Medienprofis in der Krise: Glücklich sein, auch wenn die Zeiten schwierig sind

 

Krisen, Rückschläge und belastende Umbrüche gehören zum Leben, auch wenn wir es uns natürlich anders wünschen. Viele Träume erfüllen sich gar nicht, manches Problem bleibt unlösbar. Mediencoach Attila Albert sagt, wie Sie trotzdem auch in schwierigen Zeiten glücklich und erfüllt leben.

Seit diese Kolumne erscheint, ist sie hoffentlich eine wöchentliche Ermutigung, berufliche und persönliche Chancen zu erkennen und wahrzunehmen. Gleichzeitig weiß jeder mit ein wenig Lebenserfahrung: Meist ist das nicht sofort möglich und selten leicht. Selbst die erfolgreichsten Medienprofis erleben zudem Krisen, Rückschläge und belastende Umbrüche (z. B. berufliche Konflikte, problematische Trennung, schwere Erkrankung). Dafür gibt es oft keine schnelle Lösung, auch wenn wir heute fast erwarten, dass es so sein müsste.

Selbst in schwierigen Zeiten ist es dennoch möglich, glücklich und erfüllt zu leben. Allerdings braucht es dafür mehr als oberflächliche Durchhalteparolen, wie man sie leider oft aus der Berater- und Coachingszene hört: "Du kannst alles erreichen, wenn du nur an dich glaubst", "Lebe deinen Traum, gib niemals auf" und ähnlich. Selbstverständlich funktioniert das nur in den seltensten Fällen. Viele Lebensträume erfüllen sich nie, manches lässt sich nicht lösen. Damit kann man umgehen lernen, einen Sinn darin finden, daran wachsen.

Mein neues Buch "9 Wahrheiten, die dich durchs Leben tragen", gerade erschienen, widmet sich ganz diesem Thema: Glücklich sein, auch wenn die Zeiten schwierig sind. Jeder muss Ungerechtigkeiten, Enttäuschungen und Verluste erfahren. Doch wer darauf vorbereitet ist, kann durch sie klüger und stärker werden. Das setzt allerdings voraus, sich etwas tiefergehend damit auseinanderzusetzen, was das eigene Leben eigentlich trägt: Was ihm Sinn, Ziel und Halt gibt – vor allem dann, wenn es mal nicht so gut läuft.

Gestalten und genießen, was möglich ist

So muss man spätestens in der Lebensmitte einsehen, dass man gewisse Ziele wohl nie mehr erreichen wird. Beispielsweise eine angestrebte Karrierestufe, ein bestimmtes Einkommen, ein eigenes Haus oder Kinder. Gleichzeitig kann man dankbar sein für das, was gut funktioniert hat. Mancher Lebenswunsch hat sich zudem schon erfüllt – nur anders, als man es zunächst wollte. Persönliche Reife zeigt sich hier darin, nicht allzu viel Zeit mit Reue zu verschwenden. Sondern zu gestalten und zu genießen, was jetzt noch möglich ist.

Ebenso gilt das für die Einsicht, dass es im Leben oft nicht gerecht zugeht.
So wird vielleicht die jüngere Kollegin befördert, die geringer qualifiziert und weniger erfahren ist. Das wichtige Projekt, professionell geplant und durchgeführt, scheitert trotzdem. Man hat gesund gelebt, erkrankt aber gleichwohl. Hier drückt sich Reife darin aus, sich nicht ewig mit Schulddebatten und Überlegungen aufzuhalten, wie die Welt sein sollte. Sondern sein Mögliches zu tun, ansonsten auf eine größere, langfristige Gerechtigkeit zu vertrauen.

Ständig nur unvollkommene Menschen

Im Privaten zeigt sich beispielsweise nach den ersten kurzen Affären, schönen Beziehungen und schmerzhaften Trennungen: Liebe ist nicht immer angenehm. Ständig hat man es mit ganz unvollkommenen Menschen zu tun, ist ehrlicherweise selbst auch nicht viel besser. Hier besteht die Lebenslektion darin, Liebe nicht mehr hauptsächlich als das romantische, leidenschaftliche, schöne Gefühl zu sehen. Sondern als Zuneigung, die sich praktisch ausdrückt, beispielsweise durch Aufmerksamkeit, Geduld, praktische Hilfe.

Auch ein frustrierender Alltag gehört zu den Herausforderungen, mit denen jeder einmal umgehen lernen muss. Die ganze Woche beruflich im Stress, danach um Haushalt und Kinder kümmern, am Wochenende und im Urlaub nur kurzfristig erholen – das wirft unweigerlich die Frage auf: Soll das wirklich alles sein? Wer das ändern will, muss sein Leben ganzheitlicher planen. Beispiel: Weniger Arbeit trotz der Nachteile, die sich daraus ergeben könnten, dafür mehr Zeit für Freunde, Hobbys, ein Ehrenamt, sich selbst.

Eigene Überzeugungen, Prioritäten und Werte klären


Generell lautet die beste Strategie in Krisen: Anpacken, was sich ändern lässt, und akzeptieren, was man hinnehmen muss. Diese Unterscheidung verhindert, dass Sie sich völlig erschöpfen. Also nicht ewig klagen, schimpfen oder streiten, sondern das Ihnen Mögliche tun. Je weniger Sie sich von Emotionen überwältigen lassen (z. B. auf Social Media), desto mehr Zeit und Kraft bleibt Ihnen, um Ihre Lage zu verbessern. Es ist hilfreich, seine Gefühle auszudrücken, aber nur, wenn das begrenzt und konstruktiv geschieht.

Als Coach weiß ich von unzähligen Medienprofis, die schwierige Zeiten (z. B. chronische Erkrankung, beruflicher Misserfolg) mit Würde und Pragmatismus durchstehen. Im besten Fall werden sie dadurch zuversichtlicher: Sie sehen die Lage realistisch, trauen sich aber zu, sie zu bewältigen. Gleichzeitig verstehen sie komplexere Lebenswahrheiten besser, dass sie z. B. niemals alles erreichen können, dass aber auch gar nicht nötig ist. Damit reifen sie charakterlich und persönlich, sehen vieles gelassener als in jungen Jahren.

Krisen zeigen immer eigene Versäumnisse auf, etwa zu wenige Ersparnisse und Freunde für den Notfall gehabt zu haben. Aber auch Stärken, die einem bisher noch nicht bewusst waren (z. B. Selbstbeherrschung, Geduld, Freundlichkeit auch in schwierigen Zeiten). Gleichzeitig können sie dazu anregen, bisherige Überzeugungen und Erwartungen zu überdenken und zu korrigieren. Sie lenken schlußendlich den Blick auf die schönen Seiten des Alltags, die man bisher für selbstverständlich gehalten oder übersehen hat.

Zum Autor: Attila Albert (geb. 1972) begleitet Medienprofis bei beruflichen Veränderungen. Er hat mehr als 25 Jahre journalistisch gearbeitet, u.a. bei der Freien Presse, bei Axel Springer und Ringier. Begleitend studierte er BWL, Webentwicklung und absolvierte eine Coaching-Ausbildung in den USA. www.media-dynamics.org.

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