Nach Verleger-Veto: Warum Digital-Chef Markus Knall bei Ippen nicht hinschmiss

 

Das Ippen-Investigativteam kündigte 2021 geschlossen, weil Verleger Dirk Ippen die Veröffentlichung einer Geschichte über Julian Reichelt verhindert hat. Im kress pro-Interview sagt Ippen-Media-Chefredakteur Markus Knall, warum er nicht selbst die Brocken hinwarf und wie er jetzt Vorbehalten von jungen Journalisten gegen Ippen begegnet.

Auszug aus der Top-Story im neuen kress pro, Magazin für Führungskräfte in Medien:

kress pro: Was ist für Sie Qualität im Journalismus?

Markus Knall: Die Mindestanforderungen sind Faktentreue, Sorgfalt, Ausgewogenheit und Fehlerfreiheit. Darüber hinaus bringt qualitativ guter Journalismus der Gesellschaft immer einen Mehrwert, weil er einordnet und Orientierung gibt - unabhängig davon, ob es um Unterhaltung, Politik oder Lokales geht.

Ippen Media hat mit seinem Netzwerk den Ruf, ein wirtschaftlich erfolgreicher Reichweiten-Riese, aber ein journalistisches Leichtgewicht zu sein. Welche Mehrwerte liefern Sie denn der Gesellschaft?

Wir hatten schon immer eine große Menge originärer Reporterstücke aus den Zeitungsredaktionen. Richtig ist, dass es für uns wichtig ist, viele Leser zu erreichen. Das ist die Voraussetzung dafür, dass Journalismus wirksam und finanzierbar ist. Das ist uns gelungen. Doch Reichweite und Qualität sind keine Gegensätze. Seit knapp zwei Jahren investieren wir zusätzlich verstärkt in den qualitativen Ausbau. Weil das Netzwerk und die Zentralredaktion so groß geworden sind, können wir es stemmen, vertiefenden Content zu produzieren. Diesen Schritt könnten die einzelnen Portale alleine kaum gehen.

Ist Ihre Qualitätsoffensive nicht schon längst gescheitert? Eine wichtige Säule war ein aus der Buzzfeed-Redaktion hervorgegangenes Investigativ-Team. Es hat Ende 2021 geschlossen gekündigt, weil Verleger Dirk Ippen die Veröffentlichung einer Geschichte über Julian Reichelts Machtmissbrauch bei "Bild" verhindert hat.

Das war ein Rückschlag auf unserem Weg, den ich bedauere. Er ändert aber nichts an unserer grundlegenden Strategie, nach Exzellenz in Qualität und Reichweite zu streben. Wertvolle journalistische Arbeit wurde und wird in vielen Teams des Netzwerkes geleistet.

Sie sind damals für die Veröffentlichung der Geschichte eingetreten. Haben Sie ebenfalls erwogen, die Brocken hinzuwerfen, nachdem Dirk Ippen sie gestoppt hatte?

Das war keine Option. Wir haben in den vergangenen zehn Jahren aus den Onlineredaktionen unterschiedlicher Lokalzeitungen einen der größten deutschen Digitalpublisher mit mehr als 200 Mitarbeitern an neun Standorten gemacht und sind dabei, ein wirtschaftlich nachhaltiges Modell für Digitaljournalismus zu etablieren. Wir gehen jetzt mit dem qualitativen Ausbau den nächsten wichtigen Schritt. Daran will ich mich messen lassen.

Hat Ihr Verhältnis zu Dirk Ippen durch die Angelegenheit Schaden genommen?

Nein.

Ambitionierte junge Journalisten werden sich sehr genau überlegen, zu Ihnen zu kommen, weil sie nicht wissen, ob sie in einer kritischen Situation den Rückhalt des Verlags haben. Stoßen Sie in Bewerbungsgesprächen auf solche Vorbehalte?

Am Arbeitsmarkt hat uns das nicht nachhaltig geschadet. In Vorstellungsgesprächen haben Bewerber gelegentlich danach gefragt. Wenn ich dann von unserem einmaligen Netzwerk-Modell, unserer Vision der Meinungsvielfalt, der hervorragenden Arbeit der Kolleginnen und Kollegen und unseren Qualitätsinhalten erzähle, sehen sie ein differenziertes Bild.

[...] Chefredakteur Markus Knall hat das Netzwerk von Ippen Media zu einem Reichweitenriesen gemacht und will es jetzt auch zu einer Qualitätsgröße ausbauen. Im kress pro-Interview sagt er, wie das gehen soll. Jetzt kress pro bestellen.

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