RBB-Reporter Sundermeyer: Redakteure werden "unverschuldet in Kollektivhaftung" genommen

 

Olaf Sundermeyer, Reporter bei RBB24 Recherche, hat sich in einem Gastbeitrag für die "Zeit" die Wut über die Zustände in der Führungsetage des Rundfunks Berlin-Brandenburg von der Seele geschrieben, die Journalisten des Hauses aber in Schutz genommen.

"Ich teile die Wut, von der viele Kollegen in der Belegschaft des RBB seit Wochen erfüllt sind", schreibt Sundermeyer. "Weil das höchste Gut beschädigt wurde, auf dem unsere journalistische Arbeit beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk (ÖRR) gründet: unsere Glaubwürdigkeit. Sie wiederherzustellen ist jetzt die zentrale Aufgabe."

Viele RBB-Journalisten seien "unverschuldet in Kollektivhaftung" für das "Gefälligkeitssystem" von Patricia Schlesinger und ihre "offenkundige Maßlosigkeit in Zeiten hoher gesellschaftlicher Belastungen" genommen worden, meint Sundermeyer: "Dieses Verhalten war unanständig, unabhängig von der juristischen Bewertung, die noch aussteht."

Sundermeyer kritisiert insbesondere das System fünfstelliger Boni für 28 Mitglieder der RBB-Führungscrew in außertariflichen Beschäftigungsverhältnissen. "Für mich ist es nicht nachvollziehbar, und damit nicht vermittelbar, warum und wofür meine Vorgesetzten trotz sinkender Publikumsresonanz und schlechter wirtschaftlicher Zahlen außerordentlich belohnt werden sollten", schreibt er. Für journalistische Leistungen seien hingegen keine Boni vorgesehen. "Ich erinnere mich einzig an einen Verzehrgutschein über 100 Euro. Den bekam ich einmal als Anerkennung für eine ARD-Doku zu angegriffenen Flüchtlingsunterkünften auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise." Der Film habe dem RBB eine Rekordquote und eine Nominierung für den Grimme-Preis eingebracht.

Zur Ehrenrettung des Senders trügen die Redaktionen durch ihre kritische Berichterstattung über die Zustände im eigenen Haus bei. Daran richteten sich viele Mitarbeiter des Hauses nun auf.

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