Nach dem Tod des Hauptaktionärs: Wie es bei Brand eins weitergeht

 

Nach dem Tod von Hauptaktionär Götz Werner rückt ein echter Captain als Anteilseigner des Magazins in den Mittelpunkt. Was Brand eins-Gründerin und -Chefredakteurin Gabriele Fischer (Foto) davon hält und wo sie ein Problem hat. kress pro berichtet.

Auszug aus dem aktuellen kress pro, Magazin für Führungskräfte in Medien:

Anfang Februar 2022 starb Götz Werner. Der Gründer der Drogeriemarktkette dm (Umsatz 20/21: 12,3 Milliarden Euro Umsatz) wurde 78 Jahre alt. Mit dem Tod Werners ging der deutschen Wirtschaft nicht nur eine große Unternehmergestalt verloren, auch dem unabhängigen Wirtschaftsmagazin "Brand eins" fehlt seither ein wichtiger Anteilseigner und Geldgeber. Denn immer, wenn es bei dem 1999 von Gabriele Fischer gegründeten Magazin mal wieder finanziell klamm wurde, half der Firmeneigner aus Karlsruhe gerne aus und wurde so zum größten Einzelaktionär des Titels (mit rund 42 Prozent).

Was heißt Werners Tod für "Brand eins"? Gründerin Gabriele Fischer teilt dazu mit: "Götz Werner hat seine Anteile an 'Brand eins' der von ihm gegründeten, gemeinnützigen dm-Werner-Stiftung vermacht. Damit ist die Kontinuität der Nachfolge von Götz Werner gewährt."

Allzu große Sorgen muss sich die Verlegerin und Chefredakteurin wohl nicht machen. Denn bereits im Jahr 2016 hat Fischer in dem Reeder Thomas Pötzsch aus dem schleswig-holsteinischen Rellingen einen weiteren potenten Geldgeber gewinnen können (Anteil: rund 40 Prozent). Der gebürtige Stuttgarter, ehemaliger Waldorfschüler, ist Hochseekapitän mit dem Patent A6 für die Große Fahrt und zugleich Chef von CTP, einer Reederei, die sich auf den Transport von losem Material spezialisiert hat - Fachleute sprechen von Massengut, Schüttgut oder auch Bulkerware, wie das Magazin "Mare" in einem großangelegten Porträt über Pötzsch zu berichten wusste. Dessen weit verzweigte Firmengruppe CTP steht übrigens ganz unbescheiden für "Captain Thomas Pötzsch" und ist durch Transport und Logistikdienstleistung für Mineralienhändler international offenbar gut im Geschäft.

Gabriele Fischer lässt wissen, dass Pötzsch "der Idee und Marke ,Brand eins' aktiv und nachhaltig verbunden ist. Das Engagement durch ihn und seine CTP-Gruppe ist ihm ein strategisches, inhaltliches und gesellschaftliches Anliegen, keineswegs nur ein Finanzinvest." Ganz ähnlich hatte auch Götz Werner seine Investition immer gesehen. Denn wirtschaftlich lukrativ war der Titel nie. Immerhin aber gehören die roten Zahlen der Vergangenheit an. Die letzte Kapitalerhöhung bei "Brand eins" liege, so Fischer, schon länger zurück und habe Ende 2009 nach der Finanzkrise stattgefunden. "Heute", teilt Fischer mit, "stehen wir wirtschaftlich auf stabilen Beinen." Dennoch kämpft auch "Brand eins" mit den Strukturproblemen der Branche. Die hart verkaufte Aboauflage sank in den vergangenen fünf Jahren laut IVW von rund 25.000 (1/2017) auf 20.000 (1/2022), beim Einzelverkauf ging es noch steiler bergab.

Wie also geht es weiter bei "Brand eins"? Im November 2021 hat der Digitalexperte, Buchautor und Vortragsredner Holger Volland den Vorstandsvorsitz übernommen. Über ihre eigene Nachfolge schweigt Fischer (69). Sie habe "noch einen bis Ende 2026 laufenden Vertrag und damit genügend Zeit, zusammen mit Holger Volland, dem weiteren Vorstandsmitglied Susanne Risch und dem achtköpfigen Führungskreis für 'Brand eins' und seine inzwischen vielfältigen Geschäfte alle Führungsfragen zu klären", lässt sie wissen.

Publizistisch hat die "Brand eins"-Macherin Beeindruckendes geleistet. Das Problem: Viel wert ist ihr Lebenswerk nicht. Schon vor Jahren gab es eine Reihe von Kaufinteressenten, die deutlich tiefere Preisvorstellungen hatten als die Anteilseigner. Allein der Markenaufbau hat durch die Anfangsverluste 12 Millionen Euro verschlungen. Das wollte schon vor rund einem Jahrzehnt niemand bezahlen. Und vermutlich ist die Neigung seither nicht gerade gestiegen.

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