kress pro-Case: Wie Publisher mit Kritik auf Kununu umgehen sollten

24.08.2022
 

In einem Case analysiert kress pro, welche Spielregeln bei der Arbeitgeber-Bewertungsplattform Kununu gelten und wie Medienunternehmen sie für sich nutzen können.

Auszug aus einem Case im neuen kress pro, Magazin für Führungskräfte in Medien:

Seit 2019 veröffentlicht kress pro jährlich Arbeitgeber-Rankings von Medienunternehmen, die auf den Daten der Bewertungsplattform Kununu basieren. Die Ergebnisse werden in der Branche viel beachtet, diskutiert und kritisiert. Bei den Reaktionen von Firmenchefs und Personalverantwortlichen ist ein Muster erkennbar: Lob wird gerne genommen, bei Tadel hingegen bezweifeln Firmenchefs und Personalverantwortliche gerne mal Methode, Relevanz, Seriosität der Kununu-Liste. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema:

Wie präsent ist Kununu?

Aktuell finden sich dort Informationen, Nutzerkommentare und Beurteilungen zu mehr als einer Million Unternehmen aus über 40 Branchen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Es wurden bislang gut sieben Millionen "Workplace Insights" abgegeben. Sprich: rund 4,5 Millionen Arbeitgeber-Bewertungen, mehr als 2,1 Millionen Gehaltsangaben über den Kununu-Gehaltscheck und mehr als 600.000 Einschätzungen zur Unternehmenskultur über den Kununu-Kulturkompass.

Kann man Kununu auch ignorieren?

Laut einer Umfrage des HR-Marktforschungsunternehmens Trendence im Auftrag der Hochschulen Innsbruck, Krems und Wien unter 1.647 Personen, die sich in den vergangenen zwölf Monaten in mindestens einem Bewerbungsprozess befanden, wird neben Kununu lediglich die Karrierewebsite von Unternehmen noch etwas häufiger herangezogen, um sich ein Urteil über einen potenziellen Arbeitgeber zu bilden. Bewerber vergleichen die beiden Informationsquellen. "Das erhöht den Druck für Unternehmen, authentisch zu kommunizieren", sagt Markus Latzke von der IMC Fachhochschule Krems.

Sascha Theisen, Geschäftsführer der Beratungsfirma Employer Telling, hält es für riskant, "Kununu als Plattform misszuverstehen, auf der sich unzufriedene ehemalige Mitarbeiter auskotzen – und sie deshalb zu ignorieren". Dazu sei Kununu ein zu großer und wichtiger Ort geworden, an dem sich Arbeitgebermarken bilden. "Wer das nicht versteht, sollte sich nicht wundern, wenn plötzlich Bewerbungen ausbleiben", sagt Theisen.

Welche Spielregeln gibt Kununu vor?


Noten und Kommentare über ein Unternehmen auf Kununu abzugeben, ist einfach – und anonym. Es reicht, eine E-Mail-Adresse anzugeben, die jedoch online nicht gezeigt wird. Angaben wie Jobstatus oder Abteilung werden sichtbar, sind aber keine Pflichtfelder. Ähnlich wie bei anderen Vergleichs- und Bewertungsportalen können Nutzer also in Deckung bleiben.

Wer schreibt, muss folgende Regeln beachten: Personen dürfen nicht namentlich erwähnt werden. Die Veröffentlichung firmeninterner Informationen, diskriminierende, beleidigende, politische, rufschädigende, rassistische und vulgäre Aussagen sowie Kritik an der Qualität von Produkten sind nicht erlaubt. Es dürfen keine Links hinzugefügt werden. Kununu versucht zudem, Fake-Bewertungen per Software und persönlich auf die Schliche zu kommen. Zunächst durchsucht ein technischer Filter nach eigenen Angaben jede Bewertung nach Schimpfworten, Klarnamen oder anderen kritischen Begriffen. Der Algorithmus prüft zudem, ob möglicherweise eine manipulierte Mehrfachbewertung vorliegt. Falls ja, wird die betroffene Bewertung manuell kontrolliert – vom laut Kununu aus 20 Beschäftigten bestehenden Community-Support.

Was können Unternehmen in eigener Sache auf Kununu tun?


Zuerst eine Warnung, was sie auf keinen Fall tun sollten, nämlich "selbst Fake-Bewertungen einstellen, um den Kununu-Score kurzfristig zu verbessern. Nutzer merken das sofort", sagt Theisen. In Gesprächen mit kress pro haben Publisher häufig bestätigt, dass sich Präsenz und Aktivitäten auf Kununu positiv auf ihr Arbeitgeber-Image auswirken. Sie sollten allerdings aufpassen, dass die Darstellung in eigenen Medien wie etwa der Karriere-Website oder im kostenpflichtig buchbaren Firmenprofil auf der Kununu-Seite nicht den Beurteilungen auf der Plattform komplett widerspricht. "Wir motivieren unsere Führungskräfte, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber auch Bewerber, Azubis und Praktikanten, einen Beitrag zu leisten und uns ein Feedback auf Kununu zu geben", sagt Personalleiter Brandes vom Landwirtschaftsverlag. Auch bei Vogel wird das Thema aktiv behandelt. Zum Beispiel werden Kolleginnen und Kollegen "nach der Onboarding-Phase oder nach der Probezeit angesprochen und auf Kununu verwiesen. Ob sie sich dann äußern, ist natürlich deren Entscheidung", sagt Manager Schunk.

Der Text ist ein Auszug aus einer ausführlichen Analyse, erschienen in Ausgabe 6/2022 von kress pro. Dort lesen Sie auch, wie Arbeitgeber gegen Kommentare bei Kununu vorgehen können und wann juristische Schritte sinnvoll sind.  Jetzt hier bestellen!

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