bezahlschranke befindlichen Artikeln sowie die kostenfreie Nutzung der Vorlesefunktionen in den Apps "FAZ.NET" und "FAZ Der Tag" bietet, 97.733 zahlende Abonnenten. Das ist ein Plus von 35 Prozent gegenüber der Jahresmitte 2021.

Da sich auch die Digitalausgaben der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung über die Erwartungen hinaus gut entwickelten, hatte das Haus Ende Juni insgesamt rund 220.000 bezahlte Digitalabos in seinen Büchern. Bis zum Jahre 2026 soll die Zahl der digitalen Abonnements auf mindestens 300.000 steigen.

Von der regen Nachfrage profitierten auch weitere digitale Produkte, darunter die Newsletter und die Podcasts. Der werktäglich erscheinende, "Frühdenker" gehört mit rund 157.000 Empfängern zu den auflagenstärksten Newslettern in Deutschland. Dieser Newsletter kann zunächst drei Monate kostenlos bezogen werden; danach ist der Abschluss eines digitalen Abonnements für F.A.Z., F.A.S. oder F+ notwendig. Der immer am Samstag erscheinende F+-Newsletter hat die Marke von 100.000 Empfänger überschritten. Ungebrochen bleibe auch das Interesse an Podcasts: Der "Podcast für Deutschland" kommt nach FAZ-Angaben auf mehr als 37.000 Abrufe am Tag. Aber auch Themen-Podcasts, darunter "Einspruch", "Digitec" "Finanzen und Immobilien" und "Wissen", werden laut FAZ gerne gehört.

Zur Stärkung ihres Digitalgeschäfts hat die FAZ zuletzt mehr als 20 neue Arbeitsplätze in ihrer Redaktion geschaffen (kress.de berichtete). Sie sollen der Ausweitung und Vertiefung bestehender Angebote, aber auch der Erschließung neuer Märkte dienen. So ist die FAZ seit wenigen Wochen auch auf TikTok vertreten.

Zur Stabilisierung der Geschäftslage trägt neben den steigenden Erlösen aus dem Digitalgeschäft eine weiterhin straffe Kosten-Kontrolle bei, teilt die FAZ mit. Zwar seien die Papierpreise in den vergangenen Monaten exorbitant gestiegen. Dafür hätten sich die Vertriebskosten der Sonntagszeitung durch die Umstellung auf den Samstag als Erscheinungstag merklich reduziert.

Neben neuen Zahlen meldet die FAZ auch eine Reihe von Top-Personalien:

Mit der diesjährigen Gesellschafterversammlung ist Karl Dietrich Seikel nach dem Erreichen der Altersgrenze aus dem Aufsichtsrat der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und dem Kuratorium der FAZIT-Stiftung ausgeschieden. Die FAZIT-Stiftung ist die Mehrheitseigentümerin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung GmbH; die verbleibenden Anteile werden von den Herausgebern gehalten.

Zur Person: Seikel war 2011 in den Aufsichtsrat der FAZ eingetreten. Ein Jahr später hatte er den Vorsitz des Aufsichtsgremiums übernommen, den er im Jahre 2019 an Andreas Barner abgab. Seitdem hatte Seikel den stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitz wahrgenommen. In der FAZIT-Stiftung hatte der erfahrene Medienmanager seit drei Jahren den Vorsitz des Kuratoriums inne; zuvor war er stellvertretender Vorsitzender gewesen. Barner würdigte Seikel in der Gesellschafterversammlung als einen klugen und vertrauensvollen Ratgeber, dem neben dem Erfolg des Unternehmens stets auch die Menschen im Unternehmen und ein kollegialer Umgang wichtig gewesen seien.

Zu seinem neuen stellvertretenden Vorsitzenden wählte der Aufsichtsrat der FAZ Karl Hans Arnold. Der langjährige Zeitungsverleger gehört dem Gremium seit Dezember 2018 an. An die Spitze des Kuratoriums der FAZIT-Stiftung ist Ulrich Wilhelm getreten. Der frühere Intendant des Bayerischen Rundfunks war im Juni 2021 in den Aufsichtsrat der FAZ gewählt worden. Dem Aufsichtsrat gehören neben dem Vorsitzenden Andreas Barner, dem stellvertretenden Vorsitzenden Karl Hans Arnold und Ulrich Wilhelm als Mitglieder Katarzyna Mol-Wolf, Stefan Quandt und Joachim Rosengarten an.

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