NDR Kiel: Redakteure kritisieren "politische Filter" in der Berichterstattung

 

Laut "Business Insider" haben sich in den vergangenen zwei Jahren insgesamt neun Redakteure des NDR-Landesfunkhauses Kiel vertraulich an den Redaktionsausschuss des öffentlich-rechtlichen Senders gewandt. Sie bemängeln unter anderem "politische Filter" in der Berichterstattung.

Konkret geht es um die Berichterstattung zum Rücktritt des schleswig-holsteinischen Innenministers Hans-Joachim Grote im April 2020. Ein Redakteur wandte sich seinerzeit hilfesuchend an den Redaktionsausschuss, weil seine Vorgesetzten ein Interview mit Grote unmittelbar nach dessen Rücktritt verhindert hatten. Der NDR-Redaktionsausschuss kam laut "Business Insider" Ende 2021 in einem vertraulichen Bericht zu dem Ergebnis, dass das eine Fehlentscheidung war. Das Gremium besteht aus 20 freien und festen Journalisten des Senders und dient als Anlaufstelle für interne Beschwerden.

Weitere acht Redakteure sollen den Eindruck des Redakteurs bestätigt haben, schreibt "Business Insider" außerdem und gibt ihre Klagen mit einem Zitat aus dem Untersuchungsbericht des Redaktionsausschusses wieder: "Sie berichten uns, dass sie den Eindruck hätten, es gäbe einen Filter in der Redaktion. Berichterstattung werde teilweise verhindert und kritische Informationen heruntergespielt. Autoren würden abgezogen und Beiträge in den Abnahmen massiv verändert. Die Stimmung in der Abteilung sei vergiftet, da Konflikte so lange schwelen."

Der NDR hat mit einer Stellungnahme auf den Bericht von "Business Insider" reagiert. Er weist darin den Vorwurf zurück, es gebe "politische Filter" im Landesfunkhaus Schleswig-Holstein. Selbst der Redaktionsausschuss habe im Übrigen der Behauptung widersprochen, die Entscheidung gegen ein Grote-Interview sei politisch motiviert gewesen. Auch die "pauschale Beurteilung zum Arbeitsklima" habe sich aus Sicht des Landesfunkhauses Schleswig-Holstein nach persönlichen Gesprächen mit zahlreichen Mitarbeitenden nicht bestätigt. "Sowohl Chefredaktion als auch Redaktionsausschuss führen weiter Gespräche mit den Mitarbeitenden der Redaktion im Landesfunkhaus Schleswig-Holstein."

Aufmerksamkeit für Berichte über Missstände bei öffentlich-rechtlichen Sendern ist derzeit gewiss: Die Enthüllungen von "Business Insider" über das Gebaren der RBB-Intendantin Patricia Schlesinger haben gerade zu deren Abberufung geführt, eine Krise beim RBB ausgelöst und alle ARD-Sender unter erheblichen Rechtfertigungsdruck gesetzt.

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