Henri-Nannen-Debatte: Bertelsmann lässt Stern-Geschichte wissenschaftlich aufarbeiten

02.08.2022
 

Bertelsmann hat das Institut für Zeitgeschichte in München mit der unabhängigen Aufarbeitung der Geschichte des Magazins "Stern" beauftragt. Im Fokus steht der Umgang mit dem nationalsozialistischen Erbe ab Gründung des Magazins durch Henri Nannen.

Der Forschungsauftrag wurde vom Bertelsmann-Vorstand "in Übereinstimmung und enger Zusammenarbeit" mit den beteiligten Tochterfirmen und Institutionen initiiert, darunter die Geschäftsführung von RTL Deutschland, die Chefredaktion des "Stern" und die Henri-Nannen-Schule für Journalismus, heißt es bei Bertelsmann.

Der Vorstandsvorsitzende Thomas Rabe sagt:

"Mit der Analyse der 'Stern'-Geschichte wollen wir einen Beitrag zur Mediengeschichte der jungen Bundesrepublik ermöglichen. Wir freuen uns sehr, das Institut für Zeitgeschichte hierfür als unabhängigen Partner gewonnen zu haben, den wir in seiner Arbeit vorbehaltlos unterstützen werden."

Der Forschungszeitraum werde  die Jahre ab Gründung des "Stern" durch Henri Nannen 1948 bis zu dessen Ausscheiden 1983 umfassen. Im Mittelpunkt stehe dabei die Frage nach politischen, personellen und inhaltlichen Verflechtungen und Verbindungen zur Zeit des Nationalsozialismus. Aufbauend auf bereits bestehender Forschung sollen weitergehende Analysen vorgenommen werden, etwa zu Themen, Texten und der Bildsprache des "Stern". Hierbei soll auch das umfangreiche Bildarchiv einbezogen werden, das 2018 der Bayerischen Staatsbibliothek zur Erschließung übergeben wurde.

Mit der Analyse der "Stern"-Geschichte durch das Institut für Zeitgeschichte will Bertelsmann einen "objektivierenden, wissenschaftlichen und nachhaltigen Beitrag" zur jüngst wieder aufgekommenen Diskussion um die Person des langjährigen "Stern"-Chefredakteurs Henri Nannen (1913-1996) leisten (kress.de berichtete). Ziel sei es, eine sachliche Grundlage für die öffentliche Debatte zu schaffen, bereits bestehende Forschungen zu ergänzen und damit den aktuellen Kenntnisstand zur Geschichte des deutschen Journalismus nach 1945 um eine fundierte Analyse zu erweitern.

In dem auf mehrere Jahre angelegten Projekt werden ein offener Austausch mit der Forschungs-Community sowie Transparenz im Umgang mit den zu erwartenden Forschungsergebnissen angestrebt. Angedacht ist unter anderem eine wissenschaftliche Tagung, auf der eine erste Bestandsaufnahme vorgenommen werden könnte. Alle für den historischen Forschungsprozess relevanten Quellen werden dem Institut für Zeitgeschichte zur Verfügung gestellt.

Angesiedelt ist die Forschungsarbeit bei dem stellvertretenden Direktor des Instituts für Zeitgeschichte, Prof. Dr. Magnus Brechtken, der laut Bertelsmann als ausgewiesener Experte für die Auseinandersetzung mit dem Erbe des Nationalsozialismus gilt. Das Institut für Zeitgeschichte habe bereits zahlreiche Studien dieser Art erfolgreich durchgeführt, so etwa zur Geschichte des Bundesinnenministeriums, zum Atom- und Forschungsministerium, zur Entwicklung von der Reichsbank zur Bundesbank sowie zu Alfred Bauer und der Berlinale, um nur einige der zahlreichen IfZ-Projekte zur sogenannten Aufarbeitungsgeschichte zu nennen. Auf Seiten von Bertelsmann wird das Projekt vom zur Unternehmenskommunikation gehörenden Unternehmensarchiv begleitet.

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